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Taucher

Apnoe-Taucher Frédéric Buyle bei der Arbeit. - Foto: © ARTE / ZDF / Christian Pétron

Arte-Doku: "Im Reich der Tiefe"

Wunder der Meere

Buyle und Winram tauchten nicht zum Selbstzweck, sondern erfüllten im Auftrag von Meeresforschern Aufgaben. So ging es bei ihren Tauchgängen mit den Weißen Haien darum, Fakten über den von Mythen umgebenen Räuber für die Wissenschaft zusammenzutragen. Sie legten beispielsweise einen Fotokatalog zur Identifizierung einzelner Tiere an und verankerten mit Harpunen Sender in der Haihaut, die Aufschluss über die Wanderungen der Tiere geben sollen. Tatsächlich ziehen Weiße Haie Tausende von Kilometern weit durch die Weltmeere, meist in 300 bis 500 Metern Tiefe. Beobachtungen sind jedoch nur in Oberflächennähe möglich, daher bleibt ein Großteil ihres Lebens noch geheimnisvoll.

Die Taucher näherten sich den Haien ohne Schutzkäfige und erlebten sie eher interessiert als aggressiv. Buyle: "Man muss immer Augenkontakt halten, dann gibt es keine Probleme. Ich möchte zeigen, was für tolle Tiere das sind. Diese berühmten Aufnahmen mit aufgerissenem Maul entstehen, wenn Köder und Blut ins Wasser geworfen werden. Sonst sind die Tiere bloß neugierig und reißen das Maul nicht auf."

Immer wieder passieren beim Apnoetauchen Unfälle

Das Apnoetauchen ist die älteste und ursprünglichste Form des Tauchens. Als rekordorientierte Extremsportart hat es allerdings eine relativ kurze Geschichte, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt. Durch den Kultfilm "Im Rausch der Tiefe" (1988) von Luc Besson erhielt Apnoetauchen schließlich einen enormen Popularitätsschub. Mittlerweile gibt es acht Disziplinen, in denen immer wieder neue Rekorde aufgestellt werden.

Ins "Guinness Buch" schaffen es Apnoetaucher trotzdem nicht: Die Redaktion beschloss vor ein paar Jahren, keine Tieftauchrekorde mehr aufzunehmen. Zu gefährlich – immer wieder passieren tragische Unfälle. So ertrank etwa 2002 die 28-jährige Französin Audrey Mestre, nachdem ein Ballon, der den Aufstieg aus der Tiefe sicherstellen sollte, nach ein paar Metern hängenblieb. 2007 kam der französische Weltrekordtaucher Loïc Leferme im Alter von 36 Jahren ums Leben, als sich seine Leine beim Auftauchen verhakte.

Dennoch wäre es voreilig, Apnoetaucher pauschal als adrenalinkicksüchtige Draufgänger abzustempeln. "Frédéric und William sind sehr vorsichtige Menschen – sonst wären sie wohl auch nicht mehr am Leben", sagt Boris Raim, Produzent der Doku-Reihe über Buyle und Winram. "Sie sind keine Freaks, sie betreiben das Tauchen viel konzentrierter und vorsichtiger als durchschnittliche Sporttaucher und erst recht als jeder Freizeittaucher." Wohl auch deshalb durften sie in Naturschutzgebieten tauchen, in denen der Gebrauch von Pressluftflaschen streng verboten ist. In den Unterwasserhöhlen im Mittelmeer etwa könnte durch von Atemgeräten verursachte Luftblasenwirbel das filigrane biologische Gleichgewicht zerstört werden.

Begeistert berichtet Buyle davon, wie gut künstliche Riffe im Mittelmeer von der Tier- und Pflanzenwelt angenommen werden. Sie wurden im Rahmen eines Umweltprojekts angelegt, das auch aufgrund von Filmaufnahmen entstand, die Kameramann Christian Pétron vor 25 Jahren machte. Solche Projekte sind als Herausforderung für die Wissenschaftler vergleichbar mit der Urbarmachung von Wüsten. Die Taucher beobachteten für die Arte-Doku auch den 24-Stunden-Rhythmus eines Korallenriffs im Südpazifik. Und warteten in den Gewässern Polynesiens tagelang auf Hammerhaie, um sie mit Sendern zu versehen und so ihre Wege zu erforschen.

Ob der Klimawandel die Wanderrouten der Buckelwale verändert, war Kernfrage eines weiteren Wissenschaftsprojektes vor Französisch-Polynesien. Buyle und Winram tauchten zu den Walen und fotografierten die individuelle Zeichnung auf ihrer Unterseite für eine Kartei. Buckelwale haben Frédéric Buyle am meisten beeindruckt: "Manchmal, wenn ich mit den Walen tauche und es schläft gerade einer in 25 Metern Tiefe, dann schaue ich mir das gewaltige Tier an und denke: ,Ich habe doch ein schönes Leben.’ Es ist wie eine Waltherapie: Alle Probleme verschwinden, wenn du diese Riesen siehst. Sie sind so groß und dabei so friedfertig – diese perfekten Wesen verändern dein Innerstes."

Autor: Thomas Röbke