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Blitz

Blitzeinschlag über Karlsruhe-Neureut. - Foto: © picture alliance / Eibner-Pressefoto

"Echt: Das Magazin zum Staunen"

Wie Blitze entstehen

Was Forscher heute über Blitze wissen und warum sie dennoch unberechenbar bleiben, zeigt "Echt: Das Magazin zum Staunen" (Mi., 14.7., MDR, 21.15 Uhr, s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm).

Knisternde Spannung, tiefes Grollen, gewaltige Lichteffekte am Nachthimmel: Was sonst zu einer gelungenen Bühnenshow gehört, wurde beim diesjährigen Konzert "Rock am Ring" gefährlicher Ernst. Über dem Gelände des Festivals zog ein Gewitter auf. 33 Menschen wurden durch Blitze verletzt, Gott sei Dank nicht schwer. Der Rest kam mit dem Schrecken davon - und einer Ahnung, wie riskant das furiose Naturspektakel sein kann.

Unbändige Energien

Gut in Erinnerung ist dem Meteorologen Stefan Laps ein "Jahrhundertunwetter", das zehn Jahre zurückliegt. Damals verfinsterte sich an einem Sommernachmittag über Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen schlagartig der Himmel. Es regnete sintflutartig, gewaltige Hagelkörner prasselten zu Boden, der Sturm erreichte Orkanstärke, Blitze durchfurchten den Himmel. "In normalen Jahren zählt man ein bis zwei Millionen Blitze in ganz Deutschland", so Laps. "Am 29. Juli 2005 hatten wir 200.000 Blitze innerhalb eines Gewittersystems in nur sechs Stunden!"

Die Entstehung von Gewittern kann man heute zwölf bis 36 Stunden voraussagen - und zwar mit einer Genauigkeit "auf Postleitzahlenebene", sagt Laps, der beim Wetterdienst MeteoGroup unter anderem als Experte in der Unwetterzentrale arbeitet.

Wie Blitze entstehen

Auch das Phänomen Blitz ist gut erforscht: Voraussetzung dafür sind heiße, feuchte Luft sowie eine zweite herannahende Luftmassenzone. Die schwüle Luft wird verdrängt, steigt auf und bildet eine Wolke, die durch starke Auf- und Abwinde zu einer mächtige Gewitterwolke werden kann. "Wassertröpfchen bewegen sich darin mit einer Geschwindigkeit von fünf bis 20 Metern pro Sekunde", so Laps. "Zum Vergleich: Die Aufzüge des Fernsehturms am Berliner Alexanderplatz schaffen etwa sechs Meter pro Sekunde." In unseren Breitengraden erreichen Gewitterwolken bis zu zwölf Kilometer Höhe. Durch die Reibung der darin umherrasenden Tropfen, Graupel und Hagelkörner entsteht Energie, die sich schließlich entlädt - im Blitz. Wann genau, kann man bis heute nicht berechnen. Die Macht der Blitze hingegen ist messbar: Auf bis zu 30.000 Grad Celsius können sie die Luft erhitzen.

Etwa die Hälfte aller Blitze zuckt nur innerhalb von Wolken, die andere Hälfte schlägt in die Erde oder Gewässer ein. Meistens in Erhebungen wie Sendemasten oder Windräder: Je geringer der Abstand zwischen Wolke und Objekt, desto größer die Wahrscheinlichkeit. Auf ebenen Flächen gehören Bäume und Menschen zu den bevorzugten Zielen.

Geringe Gefahr für Menschen

Dennoch ist die Gefahr für Menschen gering. Der Blitz Informa- tionsdienst von Siemens (BLIDS) misst alle Blitzeinschläge in Deutschland, im Jahr 2013 waren es 542.376. Dabei entstanden Schäden im Wert von 280 Millionen Euro. Zu Tode kam dabei ein einziger Mensch. Vor 50 Jahren forderten Blitze hierzulande noch 50 bis 100 Todesopfer jährlich. Damals wurde noch mehr im Freien gearbeitet, und die Notfallversorgung war weniger effizient. Experte Laps vermutet zudem: "Es hat sich herumgesprochen, dass der Aberglaube 'Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen' gefährlich ist. Bei Gewittern sind alle Bäume von Blitzeinschlag bedroht und bieten keinesfalls Schutz."

Gefahrengebiete bei Gewitter

Groß ist die Gefahr auf Golfplätzen und bei Open-Air-Festivals, wo weder Autos noch Häuser mit Blitzableitern Schutz bieten und keine Mulden vorhanden sind, in die man sich retten könnte. Auch in Mittelgebirgen wie Eifel oder Schwarzwald ist die Gewitterwahrscheinlichkeit hoch, ebenso auf dem flachen Land, etwa in Nordfriesland.

Hauptsaison für Unwetter ist der Herbst. "Wenn kalte Polarluft Richtung Süden zieht und auf die noch warme Luft an der Nordsee trifft, entstehen kräftige Schauer und Gewitter", erklärt Laps. Dann kann man gut geschützt auch die schöne Seite des Spektakels genießen. Laps: "Abends und nachts lassen sich fantastische Blitze über dem Meer beobachten."

Autor: Nele-Marie Brüdgam