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Macht der Farben

Das Wissensmagazin X:enius zeigt "Die Macht der Farben – Wie wir mit Farben kommunizieren".

Die Magie der Farben

Wie Farben unser Leben beeinflussen

Wer Glück malen möchte, braucht viel Blau. Für Himmel, für Meer, für einen Hauch von Freiheit. Wer wütend ist, sieht rot. Wir werden gelb vor Neid oder ärgern uns schwarz. Farben sind untrennbar mit Gefühlen verbunden. Kein Wunder, dass Forscher versuchen, diesen geheimnisvollen Zusammenhang zu ergründen.

Zehn Millionen Farbtöne kann der Mensch unterscheiden. Ein magischer Regenbogen, der sich seit Urzeiten in unserer Seele widerspiegelt. "Farben sind immer Signale", erklärt Axel Venn, Professor an der Hochschule für angewandte Farbwissenschaft und Kunst Hildesheim. "Ein universelles Ausdrucksmittel, das schon Kleinkinder verstehen."

In einem Großprojekt ist der Experte dieser Sprache auf der Spur. Dabei müssen Testpersonen spontan aufmalen, was sie mit Wörtern verbinden. Wie bunt ist "billig"? Wie sieht "nett" aus? Das Ergebnis ist nicht eine einzelne Farbe, sondern jeweils eine ganze Palette. So besteht "nett" zu 47 Prozent aus Gelb- und Orange-Nuancen, dazu viel Rot und Rosa. Venn: ",Billig‘ hat eher helle und etwas kreischende Töne, vermischt mit getrübten, angegrauten. Niemals kommen gehaltvolle Farben wie Purpur, Tiefblau oder Goldgelb vor."

Ein Lexikon der Farben

Was bringen solche Stimmungsbilder? Venn: "Interessant sind sie für alle, die mit Warenwelten zu tun haben und feststellen, dass man mit Farbe Geld verdienen kann." Dazu gehören Designer, Marketingprofis, Innenarchitekten. Verdirbt eine blaue Küche den Appetit? Die Wahl der falschen Farbe kann zum Flop führen. Auch "Das Farbwörterbuch", in dem Venn auf 864 Seiten seine Ergebnisse für 360 Adjektive vorstellt, richtet sich hauptsächlich an Designer und Gestalter.

Einige Farbsignale werden überall verstanden, sind in ihrer Wirkung seit Jahrhunderten gleich. "Andere Begriffe wird man immer wieder neu interpretieren müssen", erklärt Trendberater Axel Venn. "So wie sich Sprache wandelt, so wird sich auch die Farbsprache wandeln müssen." Dabei spielt sowohl der Kulturkreis als auch die Mode eine Rolle. Verbinden Europäer mit "sympathisch" viele Rot- und Gelb-Töne, sind es in Nordamerika eher Violett, Pink und Dunkelblau. In den 1960er-Jahren galt Braun bei uns als Inbegriff der Gemütlichkeit. Das Behagliche ist geblieben, doch dazu kommen je nach momentanem Trend Assoziationen wie bodenständig, langweilig und streng.

Forscher treiben’s bunt

Die Macht der Farben wirkt auf alle Sinne. Das beweist ein verblüffendes Experiment: Ulrich Allendorf, Winzer aus Oestrich-Winkel, stellt die Geschmacksnerven seiner Gäste in einem Spezialraum auf die Probe. Mit Farbreglern taucht er die Umgebung wahlweise in farbiges Licht. Ein frischer Riesling schmeckt bei roter Beleuchtung plötzlich süß mit Himbeer- und Erdbeeraroma. In blauem Licht wirkt derselbe Wein wässrig und fade. Und kaum wird der Raum grün, schmecken die Kunden Säure heraus. Das Auge führt die Nase hinters Licht. Forscher der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz bestätigten das Ergebnis: Bei Tests klappte der Trick sogar mit schwarzen Gläsern, sodass die scheinbare Färbung des Weins keine Rolle spielte.

Solche Experimente sind alles andere als Spielerei. Farben können im Alltag helfen, weil sie auf die Stimmung wirken. Berater wie Axel Venn empfehlen deshalb insbesondere für Kliniken und Arztpraxen eine bewusstere Farbwahl. Knallrot für das Wartezimmer beim Zahnarzt? Unmöglich. Rot signalisiert Gefahr, macht aggressiv, verstärkt Ängste und Stress. Kühle Blautöne hingegen können auf subtile Weise Anspannung lindern.

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Autor: Kai Riedemann; Bilder: ZDF / © Annette Dürr/AVE