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Schwierig: Kritik kann den anderen auch verletzen.

Grundregeln für konstruktive Kritik: Ruhig und sachlich bleiben, Klartext reden und Ich-Botschaften formulieren. - Foto © picture-alliance / beyond/Sonntag

Tipps für konstruktive Kritik

Wie sage ich es richtig?

Schon komisch, dass wir uns oft lieber ärgern, als offen auszusprechen, was uns stört. Wir fürchten die Kritik als Kampfansage – obwohl sie eigentlich das Gegenteil ist: "Gute, sachliche Kritik verbessert die Beziehung zwischen zwei Menschen, weil sie auch zeigt, dass einem etwas aneinander liegt", sagt Kommunikationstrainerin und Autorin Barbara Berckhan ("Jetzt reicht’s mir!", Kösel, 15,95 Euro; siehe Bestellmöglichkeit rechts).

Ihre Grundregeln für konstruktive Kritik: "Ruhig und sachlich bleiben, Klartext reden, Ich-Botschaften formulieren und neben aller Beanstandung auch Wertschätzung ausdrücken." Häufig hilft es, sich zu fragen, mit welchen Worten man selbst Kritik am besten aufnehmen würde. Und der Vorwurf muss natürlich auch angebracht sein: "Wie jemand sich die Wurst aufs Brot legt, die Haare trägt oder welche Fußmatte er vor der Tür hat, geht niemanden etwas an", so die Expertin. Umgekehrt braucht man auch nur die Kritik anzunehmen, die den anderen tatsächlich betrifft.

Dabei bleibt man souverän, indem man sich nicht sofort wild verteidigt, sondern erst einmal innehält. Dann kann man nachfragen:
► Was stört Sie genau?
► Wie hätte ich es besser machen sollen?

"Ist jemand sehr unsachlich, darf man das Gespräch auch abbrechen und später in Ruhe wieder aufnehmen", sagt Barbara Berckhan. Wie man konkret gut Kritik austeilt, zeigen die Fallbeispiele unten.

Beispiele aus dem Alltag
Praktische Hilfe für konstruktive Kritik:

Wie sage ich …
… dem Kollegen, dass er eine störende Marotte hat, ohne ihn zu kränken?

Beispiel: Der Kollege, mit dem man das Büro teilt, verzehrt dort gern geruchsintensives Essen, das er mitgebracht hat. Dass man immer demonstrativ das Fenster aufreißt, scheint er nicht zu merken. Auch indirekte Andeutungen helfen nicht. Tipp: Sprechen Sie das Thema deutlich an, ohne ihm sein Verhalten zu verbieten. Zeigen Sie auch Ihre Wertschätzung: "Ich bin froh, dass du mir gegenübersitzt, wir sind ein gutes Team. Mich stört nur eine Sache. Es riecht mittags sehr nach Essen in diesem Büro. Was können wir dagegen tun?" Geben Sie ihm die Chance, selbst eine Lösung zu finden, etwa ab jetzt in der Gemeinschaftsküche zu essen.

Wie sage ich …
… meinem Nachbarn, dass er zu laut Musik hört, ohne Streit anzuzetteln?

Beispiel: Wenn Sie am nächsten Morgen früh rausmüssen, lohnt es sich, ihn sofort anzusprechen. Wollen Sie die Sache aber langfristig klären, warten Sie lieber eine ruhige Minute ab. Für beide Fälle gilt: vor dem Gespräch die Wut hinter sich lassen und Ich-Botschaften verwenden. Zum Beispiel: "Entschuldigung, dass ich so spät noch störe. Aus Ihrer Wohnung höre ich laute Musik und kann nicht schlafen. Ich möchte Sie bitten, die Anlage leiser zu drehen." Sanft, klar, ohne Angriff. Murrt er trotzdem, ruhig bleiben: "Ich weiß, das Haus ist hellhörig, und ich verstehe, dass Sie gern Musik hören – aber bitte machen Sie sie trotzdem leiser." Nicht auf Zankerei einlassen.

Wie sage ich …
… meiner Freundin, dass ich mich über ihr Verhalten geärgert habe, ohne sie zu verletzen?

Beispiel: Angenommen, man verrät der Freundin im Vertrauen ein Geheimnis – und sie plaudert es auf einer Party aus. Auch hier gilt: erst beruhigen, dann die Kritik unter vier Augen vermitteln. Beginnen Sie das Gespräch positiv: "Du bist meine beste Freundin. Aber auf der Party ist dir ein Fehler unterlaufen. Ich habe dir etwas im Vertrauen erzählt, und du hast es ausgeplappert. Das hat mich gekränkt und in eine blöde Situation gebracht." Sie darf sich jetzt rausreden – solange sie ihren Fehler dabei einsieht. Bitten Sie sie, in Zukunft Vertraulichkeiten besser zu hüten. Und fragen Sie nach, ob es auch etwas gibt, was sie stört – kann ja sein, dass sie wiederum einen Fehler bestraft hat, der einem selbst nicht bewusst war.

Autor: Melanie Schirmann