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Die schwimmenden Häuser im Geierswalder See.

Die zwei schwimmenden Häuser im Geierswalder See. Foto © picture alliance / Andreas Franke

So wohnen wir morgen

Zukunftshäuser

Eigentlich sollten wir längst auf dem Mond leben. Oder wenigstens in rotierenden Raumstationen. So jedenfalls stellte man sich vor 40 Jahren die Zukunft vor. Tatsächlich stehen (oder schwimmen) die Häuser von morgen wohl noch immer auf der Erde. Denn nicht wo, sondern wie wir leben, ändert sich: "Dezentrales Wohnen setzt sich zunehmend durch", heißt es in einer Studie des Zukunftsinstituts in Kelkheim, die einen Ausblick bis ins Jahr 2025 wagt. "Die Wohnung bleibt der Kern, neue, ausgelagerte Bereiche kommen hinzu."

Räume, die mitdenken

In Mehrfamilienhäusern bedeutet das so etwas wie die Rückkehr der Gemeinschaftsküche: Räume, die man nicht ständig braucht, stehen abwechselnd allen zur Verfügung. Das spart Platz und Kosten.

Aber auch im Einfamilienhaus gibt es nicht mehr Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer, sondern Räume, die ihre Funktion je nach Bedarf wechseln. Küche und Bad sind nur noch Module, die sich hinter Schiebewänden verbergen. "Je situativer eine Wohnung sich anpassen kann, desto besser", sagen die Zukunftsforscher.

Solaranlagen und alternative Energie

Das Gleiche gilt für die Versorgung mit Energie. Schon heute können Häuser gebaut werden, die mehr Strom erzeugen, als ihre Bewohner verbrauchen. Möglich machen das Solaranlagen und der effiziente Umgang mit Energie durch eine intelligente Haussteuerung, die für eine gleichbleibende Wohntemperatur und die nötige Lüftung sorgt.

Überhaupt setzt sich Technik im Haus in Zukunft in immer mehr Bereichen durch. Alles wird vernetzt und arbeitet eng zusammen: Die Eingangstür erkennt die Bewohner am Schlüssel, beim Hereinkommen schaltet sich das Licht ein, die Jalousien richten sich nach dem Stand der Sonne, gewaschen wird genau dann, wenn der Strom am günstigsten ist. Und die Waage im Bad erinnert an den überfälligen Arztbesuch – oder daran, endlich mal wieder zu joggen.

Das Schönste: Bei all dem müssen wir uns nicht mit komplizierten Steuerpulten herumschlagen. Das Haus von morgen wird über Bildschirme in den Wänden bedient – oder ganz einfach mit dem Handy.

Unabhängig: das schwimmende Haus

schwimmende Haus
Am Südufer des Geierswalder Sees an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen liegen zwei schwimmende Häuser. - Foto: © dpa

In den Niederlanden sollen Floating Homes, schwimmende Häuser, neuen Wohnraum in den Küstenregionen erschließen. In Hamburg liegt seit 2006 ein schwimmendes Haus im Hafen vor Anker. Es ist an Stahlrohren befestigt und rutscht mit dem Wasserstand nach oben oder unten. Häuser auf dem Wasser werden mit Strom, Wärme und Wasser vom Land versorgt, für den Liegeplatz wird eine Gebühr fällig. Selbst einen Garten kann man auf einem extra Ponton anlegen. Besonders attraktiv: die Rundumterrasse – und der unverbaubare Blick aufs Wasser.

Wiederverwertbar: das Haus aus Papier

Auf dem Gelände der Zeche Zollverein Essen stand bis 2011 das PH-Z2, dessen 80 Zentimeter dicke Wände aus Altpapierballen bestanden. Der einzige Raum konnte zum Arbeiten und Wohnen genutzt werden. Die Idee der Architekten Ben und Daniel Dratz: ein temporärer Bau, der zu 100 Prozent wiederverwertet wird. Regen konnte ihm nichts anhaben, denn der Wind trocknete das Papier wieder. Nach zwei Jahren landete das Haus dort, wo es herkam: auf dem Recyclinghof.

Sparsam: das Effizienzhaus

Effizienzhaus
Das "Effizienzhaus-Plus mit Elektromobilität" steht in Berlin. - Foto: © dpa

Dank Solarmodulen auf dem Dach und an den Außenwänden soll das Effizienzhaus Plus in Berlin mehr Energie erzeugen, als zum Wohnen nötig ist. Der Überschuss reicht für ein Elektroauto und ein Elektrofahrrad. Licht und Wärme regeln sich selbst. Seit einem Jahr wohnt eine Familie testweise in dem Bau. Ihr größtes Problem: Die Sonne scheint bislang zu selten.

Verwandelbar: das Zukunftshaus

Ein gläserner Fahrstuhl, eine Sauna mit Regendusche und Holzwände, die sich bei Bedarf zusammenfalten lassen, um Räume zu teilen oder zu vereinen: Architekt Berndt Mack hat sich an einem Hang bei Klagenfurt ein Haus gebaut, das sich durch viel Technik immer wieder verwandeln kann. So verbirgt sich eine zweite Küche in einem Einbauschrank. Beleuchtung und Heizung werden vom Tabletcomputer aus gesteuert. Damit der Bau trotz der vielen Elektronik den Kontakt zur Natur nicht verliert, lassen sich große Teile der Glasfassade öffnen.

Preisgünstig: das Baukastenhaus

Effizienzhaus
Das flexible Fertighaus "Case Study #1". - Foto: © dpa

Das Case Study Hamburg, kurz CSH, wurde zur Bauausstellung in der Hansestadt aus Modulen errichtet. Vorgefertigte Elemente können zu unterschiedlich großen Einheiten zusammengesetzt werden. So entstehen individuelle Heime, die nicht viel kosten. Allen gemeinsam ist ein "Erschließungskern", der Wasser und Strom liefert. Das vierstöckige Gebäude, das aus Holz und Beton besteht, kann in nur vier Wochen montiert werden.

Biologisch: das Algenhaus

Das BIQ, das für die Internationale Bauausstellung in Hamburg errichtet wurde, hat eine Bioreaktorfassade: Seine gläserne Außenhülle besiedeln Mikroalgen, die Biogas erzeugen, auf diese Weise für alternative Energie sorgen und gleichzeitig Schatten spenden. Zwei der 15 Wohnungen im Haus bieten jeweils nur einen großen Raum: Küche, Bad, Schlaf und Arbeitszonen befinden sich in Einbaumöbeln und werden nach Bedarf "dazugeschaltet" oder verschwinden einfach hinter großen Schiebetüren.

Ratgeber Bau

● Solarenergie

Photovoltaikmodule liefern Strom, eine thermische Solaranlage Wärme, beides kann man bei Alt- und Neubauten nachrüsten. Solche Systeme amortisieren sich oft erst nach 20 Jahren. Dafür gibt es Subventionen und billige Darlehen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

● Hausautomation

Jalousien, die sich bei Sonne schließen; eine Haustür mit Fernsteuerung: Systeme, mit denen man sein Haus automatisch bedienen kann, etwa per Tabletcomputer oder Smartphone, gibt es schon ab einigen Hundert Euro im Elektrofachhandel.

● Heizungssteuerung

Thermostate, die je nach Uhrzeit eine Raumtemperatur halten, sparen Energie und kosten etwa 30 Euro (im Bau- oder Elektronikmarkt). Funkgesteuert lassen sie sich auch über eine Computersoftware programmieren.

Autor: Michael Fuchs