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China vergreist: Ab 2015 leben dort mehr Senioren als Junge.

China vergreist: Ab 2015 wird die Zahl junger Berufstätiger stagnieren, gleichzeitig wächst die Zahl der Rentner. - Foto © picture alliance / dpa

Henry Kissinger

Wie mächtig wird China?

6. Welche Ziele verfolgt China als Atommacht im asiatischen Raum?

Den westlichen Atomstaaten USA, Frankreich, Großbritannien und Israel stehen im Osten neben China Russland, Indien und Pakistan gegenüber. Außerdem muss man wohl auch Nordkorea zu diesem Kreis zählen. Welche Interessen aber vertritt China im sogenannten "Atomclub Asiens". Kissinger: "Sollte Nordkorea als Atommacht anerkannt werden, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Japan und Südkorea, möglicherweise auch weitere asiatische Staaten wie Vietnam und Indonesien schließlich zum Klub der Atommächte stoßen, was die strategische Landschaft Asiens grundlegend verändern würde. Die chinesischen Führer wollen eine solche Entwicklung verhindern." Sie ist laut Kissinger wichtiger Punkt "des chinesisch-amerikanischen Dialogs".

7. Welche Haltung sollte der Westen zur Todesstrafe in China einnehmen?

Laut Amnesty International werden pro Jahr 1000 Chinesen hingerichtet. Die Dunkelziffer liegt allerdings bei 8000. Henry Kissinger: "Die Vereinigten Staaten können sich nicht treu bleiben, wenn sie nicht ihr Engagement für die Menschenwürde und die Beteiligung des Volkes an der Regierung bekräftigen. Angesichts der modernen technischen Möglichkeiten sind diese Grundsätze grenzüberschreitend. Doch die Erfahrung hat gezeigt, dass der Versuch, die Menschenrechte durch Konfrontation durchzusetzen, in der Regel kontraproduktiv ist. Dies gilt ganz besonders für ein Land mit dem historischen Selbstbild Chinas. Aufeinanderfolgenden US-Regierungen, einschließlich der Regierung Obama in ihren ersten zwei Jahren, ist es weitgehend gelungen, ein Gleichgewicht zwischen ihren langfristigen moralischen Überzeugungen und den aktuellen Sachzwängen der nationalen Sicherheit herzustellen."

8. Was sind Chinas größte Zukunftsprobleme?

Rohstoffknappheit, Umweltverschmutzung, mangelnde technische Innovationskraft? Henry Kissinger hält zwei ganz andere Probleme für viel gewichtiger. Zum einen den demografischen Wandel: Ab 2015 wird in China die Zahl junger Berufstätiger stagnieren, gleichzeitig wächst die Zahl der Rentner: "Dank der starken Anhebung des Lebensstandards und der höheren Lebenserwartung in Kombination mit den verzerrenden Folgen der Ein-Kind-Politik ist China eine der am schnellsten alternden Gesellschaften der Welt. Schätzungen zufolge wird der arbeitsfähige Bevölkerungsanteil dort im Jahr 2015 den Höchststand erreichen. Ab diesem Zeitpunkt muss eine schrumpfende Menge chinesischer Bürger im Alter von 15 bis 64 eine wachsende ältere Bevölkerung ernähren." Zweites gravierendes Problem: soziale Konflikte. Unter den 1,3 Milliarden Chinesen gibt es zwar viele Superreiche, allerdings auch 220 Millionen Wanderarbeiter, die vom Land in die Städte ziehen, um dort für Hungerlöhne zu arbeiten. Kissinger weiß: "Kein Problem beschäftigt die chinesische Führung mehr als die Erhaltung der nationalen Einheit. Es kommt in dem häufig proklamierten Ziel der sozialen Harmonie mit zum Ausdruck, die in einem Land schwer zu realisieren ist, dessen Küstenregionen auf dem Niveau moderner Gesellschaften sind, während sich im Landesinneren einige der rückständigsten Regionen der Welt befinden."

9. Wie denkt die künftige Generation chinesischer Führer?

Kissinger: "Im Jahr 2012 gelangt eine neue Generation jüngerer Aufsteiger der Eliten von Partei und Armee in hohe Funktionen – die erste seit dem frühen 19. Jahrhundert, die in einem friedlichen und politisch geeinten China aufgewachsen ist, die die Kulturrevolution nicht erlebt hat und die ein Land regieren wird, dessen wirtschaftliche Leistungen die der meisten Staaten dieser Welt übertreffen. Diese fünfte Generation chinesischer Führer seit Gründung der Volksrepublik wird wie ihre Vorgänger ihre Sicht auf die Welt und auf die nationale Größe ihres Landes aus eigenen Erfahrungen ableiten. Auf den Dialog mit dieser Generation werden sich die strategischen Köpfe der USA einstellen müssen."

10. Kann es zu einem militärischen Konflikt mit den USA kommen?

Kissinger meint: Nein. Zwar rüstet China weiter auf: 2010 gab es 78 Milliarden US-Dollar für seine Armee aus – 7,5 Prozent mehr als 2009. Doch die Zeichen stehen auf friedliche Kooperation: China "wird seine Wirtschaft entwickeln und eine große Bandbreite von Interessen in Asien und darüber hinaus verfolgen. Das ist keine Perspektive, die zwangsläufig zu Konfrontationen wie vor dem Ersten Weltkrieg führen muss. Sie lässt vielmehr eine Entwicklung erwarten, bei der China und die Vereinigten Staaten in vieler Hinsicht kooperieren und zugleich konkurrieren."


Biografie von Henry Kissinger

Am 27. Mai 1923 wird er in Fürth als Heinz Alfred Kissinger geboren, seine Mutter ist Jüdin. 1938 verlässt die Familie Deutschland, geht in die USA .
1943 erhält Kissinger die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten.
1969 wird er unter Richard Nixon Berater für Außen- und Sicherheitspolitik. Er berät die US -Regierung in Fragen der Strategie und der Abrüstung.
Ab 1973 reist Kissinger als amtierender Außenminister unter Nixon und Gerald R. Ford mehrfach nach China. Während des Kalten Kriegs gilt er als einer der Architekten der Entspannungspolitik.
1973 erhält Kissinger den Friedensnobelpreis.


China: Reich der Rekorde

1,3 Milliarden Menschen leben in China. Nirgendwo gibt es mehr Millionenstädte. Seit 2010 ist das Land zweitstärkste Wirtschaftmacht der Erde – und hat damit Japan überholt. Nur Amerika rangiert noch vor ihm.
Bald Hegemonialmacht: Nach Berechnungen der US -Investmentbank Goldman Sachs könnte China die USA 2027 als Weltmacht Nummer eins ablösen. Laut dem britischen "Economist" könnte das bereits 2019 der Fall sein.
Wirtschaftsriese: Mehr als jede zweite Kamera kommt bereits aus dem Reich der Mitte. Nirgendwo wächst die Zahl der Autos schneller. Außerdem ist China: Reich der Rekorde China der weltweit größte Stahlerzeuger, seit 2009 auch die größte Exportnation der Welt.
Soziale Kontraste: Nicht alle profitieren vom neuen Reichtum: 220 Mio. Wanderarbeiter sind bitterarm. Jährlich werden laut Schätzungen 8000 Todesurteile vollstreckt.

Autor: Mike Powelz