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Der Borneo-Flugfrosch kann 20 Meter durch die Luft segeln.

Der Borneo-Flugfrosch kann 20 Meter durch die Luft segeln. - Foto © picture alliance / Hippocampus-B

Im TV: "Faszination Dschungel"

Von Paderborn in den Dschungel

Dieter Schonlau und Sandra Hanke sind seit mehr als 25 Jahren süchtig nach den Regenwäldern dieser Erde. In HÖRZU berichten sie exklusiv von ihren Expeditionen.

Regenwald macht süchtig. In den spärlichen Sonnenstrahlen, die durch die Kronen der Urwaldriesen dringen, eröffnet sich eine fantastische Welt. Um ihr die letzten Geheimnisse zu entlocken, ist den Naturfotografen Dieter Schonlau und Sandra Hanke (www.wildlifephoto.de) keine Strapaze zu groß.

Seit mehr als 25 Jahren reist das Paar aus Paderborn in die Dschungel dieser Erde – von Borneo bis Guatemala, von Sumatra bis Surinam. Der selbstständige Marzipankünstler und die Restaurantfachfrau haben ihr Hobby längst zum Lebensinhalt gemacht. Einige Monate jährlich arbeiten sie in ihren Berufen, doch die Rucksäcke sind stets gepackt. In einem neuen Bildband (siehe Tipp rechts) stellen die beiden ihre spektakulärsten Aufnahmen vor, in HÖRZU berichtet Dieter Schonlau exklusiv über ihre Abenteuer im Regenwald.

Mich hat das Regenwaldfieber schon als Kind gepackt. Mein Lieblings-Comic-Held war Tarzan, der an Lianen schwingend durch den Urwald kurvte. Noch heute erzählt meine Mutter, dass ich in dem Alter, in dem eigentlich Pilot und Feuerwehrmann angesagt waren, "Dschungelforscher" werden wollte – ein Wort, das ich noch gar nicht aussprechen konnte. Bei Sandra war es der Religionslehrer, der ihr Interesse für den Regenwald weckte. Er hatte einige Jahre in Südamerika gelebt, ließ die Klasse an seinen Erlebnissen teilhaben und zeigte voller Begeisterung sein Super-8-Filmmaterial.

Ich lernte Sandra später in einer Paderborner Diskothek kennen, und schon bald stellten wir fest, dass unsere Traumwelten auf denselben Breitengraden lagen. So beschlossen wir, gemeinsam dorthin aufzubrechen. Seit unserer ersten Expedition 1987 nach Indonesien haben wir zusammengerechnet über zehn Jahre in den unterschiedlichsten Regenwäldern verbracht. Wir schlafen in Hängematten, stecken Tausende von Insektenstichen weg, schleppen eine schwere Kameraausrüstung durch feuchtschwüles Klima. Doch je mehr Zeit wir dort verbringen, desto größer werden Leidenschaft und Verständnis für diese so geheimnisvolle Welt.

Vorsicht statt Abenteuer

Bei einem Dia-Vortrag über unsere Expeditionen kritisierte mal ein Zuschauer, dass wir auf den Fotos immer glücklich und vor allem so sauber aussehen. Warum sollten wir immer wieder in den Regenwald reisen, wenn wir dabei nicht glücklich wären? Diese erwarteten Bilder von "verwegenen Abenteurern", die sich in zerrissener, verdreckter und blutverschmierter Kleidung durch den Urwald schlagen und mit Macheten wilde Tiere und Krieger abwehren, die können wir nicht liefern. Auch wegen dieser falschen Vorstellung vom "lebensfeindlichen" Dschungel geht es dem für uns Menschen so wichtigen Regenwald an den Kragen – und keinen interessiert das wirklich.

Und was die Sauberkeit betrifft: Wir waschen uns täglich. Körperliche Hygiene ist eine sehr wichtige Voraussetzung für einen längeren Aufenthalt in der Wildnis. Am liebsten waschen wir uns unter einem kühlen Wasserfall, aber der ist leider nicht immer zur Stelle. Es ist aber auch unbeschreiblich schön, den aufgeheizten Körper durch ein erfrischendes Bad im Fluss abzukühlen.

Wir möchten noch mit einem weiteren Klischee aufräumen: Wer im Regenwald unterwegs ist, ernährt sich nicht von Larven, Käfern und Ähnlichem. Nur allzu gern wird derlei von selbst ernannten "Survivaltrainern" und Möchtegern-Abenteurern vor laufender Kamera im Fernsehen demonstriert. Wir hätten kein Problem damit, in Notsituationen diese gesunde, sehr proteinhaltige Nahrung zu essen, aber es war bislang in den vielen Jahren nicht nötig. Wir versuchen immer, in der Nähe von Flüssen zu kampieren, wo es meist keine Schwierigkeit ist, eine leckere Mahlzeit zu angeln. Je nachdem, wie unsere weiteren Pläne sind, filetieren, salzen und trocknen wir die Fische und schaffen uns so einen Vorrat.

Wenn wir Einheimische treffen, kaufen wir ihnen Gemüse und Früchte ab. Immer im Gepäck ist eine Gewürzmischung, die wir in Deutschland nach unserem Geschmack zusammenstellen. Bei all unseren Expeditionen haben wir noch nie gehungert – und wenn man als gut genährter Deutscher mal einige Kilos verliert, ist das auch nicht so tragisch. Viele geben allein für diesen Effekt mehr Geld aus als wir für unsere ganze Reise.

Angst haben wir nicht im Regenwald. Wovor auch? Vor Schlangen und Spinnen? Bis jetzt ist uns nichts Ernsthaftes passiert. Zum einen liegt das an unserer langjährigen Erfahrung, zum anderen an vielen Vorsichtsmaßnahmen. Natürlich gibt es Lebewesen im Tropenwald, die zur Jagd oder Abwehr hochgiftige Substanzen einsetzen, und andere, die durch Bisse oder Stiche gefährliche Krankheiten übertragen können. Wir schlafen deshalb immer unter einem feinen Moskitonetz, verwenden Insektenschutzmittel, tragen selbst bei extremster Hitze lange Kleidung, benutzen auch auf den kürzesten Wegen durch den Wald festes, über die Knöchel gehendes Schuhwerk.

Wir achten sehr auf unser Trinkwasser, das wir je nach Zustand abkochen, filtern oder mit Tabletten keimfrei machen. Wir sind bestimmt keine Draufgänger, sondern einfach nur begeistert von dieser einzigartigen Vielfalt – Schlangen, Spinnen, Jaguare, Piranhas mit eingeschlossen.

Vorbereitung ist Alles

Eine Expedition ist kein Spaziergang. Zusammen haben wir rund 46 Kilogramm Gepäck dabei: Hängematten, Luftmatratzen, Schlafsäcke, Taschenlampen, Fernglas, Batterien, Buschmesser, Kleidung. Sandras Rucksack wiegt mit Inhalt rund elf Kilo, meiner zwölf. Ich bin ja etwas stärker. Dazu kommt mein Kamerarucksack mit 19 Kilo. Extreme Luftfeuchtigkeit und unzählige Plagegeister können einen schnell aus dem Traum vom Garten Eden erwachen lassen.

Wenn man aber mental darauf eingestellt ist, was einen so alles erwartet, wird die Tour unvergesslich. Wir möchten mit unserer "Dschungelarbeit" die Menschen begeistern, sie sollen den Regenwald lieben lernen. Mit den Bildern und unseren Multivisionsvorträgen können wir vielleicht ein wenig dazu beitragen. Das ist gleichzeitig ein kleines Dankeschön an den Regenwald – für alles, was wir dort erleben durften.

Autor: Dieter Schonlau