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Tulpenbeete im Schlosspark der Insel Mainau.

Tulpenbeete im Schlosspark der Insel Mainau, auch bekannt unter der "Blumeninsel im Bodensee". - Foto © picture alliance

TV-Programm: W wie Wissen, 18.03., 17:00 Uhr, Das Erste

Frühling

Erst neckt er uns eine Weile, lugt immer wieder hervor, setzt heimlich über Nacht bunte Tupfen ins Grau. Doch dann – endlich – wirft er mit vollen Händen Grün übers Land, berieselt uns mit einem Sprühregen aus Farben, berauscht unsere Sinne, reizt und verwirrt sie. Der Frühling ist Zauberer, Entertainer, Paradiesvogel.

Frühling bedeutet Neubeginn für die Natur, für uns

Keine Jahreszeit bringt uns so aus dem Konzept. Schon fährt er uns in die müden Glieder, macht uns mobil. Wir holen die Fahrräder aus dem Keller, planen Ausflüge, feiern das erste Eis, sitzen beim Milchkaffee draußen vor der Bäckerei an der Ecke. Unser Platz an der Sonne. Wir hatten ihn so vermisst. Die Farbe ist schuld, natürlich. Etwa die gelben Muntermacher Krokus, Löwenzahn und Butterblume. Gelb, das haben Forscher bewiesen, regt die Motorik an, wir fühlen uns kräftiger. Rot erhöht schon beim bloßen Betrachten unseren Stoffwechsel um 13,4 Prozent. Orange bringt uns die Sehnsucht nach Genuss und Sinnlichkeit, Grün verbinden wir mit Neubeginn und Wachstum.


Wetterprognose von März bis Mai

Letztes Jahr verwöhnte uns der Frühling: März und April brachten viel Sonne und einen Wärmerekord: 28,5 Grad Celsius. Wie wird er 2012? "So trocken wie 2011 muss es in diesem Jahr nicht werden", sagt Meteorologe Dr. Karsten Brandt von donnerwetter.de. "Wir sehen ein leicht zu warmes Frühjahr voraus. Der Niederschlag könnte rund zehn Prozent unter dem bundesdeutschen Durchschnitt liegen." Besonders für die zweite Aprilhälfte zeichnen sich warme Tage mit Temperaturen um die 20 Grad ab. Wetterexperte Brandt: "Wir erwarten auch für 2012 eine Neigung zu Hochdrucklagen im Frühling." Doch auch auf einige kühlere und regnerische Tage müssen wir uns einstellen – vor allem im März.


Alle Farben zusammen spielen dem Leben ein Liebeslied, schreien bunt und laut und fröhlich. "Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick“, schwärmt Goethes Faust beim Osterspaziergang. Auch unsere Seele sprengt nun jede Schutzschicht, mit der sie sich gegen den Winter gepanzert hat. Draußen herrscht Aufbruchsstimmung. Frühling bedeutet Neubeginn. Für die Natur, für uns. Ein Signal aus Licht und Wärme, das den Startschuss gibt für Ungeahntes. Das uns sagen will: Hier ist sie, eure große Chance.

Frühling: alles Grau fällt ab

Alles neu macht nicht erst der Mai. Wir wollen mitmischen, dabei sein, fassen wieder Mut, tanken Energie. Nicht umsonst ist die Zeit reif für den Frühjahrsputz. Für alles, was liegen blieb im Dunkeln, in der Düsternis unserer Gedanken. Wir schreiben Bewerbungen, räumen die Nischen unseres Hauses auf und oft genug auch die unseres Lebens. Wir ziehen die Grauschleier ab von unserem Alltag, schaffen Platz und auch Durchblick, sehnen uns nach der Leichtigkeit, die entsteht, wenn wir unnützen Ballast abwerfen.

Auch der heimische Garten ist ein Symbol für die Erneuerung. Schon im letzten Jahr stürzten sich rund zehn Millionen Deutsche voller Vergnügen ins Umgraben, Jäten und Säen. Jetzt wird wieder Laub entsorgt, Beete werden in Schuss gebracht, Gräser gestutzt, Kübelpflanzen terrassenfein gemacht. Und dann das Licht – ein wunderbarer Mutmacher. Tag und Nacht sind endlich wieder gleich lang. Jeden Tag besiegt die Helligkeit die Dunkelheit ein bisschen mehr. Die Kraft der Sonne wird stärker, sie lässt die Natur leuchten, strahlt alles Schöne an wie mit einem Spot, damit wir nicht daran vorbeilaufen.

Wir atmen Luft, Licht – und Lächeln. Die meisten Menschen stimmt der Frühling fröhlich. Der Anblick heiterer Gesichter sowieso. So blühen wir auf. Schnuppern lang entbehrte Düfte – Erde, Moos, Gras und Blumen –, die lange im Eis eingeschlossen waren. Flieder, Maiglöckchen oder Hyazinthen entlocken unserem Gedächtnis wunderbare Erinnerungen an warme, sonnige Tage. An alles, was uns der Frühling je bedeutete. Und sie erinnern uns an die Liebe.

Frühlingsgefühle, so meint Prof. Alexander Lerchl, Hormonbiologe an der Jacobs University in Bremen, sind keine Illusion. Mehr Licht, mehr Wärme, weniger Kleidung: Das alles regt die Psyche an. "Im Frühling und Sommer wird zudem mehr Testosteron produziert als zu den übrigen Jahreszeiten. Ist der Testosteronspiegel erhöht, fühlt sich der Mann einfach wohler", erklärt Lerchl.

Frühling - Glückshormone und Frühjahrsmüdigkeit

Laut einer Umfrage erleben 81 Prozent aller Männer dieses Hochgefühl, sobald alles um sie herum sprießt und blüht. Mehr als die Hälfte flirtet dann häufiger. Eine Studie der Internet-Partnervermittlung Elitepartner zeigte: 46 Prozent aller männlichen Singles vermissen gerade jetzt eine Partnerschaft. Man hat die Liebe im Blick:"Wir schauen auf der Straße auch mal Fremden in die Augen, anstatt nur auf vereiste Gehwege zu starren", erklärt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von Elitepartner. Kanadische Forscher entdeckten einen weiteren klugen Schachzug der Natur: Frauenkörper sind jetzt besonders kurvenreich. Die Polster, die sich im Herbst und Winter an der Taille breitmachten, wandern im Frühling offenbar eher Richtung Hüfte.

Die Kehrseite des hormonellen Dauerfeuers ist die Frühjahrsmüdigkeit. Vor allem Frauen klagen über Kreislaufprobleme, Abgeschlagenheit, Erschöpfung. Mehr Sonne bedeutet mehr UV-Strahlen, und die sorgen für die vermehrte Ausschüttung des Glückshormons Serotonin. Anfangs muss es sich aber noch gegen das Schlafhormon Melatonin behaupten, das vor allem in dunklen Monaten produziert wird. Dieser Kampf ermüdet. Kommt hinzu: der Wechsel von der Winter- zur Sommerzeit, in diesem Jahr am Sonntag, 25. März, um 2.00 Uhr morgens.

Auch darauf muss sich die innere Uhr erst mal einstellen. Ein Wonnemonat im Sinn der Fruchtbarkeit ist der Mai übrigens schon lange nicht mehr: Bis in die 60er-Jahre wurden bei Temperaturen um 15 bis 20 Grad weltweit tatsächlich die meisten Kinder gezeugt – bei uns also im Frühling. Aber, so Hormonbiologe Lerchl: "Der biologische Rhythmus wird vom sozialen abgelöst." Wir sind weniger draußen, verziehen uns im Winter an die Heizung. Die Folge: Der Dezember hat den Mai abgelöst. Der Frühling feiert trotzdem das Leben. Eine wunderbare Zeit voll Kraft und Zuversicht, ein einziges Versprechen. Die Natur lächelt. Lächeln wir zurück!

Autor: Silke Pfersdorf