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Fairtrade Kaffee

20.000 gastronomische Betriebe schenken Fairtrade-Kaffee aus.
Foto: picture alliance / obs / TransFair e.V.

Einkauf mit gutem Gewissen?

Wie fair ist Fairtrade?

Bewusst konsumieren. Das wird für viele Deutschen immer wichtiger. 827 Millionen Euro gaben sie im vergangenen Jahr für Lebensmittel mit dem Fairtrade-Siegel aus - 173 Millionen mehr als im Jahr 2013. Ein Zuwachs von 26 Prozent. Beeindruckende Zahlen, die der Verein Transfair jüngst veröffentlichte und die den Trend klar belegen.

Die Verbraucher verlassen sich dabei auf das Fairtrade-Siegel des Vereins. "83 Prozent der Deutschen kennen es. Und 95 Prozent der Käufer vertrauen ihm", sagt Transfair-Geschäftsführer Dieter Overath, der die gemeinnützige Vereinigung 1992 ins Leben rief. Unterstützt wird sie von Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt, Deutsche Welthungerhilfe, Unicef, BUND und etlichen kirchlichen Initiativen.

Ziel des Fairtrade-Siegels

Ziel ist es, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in Entwicklungsländern zu verbessern und "Armut langfristig zu bekämpfen". Anfangs waren nur wenige, teure Produkte in den sogenannten Dritte-Welt-Läden zu finden. Heute stehen Konsumenten vor vollen Regalen mit Tee, Kakao, Obst, Gemüse, Zucker, Honig und Reis. Selbst Blumen, Pflanzen und Textilien tragen das Siegel. 42.000 Händler bieten 4000 Produkte mit dem Faitrade-Logo an, dazu schenken 20.000 gastronomische Betriebe Fairtrade-Kaffee aus.

Mangelnde Transparenz bei der Preisgestaltung?

Aber kommt das Geld, das die Käufer zahlen, wirklich bei den Produzenten in den Entwicklungsländern an? Kritiker beklagen die mangelnde Transparenz bei der Preisgestaltung. "Transfair hat da weder Einfluss noch Einblick", sagt dazu Geschäftsführer Overath. Der Käufer weiß also nicht, was Supermärkte und Discounter draufschlagen. Das ändert jedoch nichts an den Vorteilen für die Bauern. "Der Mindestpreis muss an die Produzenten vor Ort gezahlt werden. Das hat nichts mit der Preisspanne der Discounter zu tun", erläutert Dieter Overath.

1,4 Millionen Bauern profitieren weltweit von Fairtrade. Kaffeeproduzenten etwa erhalten im fairen Handel rund 17 Prozent des Endpreises, im herkömmlichen Handel lediglich sechs Prozent. Und dass Händler die Preise nach eigenem Gutdünken festlegen, hält Dieter Overath ohnehin nicht für möglich: "Die stehen im harten Wettbewerb. Keiner kann beliebig viel draufschlagen. Das widerspricht den Realitäten des Markts."

Die Fairtrade-Standards

Ein Kritikpunkt der Verbraucherzentrale Hamburg ist der wachsende "Siegelwirrwarr". Einige Erzeuger und Händler schmücken ihre Produkte mit eigenen Logos, die allerdings nicht unabhängig geprüft sind. Beim Fairtrade-Siegel ist jedoch genau das der Fall: "Da der Begriff 'fair' nicht geschützt ist, hat Fairtrade Standards entwickelt, die international für Produkte mit dem Siegel gelten", erklärt Overath. "Die Einhaltung der Standards wird durch die Zertifizierungsorganisation Flocert unabhängig kontrolliert." Die Produzenten sind verpflichtet, nachhaltig, umweltfreundlich und möglichst biologisch anzubauen. Außerdem müssen sie menschenwürdige Arbeitsbedingungen schaffen. Kinder- und Sklavenarbeit sind verboten. Das Siegel garantiert ihnen Mindestpreise, Prämien und Abnahmegarantien, die sie unabhängig von schwankenden Weltmarktpreisen erhalten und die ihnen längerfristige Planungen ermöglichen.

Mogelpackungen im Regal

Aber nicht alles, was das Siegel trägt, ist 100 Prozent Fairtrade. Anlass zur Kritik liefert der Mengenausgleich bei Mischprodukten wie Marmelade, Keksen oder Schokolade, die aus verschiedenen Zutaten bestehen. Für das Siegel reicht ein Anteil an "fairen Produkten" von 20 Prozent. Verbraucherschützer fordern eine klarere Kennzeichnung, da der Kunde auf der Verpackung das richtige Verhältnis oft nicht erkennen kann. Deshalb drängt Transfair auf Verbesserungen bei den Händlern. "Zahlreiche Verpackungsänderungen wurden bereits umgesetzt und werden nach und nach die bisherigen Verpackungen in den Regalen ersetzen", so Overath.

Auch deshalb ziehen die Verbraucherschützer ein versöhnliches Fazit: "Der faire Handel entwickelt sich positiv und verdient weitere Unterstützung." Das ist auch nötig, denn trotz der guten Entwicklung ist noch Luft nach oben – was der Vergleich mit anderen Ländern deutlich zeigt. Overath: "In Großbritannien und der Schweiz geben die Verbraucher drei- bis viermal so viel für Fairtrade-Waren aus."

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Autor: Thomas Kunze