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China vergreist: Ab 2015 leben dort mehr Senioren als Junge.

China vergreist: Ab 2015 wird die Zahl junger Berufstätiger stagnieren, gleichzeitig wächst die Zahl der Rentner. - Foto © picture alliance / dpa

Henry Kissinger

Wie mächtig wird China?

Henry Kissinger über die neue Supermacht China

Es ist das bevölkerungsreichste Land der Welt, seit 2009 größte Exportnation, seit 2010 zweitstärkste Wirtschaftsmacht: China wird im Westen oft als Bedrohung empfunden. Wie friedlich kann der Aufstieg des Riesenreichs verlaufen? Wird es zur Konfrontation mit den USA kommen? Wie denken die Chinesen wirklich? Ex-US-Außenminister Henry Kissinger beleuchtet diese Fragen in einem faszinierenden Buch (siehe Buch-Tipp rechts). Über 70-mal war er im Reich der Mitte. HÖRZU präsentiert seine wichtigsten Thesen über die neue Supermacht.

1. Woher rührt Chinas großes, neu erstarktes Selbstbewusstsein?

Kissinger nennt zwei Gründe:
1. Einsicht in die Schwäche des Gegners: "Der Zusammenbruch der Finanzmärkte in Amerika und Europa in den Jahren 2007 und 2008 sowie das Schauspiel von Verwirrung und Fehlkalkulationen im Westen im Gegensatz zu Erfolgen in China haben dem Mythos von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Westens schwer geschadet."
2. Den Einfluss von zwei aktuellen Bestsellern: "Chinas Traum" von Liu Mingfu und der Sammelband "China ist aufgebracht". Kissinger: "Beide Bücher atmen einen zutiefst nationalistischen Geist. Sie gehen von der Voraussetzung aus, dass der Westen viel schwächer ist als gedacht." Zitat aus "China ist aufgebracht": "Amerika ist kein Papiertiger, wie es Mao höhnisch zu nennen pflegte, sondern eine alte Gurke, die man grün lackiert hat."

2. Neigt China zur Gigantomanie?

Das Riesenreich strebt immer neue Rekorde an. Beispiel: Bald sollen sieben Städte am Perlflussdelta zu einer Mega-Metropole mit 42 Millionen Einwohnern verschmelzen, auf einer Fläche doppelt so groß wie Hessen: 41.000 Quadratkilometer! Ein Zeichen für Chinas Hang zur Gigantomanie war für Kissinger auch "die Inszenierung der Olympischen Spiele in Beijing, während der Westen von der Wirtschaftskrise gebeutelt wurde. Die Spiele galten in China nicht nur als sportliches Ereignis, sondern als Ausdruck des Wiederaufstiegs des Landes."

3. Wie subtil nutzt China Diplomatie als Mittel des Vormachtstrebens?

Die USA müssen sich laut Kissinger auf raffinierte diplomatische Finten einstellen: "Die Führung des kommunistischen Chinas hat sich ein wenig von der traditionellen Behandlung der Barbaren bewahrt. Dabei schmeichelt man den Besuchern, indem man sie im 'Klub' der Chinesen als 'alte Freunde' begrüßt, wodurch man es ihnen schwer macht, zu widersprechen und in Konfrontation zu gehen. Wenn chinesische Führer Diplomatie des Reiches der Mitte betreiben, dann tun sie alles, um ihr Gegenüber zu verleiten, Vorschläge nach chinesischen Präferenzen vorzulegen, wodurch ihre Zustimmung als persönlicher Gunstbeweis gegenüber dem Besucher erscheint."

4. Wird China die Konfrontation mit dem Westen suchen?

Nein, meint Kissinger. Er kennt die Chinesen als "kluge Realpolitiker", als "Anhänger einer strategischen Doktrin, die sich entschieden von der im Westen populären Strategie und Diplomatie unterscheidet". Kissinger erklärt das mit der historischen Rolle des Landes: "China musste die Grundzüge der Politik von mehr als einem Dutzend benachbarter Staaten mit sehr unterschiedlicher Geschichte und sehr unterschiedlichen Bestrebungen kennen. Nur sehr selten riskierten es chinesische Staatsmänner, einen Konflikt mit einem einzigen Zusammenprall zu klären, bei dem es um alles oder nichts geht. Komplizierte mehrjährige Manöver waren mehr nach ihrem Geschmack.“

5. Welcher Philosophie folgt China in politischen Auseinandersetzungen?

Zugrunde liegen dem chinesischen Denken laut Kissinger "Raffinesse und indirektes Vorgehen". Zur Verdeutlichung stellt er die Spielstrategien des westlichen Schachs und des asiatischen Weiqi gegenüber: "Wenn es im Schach um die Entscheidungsschlacht geht, dann geht es im Weiqi um einen langen Feldzug. Der Schachspieler strebt den totalen Sieg an. Dem Weiqi-Spieler geht es um den relativen Gewinn. Im Schach haben beide Spieler immer die gleichen Voraussetzungen; alle Figuren sind von Anfang an im Spiel. Der Weiqi-Spieler dagegen muss nicht nur die Steine auf dem Brett beachten, sondern auch berücksichtigen, welche Verstärkungen sein Gegner noch ins Feld führen kann.“

Autor: Mike Powelz