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Woher stammt die Redewendung "einen Kater haben"?

Woher stammt die Redewendung "einen Kater haben", also das Leid nach übermäßigem Alkoholgenuss? - Foto © picture alliance / dpa Themendienst

Redewendungen

Von Katern, Geiern und Eulen

Warum reden wir von Katzen und Böcken, wenn wir Kopfweh und Ärger meinen? Wie unsere Redewendungen entstanden sind.

Unsere Sprache lernen wir von Kindesbeinen an – und doch steckt sie oft voller Rätsel. Etwa bei den Redewendungen. Haben Sie die alle "auf der Pfanne", oder "verfranzen" Sie sich damit auch manchmal? Intuitiv verstehen wir ihren Sinn. Aber erklären, woher sie stammen, wer kann das schon. Warum hat man etwa "einen Kater" oder etwas "auf dem Kerbholz"? Und wieso "haut man Geld auf den Kopf" oder jemanden "übers Ohr"? Ein Ratgeber erklärt nun die Herkunft gebräuchlicher Sprüche (siehe Buch-Tipp rechts). HÖRZU hat einen Blick hineingeworfen.

Tierische Redewendungen

Einen Bock schießen
Sagt man, wenn jemand einen peinlichen Fehler gemacht hat. Stammt ursprünglich aus den Schützenvereinen: Dort erhielt der schlechteste Schütze früher einen Bock als Trostpreis. Das brachte ihm Spott und manch scherzhafte Bemerkung ein.

Eulen nach Athen tragen
Bedeutet, etwas Überflüssiges zu tun. Geht auf den griechischen Dichter Aristophanes zurück, der in seiner Komödie "Die Vögel" bemerkt, an Eulen werde es in der Stadt nie mangeln. Er meinte damit nicht die Vögel, die rund um Athen sehr verbreitet sind, sondern die Silbermünzen, auf denen eine Eule abgebildet war. Er hielt es also für unnötig, Geld ins reiche Athen zu schicken.

Einen Kater haben

Redewendung einen Kater haben
Foto © picture alliance / WILDLIFE

Bezeichnet das Leid nach übermäßigem Alkoholgenuss. Der Ausdruck war zuerst in Leipziger Studentenkreisen verbreitet, vermutlich wegen einer Biersorte namens "Kater". Der Begriff dürfte sich auch dank seiner lautlichen Nähe zu "Katarrh" durchgesetzt haben, also zum Schnupfen, der ähnliche Symptome hat.

Weiß der Geier
Eigentlich heißt es "Weiß der Teufel", doch diese böse Figur nennt man selbst in einem Fluch nur ungern beim Namen. Der Geier dient als Ersatz, weil sein Ruf als Aasfresser ebenso schlecht ist.

Vergnügliche Redewendungen

Geld auf den Kopf hauen

Redewendung einen Kater haben
Foto © picture alliance / zb

Mit anderen Worten: es verschwenderisch ausgeben. Bezieht sich auf die alte Sitte, beim Bezahlen das Geld mit der Zahl nach oben auf den Tisch zu legen, damit man sofort den Wert erkennen konnte. Man haute das Geld auf den Kopf – also auf die andere Seite der Münze.

Sich auftakeln
Das tun Frauen, die sich schrill kleiden und schminken, um über ihr Alter hinwegzutäuschen. Die Wendung kommt aus der Seefahrt: Hier bedeutet auftakeln, ein Schiff mit der Takelage zu versehen – so werden Ausrüstungsgegenstände wie Masten, Segel und Taue bezeichnet.

Bis in die Puppen ausgehen
Bedeutet, lange wegzubleiben, und wird vor allem in Berlin bekannt sein: Im 18. Jahrhundert wurden auf einem Platz im Tiergarten Statuen aus der antiken Mythologie aufgestellt, die im Volksmund "Puppen" genannt wurden. Da man vom Zentrum weit dorthin laufen musste, wurden die "Puppen" zum Sinnbild für große Entfernungen – oder lange zeitliche Dauer.

Schelmische Redewendungen

Etwas auf dem Kerbholz haben
Heißt, ein Unrecht begangen zu haben. Geht zurück auf das Kerbholz, das bis ins 18. Jahrhundert gebräuchlich war: zwei gleichlange Holzstücke, auf denen Symbole für Schulden eingekerbt wurden. Eine Hälfte bekam der Schuldner, die andere der Gläubiger. Am Zahltag verglich man beide Hälften, der Schuldner musste zahlen.

Jemanden übers Ohr hauen
Umschreibung für einen Betrug. In der Fechtersprache meinte man damit einen schmerzhaften Hieb auf den Kopf, oberhalb der Ohren. Dieser Ausdruck wurde in der Folge bildlich verwendet für "jemandem übel mitspielen".

Jemandem etwas in die Schuhe schieben
Bedeutet, ihn zu Unrecht zu beschuldigen. So taten es Diebe früher, die ihre Beute anderen in die Schuhe oder die Kleidung schoben, bevor sie sich in einer Herberge schlafen legten. Im Fall einer Durchsuchung war ihnen so nichts nachzuweisen.

Lehrreiche Redewendungen

Etwas auf der Pfanne haben
Bescheinigt jemandem besondere Fähigkeiten und bezieht sich auf die Gewehrpfanne: eine Mulde, in die man das Zündpulver füllte. Wer etwas auf der Pfanne hatte, war zum Schuss bereit, hatte wirklich etwas zu bieten.

Jemanden aufs Korn nehmen
Heißt, ihn zu beobachten. Auch dieser Ausdruck lässt sich vom Gewehr ableiten: Das Korn ist Teil der Zielvorrichtung – wörtlich gesehen zielt man also auf jemanden.

Sich verfranzen
Vom Weg abkommen. In der Fliegerei nennt man den zweiten Mann in einem zweisitzigen Flugzeug "Franz" – und unter "franzen" versteht man seine grobe Navigation mittels einer Flugkarte.

Amtliche Redewendungen

Schema F
Steht für Routine und Einfallslosigkeit. Geht zurück auf eine Pflichtübung beim deutschen Militär: den Frontrapport. Für ihn gab es ein Standardformular, das immer auf dieselbe Weise ausgefüllt wurde.

Alles Roger
"Alles in Ordnung". Auf der Buchstabiertafel des US-amerikanischen Militärs steht "Roger" für den Buchstaben R. Eine Anweisung wird mit "Roger" beziehungsweise "R" für "Received" beantwortet – als Zeichen dafür, dass man sie verstanden hat.

Autor: Melanie Schirmann