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Miss Marple (Margaret Rutherford) und ihr Freund Mr. Stringer (Stringer Davis).
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Die liebenswert-schrullige Miss Marple (Margaret Rutherford) macht sich mit Hilfe ihres Freundes Mr. Stringer (Stringer Davis) an die Aufklärung eines mysteriösen Mordfalls. - Foto © ARD / HR / Degeto

Im TV: Themenabend Miss Marple

Wer war Miss Marple wirklich?

Mit wippendem Vierfachkinn und rudernden Armen klärte die englische Komödiantin Margaret Rutherford im Alleingang Verbrechen auf. Der gemütvolle Agatha-Christie-Krimi "16 Uhr 50 ab Paddington" (siehe TV-Tipp rechts) setzte 1961 den Siegeszug der Miss Marple in Gang. Doch wer war Miss Marple wirklich? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten der Kultdetektivin.

1. Warum gibt es nur eine wahre Miss Marple?

Antwort: Bei Miss Marple hat man sogleich das unverwechselbare Gesicht von Margaret Rutherford (1892 –1972) vor Augen. Die britische Schauspielerin mit den Silberlöckchen und den schmalen Lippen, die sie auf unnachahmliche Weise nach innen stülpen konnte, gab der Ermittlerin eine eigenwillige, kauzige Note. Andere Miss-Marple-Darstellerinnen wie Angela Lansbury erreichten nie diesen Kultstatus.

2. Wer lieh Miss Marple in Deutschland die Stimme?

Antwort: Im ersten Film "16 Uhr 50 ab Paddington" erhielt Miss Marple die markante deutsche Stimme von Agnes Windeck, die in den 1960er-Jahren selbst Star vieler Edgar-Wallace-Filme war und dann in der Serie "Die Unverbesserlichen" auftrat. Später wurde Margaret Rutherford von der Schauspielerin Ursula Krieg synchronisiert.

3. Was waren die düsteren Familiengeheimnisse der Margaret Rutherford?

Antwort: Die Schauspielerin mit dem Charakterkopf, die als schrullige Mörderjägerin berühmt wurde, hatte selbst ein geradezu bizarres Familienschicksal zu tragen. Ihr Vater war psychisch labil und wurde in einem Anfall von geistiger Umnachtung zum Mörder: Er erschlug seinen eigenen Vater, einen Pastor, mit dem Nachttopf. Der Todesstrafe entging er nur durch die Einweisung in ein Hospital für geisteskranke Kriminelle. Ihre Mutter beging in der fernen britischen Kronkolonie Indien Selbstmord, indem sie sich im Garten erhängte. Beide Familiendramen prägten Rutherford – selbst in ihren erfolgreichsten Jahren. "Sie werden nie einen Komödianten finden, der nicht auch einen starken Hang zur Traurigkeit hat", gestand sie. Gegenstand von Klatsch war auch Rutherfords Adoptivsohn Gordon Langley Hall, den sie zusammen mit ihrem Ehemann Stringer Davis Anfang der 1960er- Jahre angenommen hatte. Hall ließ sich Ende der 1960er-Jahre als einer der ersten Transsexuellen zur Frau operieren. Später heiratete er seinen farbigen Butler und publizierte unter seinem neuen Namen Dawn Langley Simmons Bücher – unter anderem eine Biografie über seine Adoptivmutter.

4. Wie viele Miss-Marple- Filme gibt es?

Antwort: Margaret Rutherford spielte in vier Filmen die Miss Marple – was gern auch als Miss "Marble" (Marmor) verballhornt wurde: "16 Uhr 50 ab Paddington" (1961), "Der Wachsblumenstrauß" (1963), "Vier Frauen und ein Mord" und "Mörder ahoi!" (beide 1964). Darüber hinaus tauchte die Figur der Miss Marple noch in drei Kinofilmen auf, in vier TV-Filmen (darunter die deutsche Version "Mord im Pfarrhaus" mit Inge Langen) und in zwei langjährigen britischen Fernsehserien. Von 1984 bis 1992 wurde die Amateurdetektivin in Großbritannien von Joan Hickson gespielt, ab 2004 von Geraldine McEwan, zum Schluss von Julia McKenzie. Die Schöpferin der neugierigen alten Dame, Schriftstellerin Agatha Christie, ließ Miss Marple in zwölf Romanen und 20 Kurzgeschichten ermitteln.

5. War Miss Marples Erfinderin Agatha Christie mit Rutherford zufrieden?

Antwort: Nein, ganz und gar nicht! Für die Schriftstellerin Agatha Christie war Margaret Rutherford eine totale Fehlbesetzung. In ihren berühmten Romanen wird die Amateurdetektivin als eine kultivierte, etwas blasshäutige, hochgewachsene und zerbrechlich wirkende ältere Dame aus der oberen Mittelschicht beschrieben – was ziemlich genau das Gegenteil der untersetzten Margaret Rutherford ist, die ihrer Figur teilweise sogar noch clowneske Züge verlieh. Später näherten sich die beiden Frauen dennoch an, wurden schließlich Freundinnen. 1963 widmete Agatha Christie der Protagonistin ihrer Filme sogar den Roman "Mord im Spiegel", der 1980 mit Angela Lansbury in der Hauptrolle und Stars wie Rock Hudson, Geraldine Chaplin und Liz Taylor verfilmt wurde.

6. Was setzte Margaret Rutherford am Set durch?

Antwort: Anders als in den Romanvorlagen von Agatha Christie wünschte sich Rutherford einen Partner, der auch Gegenpart sein sollte: Gespielt wurde der Bibliothekar Mr. Jim Stringer dann von ihrem Gatten Stringer Davis. Ein dramaturgischer Coup: Neben dem vorsichtigen, zögerlichen Bibliothekar wirkte die Privatdetektivin noch schrulliger und beherzter. Davis selbst sagte über seine Rolle: "Die brauchten aus dramaturgischen Gründen einen begriffsstutzigen alten Knaben, dem Miss Marple ihre Beobachtungen lang und breit mitteilen konnte. Ich erklärte mich unter der Bedingung bereit, dass ich im Film ein Dreirad fahren durfte." Auch bei ihrer Garderobe hatte Rutherford besondere Vorstellungen: Für ihre Rolle wählte sie mit Bedacht Kleidung, die sie auch privat getragen hätte: vor allem wallende Umhänge und lange Schals.

7. Wozu war Miss Marple alles fähig?

Antwort: Auch als würdige ältere Dame schreckte sie vor Körpereinsatz nicht zurück, wenn es denn der Sache diente. Sie ritt im Damensattel, schwang die Pistole, schwebte im schwarzen Abendkleid über die Tanzfläche, spielte Golf. Ihren sportlichsten Einsatz zeigte Rutherford in "Mörder ahoi!": Dort lieferte sie sich mit dem Täter ein Fechtduell, für das sie vier Wochen lang eisern probte. Ihr Satz im Drehbuch: "Ich muss Sie warnen! Ich war nationale englische Fechtmeisterin im Jahre 1932!"

8. Welche Ehrungen erhielt die Charakterdarstellerin?

Antwort: Die Liebe des Publikums und ihre schauspielerischen Glanzleistungen katapultierten Rutherford in den Olymp der öffentlichen Wertschätzung: 1961 wurde sie Officer of the British Empire, 1967 Dame Commander of the British Empire. 1964 erhielt sie den Oscar sowie den Golden Globe als beste Nebendarstellerin im Film "Hotel International" mit Liz Taylor und Richard Burton in den Hauptrollen. Darin spielte sie 71-jährig eine Herzogin in Geldnöten. Um ihren Gatten während der Dreharbeiten um sich zu haben, hatte sie ihm wieder eine kleine Nebenrolle verschafft: Stringer Davis spielt einen Zimmerkellner.

9. Was war die letzte Rolle der Margaret Rutherford?

Antwort: 1967 drehte Charlie Chaplin sein letztes Werk, seinen ersten Farbfilm: "Die Gräfin von Hongkong" mit Sophia Loren. Rutherford spielte das, worauf sie abonniert war: eine skurrile alte Jungfer. Im selben Jahr stürzte sie, brach sich die Hüfte. Fortan war sie weitgehend an den Rollstuhl gefesselt, verließ kaum noch das Haus. Ohne weitere Engagements fehlten ihr die Einnahmen: Sie verarmte. Eine großzügige Spende des damaligen Premierministers Edward Heath und wohl auch diskrete Zuwendungen des Königshauses linderten ihre Lage. Rutherford starb am 22. Mai 1972 kurz nach ihrem 80. Geburtstag an einer Lungenentzündung. Ihr Mann überlebte sie nur um ein Jahr.

Autor: Angela Meyer-Barg