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Tim Mälzer untersucht den Inhalt von Fertigsuppen in "Deutschland isst"

Tim Mälzer untersucht den Inhalt von Fertigsuppen in "Deutschland isst ... Mit Tim Mälzer"

Essen ist fertig!

Wie gut sind Fertiggerichte?

Selbst ein Tim Mälzer greift nach einem langen Arbeitstag mal zur Konserve. Doch was für den Starkoch die Ausnahme ist, gehört in vielen Haushalten zum Alltag. Fast 50 Fertiggerichte kauft jeder Kunde pro Jahr. Unangefochtener Spitzenreiter: die Pizza aus der Kühltruhe. Kein Wunder, dass sich der Absatz von Tiefkühlprodukten in den vergangenen 30 Jahren fast verdreifacht hat. Aber auch Dosensuppen und Fertigmenüs erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Zeitsparend, bequem, mit verlässlichem Geschmack – die Vorteile der Fertignahrung sind offensichtlich. Die Nachteile verstecken sich in der klein gedruckten Zutatenliste: eine Vielzahl seltsam klingender Zusatzstoffe. Als Faustregel gilt: Je mehr Verarbeitungsschritte ein Lebensmittel durchläuft, desto mehr Chemie steckt im Endprodukt. Dabei geht es nicht allein um längere Haltbarkeit: Antioxidantien täuschen Frische vor, Farbstoffe verleihen eine appetitliche Optik, Verdickungsmittel und Stabilisatoren sorgen für eine angenehme Konsistenz, Geschmacksverstärker und Aromen gaukeln dem Gaumen Natürlichkeit vor. In der EU sind derzeit 316 Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen, die sogenannten E-Nummern.

Hinzu kommen rund 2500 Aromen. Eine reichhaltige und umstrittene Trickkiste. Verbraucherorganisationen wie Foodwatch halten die Hälfte der Zusatzstoffe für bedenklich: Sie stehen im Verdacht, Allergien auszulösen, den Stoffwechsel zu beeinträchtigen, Krankheiten zu begünstigen. Weiterer Kritikpunkt: Mithilfe der Substanzen können die Hersteller dort Qualität vortäuschen, wo tatsächlich an hochwertigen Zutaten gespart wurde.

Klar ist jedenfalls, dass sich die Lebensmittelindustrie nicht in die Töpfe schauen lässt. "Das Ausmaß der Undurchdringlichkeit hat uns wirklich verblüfft", sagt Katarina Schickling, Autorin der Dokumentation "Leben aus der Tüte" (siehe Sendehinweis). Mit Starkoch Tim Mälzer bat sie mehr als 30 große Hersteller um Einblick in den Fertigungsprozess. Bis auf eine Ausnahme blieben dem Team sämtliche Türen verschlossen. "Das hat seinen Grund", weiß Katarina Schickling. "Der Inhalt von Fertiggerichten ist nämlich oft weniger hochwertig, als die Verpackung es suggeriert."

Wer etwa, wie Tim Mälzer, eine Tüte Brokkolisuppe getreu den angegebenen Zutaten nachkocht, stellt erschüttert fest: Lächerliche 30 Gramm Brokkoli wurden für die Beutelfüllung verarbeitet! Beim billigen Fett zeigte man sich dafür großzügiger. Geschmack verleiht dem faden Gebräu erst der zugefügte Hefeextrakt. Das Geheimnis der Zauberpaste: Sie enthält Glutamat – jenen umstrittenen Geschmacksverstärker, der den Appetit anregt und uns die Chipstüte leer essen lässt. Glutamat, als natürlicher Bestandteil auch in Käse, Tomaten oder Fleisch enthalten, wird auf der Zunge als würzig wahrgenommen, stumpft aber die Geschmacksnerven ab. Da der Stoff bei vielen Verbrauchern verpönt ist, wird er – auch bei Bioprodukten – als "Hefeextrakt" oder "Würze" ins Essen gemogelt. Weil diese Beigaben laut Gesetz Zutaten und keine Zusatzstoffe sind, dürfen die Hersteller sogar mit dem Versprechen "Ohne Geschmacksverstärker" werben. "Damit führt man die Verbraucher bewusst in die Irre", klagt Katarina Schickling. "Genauso wie man Zusatzstoffe verschleiert, indem man statt der E-Nummern die Begriffe auflistet."

Das gilt nicht nur für Fertiggerichte. Ob Wurst oder Käse, Müsli oder Milchprodukte, Saft oder Süßigkeiten – kaum ein Lebensmittel kommt ohne Zusatz- oder Aromastoffe daher. Nicht weil sie notwendig wären, sondern weil sie den Herstellern sparen helfen. Denn die stehen unter Kostendruck. "Der deutsche Lebensmittelhandel wird von wenigen Konzernen dominiert", sagt Schickling. "Und die machen den Produzenten Preisvorgaben."

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Autor: Judith Heisig; Bilder: © NDR/Cordula Kropke