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Taucher

Apnoe-Taucher Frédéric Buyle bei der Arbeit. - Foto: © ARTE / ZDF / Christian Pétron

Arte-Doku: "Im Reich der Tiefe"

Wunder der Meere

"Für einige Momente, ein paar Minuten nur, bin ich wirklich Teil der Unterwasserwelt. Ein Bewohner dieser Umgebung. Ich versuche, meine menschlichen Eigenschaften zu vergessen, sie abzulegen, tief in meinem Bewusstsein zu vergraben“, schwärmt der belgische Apnoetaucher Frédéric Buyle (38). Er ist einer von ganz wenigen Menschen, denen ein einzigartiger Kontakt zum Leben in den Ozeanen gelingt. Weil er ohne Pressluftflaschen taucht, deren Blasen die Meeresbewohner verscheuchen könnten. Nur mit der Luft, die er sich in die Lungen pumpt, geht er auf fünfminütige Tauchgänge von bis zu 50 Metern Tiefe. Wie nah er dabei Haien, Walen und Delfinen kommt, zeigt jetzt die Arte-Reihe "Im Reich der Tiefe".

Apnoetauchen ist ein Sport am Limit

Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "ohne Atmung" oder "Atemstillstand". Durch spezielles Training, zu dem etwa aus dem Yoga entlehnte Atemtechniken gehören, gelingt es Apnoetauchern, ihre Lungen so mit Luft zu füllen, dass sie bis zu acht Minuten ohne Hilfsmittel unter Wasser bleiben können. Möglich macht das der Tauchreflex: Kommen die Gesichtsnerven in Kontakt mit Wasser, halten wir nicht nur die Luft an, auch das Herz schlägt langsamer. Mit zunehmendem Wasserdruck wird das Blut aus Armen und Beinen in den Brustraum umgeleitet. Der Wasserdruck bewirkt auch, dass die Lungen schrumpfen. Bereits in zehn Metern Tiefe haben sie nur noch die halbe Größe – in 100 Metern Tiefe sind sie nicht mehr größer als eine Faust.

Apnoetaucher widerstehen dem Atemreflex und auch dem krampfartigen Zusammenziehen des Zwerchfells – sie wissen genau, wie viel Sauerstoffreserven sie noch im Körper haben. Eine besonders kritische Phase ist allerdings das Auftauchen: Wenn die Lunge sich wieder ausdehnt und nach mehr Sauerstoff verlangt, kann der Atemreflex so übermächtig werden, dass es zu Krämpfen oder Bewusstlosigkeit kommt.

Tauchrekorde haben auch Frédéric Buyle früher angetrieben. Er war einer der Ersten, der ohne Pressluftflasche tiefer als 100 Meter tauchte. Seit einigen Jahren stellt er seine Fähigkeiten jedoch in den Dienst der Wissenschaft und der Meeresbewohner: "Als Freitaucher genieße ich es, im Wasser zu sein. Das ist für mich die schönste Art zu leben", sagt er. "Aber ich arbeite auch gern mit Wissenschaftlern zusammen, weil ich den Menschen sagen will, dass wir die Ozeane schützen müssen. Es ist fünf vor zwölf. Aber noch nicht zu spät."

Für die fünfteilige Arte-Doku "Im Reich der Tiefe" tauchte Buyle zusammen mit dem kanadischen Apnoetaucher William Winram und dem erfahrenen Unterwasser-Kameramann Christian Pétron. Wenn Winram oder Buyle nicht selber filmen konnten, übernahm Pétron diese Aufgabe – in einigem Abstand, um das natürliche Verhalten der Tiere nicht zu beeinflussen. Pétron selbst ist kein Apnoetaucher, er verwendete ein sogenanntes "Re-Breather"-Tauchgerät, das keine Blasen ausstößt: Die verbrauchte Luft zirkuliert innerhalb des Geräts und wird mit Sauerstoff angereichert.

Autor: Thomas Röbke