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Offshore- Windpark im Öresund

Middelgrunden ist ein Offshore-Windpark im Öresund 3,5 km außerhalb von Kopenhagen. - Foto: © picture alliance / Hans Ringhofer / picturedesk.com

Endlich Meer Strom

Windparks

Große Chance für die Windparks in der Nordsee: Dank neuer Technik wird die umweltfreundliche Windenergie bezahlbar.

Das Projekt wirbelte viel Wind auf. Doch kaum war es in Bau, schien es viel Wind um nichts zu sein: Zu teuer sei der erste Offshore-Park, zu schlecht organisiert, zu wenig gewollt von der Regierung.

Windenergie

Dabei war die ursprüngliche Idee bestechend: Energie aus Wind zu gewinnen, der über dem Meer stetig und reichlich weht. Fern der Küste erzeugt, ohne die Proteste erboster Anwohner wegen der "Verspargelung der Landschaft".

Bis 2030 sollten Offshore-Windparks alle deutschen Atomkraftwerke ersetzen. Davon spricht heute keiner mehr. Das Überraschende: Die Offshore-Industrie hat sich trotzdem stark weiterentwickelt. So wurde ein komplett neues Transportschiff konstruiert, das aufgebockt im Meer gleich noch als Montageplattform fungiert. An Bord ist Platz für acht Windkraftanlagen der Megawattklasse.

Deren 70 Meter hohe Masten stehen dicht gedrängt senkrecht nebeneinander, die Propeller liegen wie im Regal gestapelt daneben. Auf diese Weise konnte "Riffgat", der neue Windpark 15 Kilometer vor Borkum, in nur 14 Monaten errichtet werden. Eine Rekordzeit, die Mut macht.

Denn je schneller und standardisierter die Anlagen konstruiert werden, desto kostengünstiger ist ihre Installation – was langfristig die Strompreise senkt. Laut einer Studie des Fraunhofer Instituts liegen die Stromgestehungskosten im Offshore-Bereich heute bei 14 Cent pro Kilowattstunde (Braunkohle: 4 Cent). Ziel seien Kosten unter zehn Cent.

"planet.e: Strom von hoher See"

Zwölf Offshore-Parks sind in Betrieb oder in Bau. Sie tragen exotische Namen: "Trianel", "Meerwind", "Alpha Ventus", "Riffgat". Zehn stehen in der Nord-, nur zwei in der Ostsee. Weitere 30 sind in Planung.

Für Franz Fitzke, den Filmemacher der Doku "planet.e: Strom von hoher See" (siehe TV-Tipps rechts), gibt es dazu kaum eine Alternative: "Vor allem in der Nordsee entscheidet sich, ob das Experiment Energiewende ein Erfolg oder ein historischer Fehlschlag wird."

Vorteil der Offshore-Anlagen

Größter Vorteil der Offshore-Anlagen: Sie liefern genauso zuverlässig wie konventionelle Kraftwerke, denn auf hoher See weht der Wind konstant. Pro Jahr gibt es höchstens zwei Tage lang Flaute. Damit wird die neue Energie berechenbar.

Nachteil der Offshore-Anlagen

Ein Nachteil ist der anspruchsvolle Bau. Anders als etwa britische Parks liegen deutsche weit draußen im Meer, von der Küste aus nicht sichtbar. "Der freie Blick zum Horizont ist uns Deutschen heilig", so Fitzke.

Als Fundament der Windräder dient ein gigantisches Dreibein mit über 30 Meter langen Stahlpfählen: der Tripod. Werden sie in den Meeresboden gerammt, reduziert ein künstlich erzeugter Blasenschleier den Lärm unter Wasser. So sollen geräuschempfindliche Meeressäuger geschützt werden, etwa Schweinswale.

Deutschlands größter Windpark

Der jüngst eingeweihte Windpark "Bard 1", Deutschlands bislang größter, liegt weit vor Borkum. 80 Anlagen liefern 400 Megawatt – etwa den Jahresverbrauch für 400.000 Haushalte. Wenn das benachbarte "Riffgat" ans Netz geht, kommen noch mal 100.000 Haushalte dazu.

Damit die Megawatt vom Meer auch in den Süden fließen können, müsste die Politik endlich über die nötigen 2800 Kilometer neuer Stromtrassen entscheiden, bisher sind erst 250 errichtet. Dann könnte das neue Umweltziel doch noch wahr werden: 2050 soll Windenergie die Hälfte des Stroms liefern.

Autor: Sabine Goertz-Ulrich