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Der Eiffelturm in Paris ragt 324 Meter in den Himmel.

Imposant: Der Eiffelturm in Paris, hier von der der unteren Plattform aus aufgenommen, ragt 324 Meter in den Himmel. - Foto © picture alliance / Daniel Kalker

Sendung ''X:ENIUS'' (03.02., 8.25 Uhr, ARTE)

TV-Tipp: So entstand der Eiffelturm

Paris, 28. Januar 1887: Auf dem Champ de Mars, einer Grünfläche inmitten der Seine-Metropole, herrscht hektische Betriebsamkeit. Wo einst Soldaten exerzierten, entsteht der höchste Turm auf Erden! Zur Weltausstellung 1889 und Hundertjahrfeier der Französischen Revolution muss etwas Gewaltiges her – eine Vision aus Stahl, ein Technikwunder der Neuzeit!


TV-Tipp: X:ENIUS (Fr., 03.02., 8.25 Uhr, ARTE)
Wunderwerk Stahl - vom Nagel bis zum Pariser Eiffelturm

Genau 125 Jahre später zieht uns der Eiffelturm immer noch in seinen Bann. Mit 324 Meter Höhe, 10.100 Tonnen Gesamtgewicht und 1665 Stufen wurde er zum Wahrzeichen von Paris und machte seinen Erbauer unsterblich.

Dabei stammt der geniale Entwurf gar nicht von Gustave Eiffel. Schon 1884 hatten seine Chefingenieure Maurice Koechlin und Emile Nouguier die Konstruktionspläne für einen Stahlturm präsentiert. Firmenchef Eiffel, ein erfahrener Brückenbauer, stand der Idee eher skeptisch gegenüber. Erst langsam begeisterte er sich für den so filigran wirkenden Turm, ließ die Pläne vom Architekten Stephen Sauvestre überarbeiten – und sicherte sich am 18. September 1884 das Patent.

Eine letzte Hürde galt es zu noch zu überwinden: den Sieg bei der offiziellen Ausschreibung. 107 Entwürfe gingen bei den Verantwortlichen für die Pariser Weltausstellung ein. Mitten in Frankreichs Hauptstadt könnte heute auch ein gewaltiger Leuchtturm aus Granit stehen. Doch Eiffel und sein Team machten das Rennen. Nicht zuletzt, weil ihr Projekt bereits bis ins kleinste Detail durchgeplant war.

Zwischen Himmel und Erde

Pünktlich zur Eröffnung der Weltausstellung musste der Rekordturm fertig sein. Ein Wettlauf mit der Zeit! Eiffels Fabrik in Levallois-Perrer fertigte die 18.038 Bauteile mit vorgestanzten Nietenlöchern, alles auf ein Zehntel Millimeter exakt gearbeitet. Auf der Baustelle wurden die Stahlelemente nur noch zusammengesetzt. Ein riesiger Baukasten! Für jede Nietenverbindung waren vier starke Männer nötig: Der erste heizte die Nieten auf, der zweite brachte sie in Position, der dritte formte den Kopf, der vierte schlug mit dem Hammer zu. Bis zu 300 Arbeiter setzten die 2,5 Millionen Nieten ein.

Verglichen mit heutigen Bauvorhaben gingen die Arbeiten damals in geradezu atemberaubendem Tempo voran. Nach fünf Monaten standen die Fundamente, schon am 1. April 1888 war der erste Bauabschnitt fertig. Hölzerne Gerüste, zwölf kleine von 30 Meter Höhe und vier größere von jeweils 40 Meter, dienten als Plattformen für die Teams. Bei den oberen Stockwerken waren Dampfkräne im Einsatz, die auf den Turmelementen selbst montiert wurden. Präzisionsarbeit zwischen Himmel und Erde.

Von Anfang an plante der Visionär Eiffel sieben Fahrstühle ein, von denen zwei sogar heute noch in Betrieb sind. 60 Tonnen Farbe ließen die 250.000 Quadratmeter Stahlfläche des Turms in dunklem Rot-Braun leuchten. Am 31. März 1889 meldete Eiffel schließlich den Erfolg: Das Symbol der Weltausstellung war fertig – nach nur
zwei Jahren und zwei Monaten.

Der Visionär zeigte sich beim Jahrhundertprojekt auch als cleverer Geschäftsmann. 7.739.401,31 Goldfranc verschlang der Turm, vom Staat erhielt Eiffel nur einen Zuschuss. Dafür sicherte sich der Erbauer die Nutzungsrechte – und ließ die Kassen klingeln. Allein während der Weltausstellung besichtigten 1,9 Millionen Neugierige
den sensationellen Bau – das sind rund 12.000 jeden Tag. Seine Königliche Hoheit der Prinz of Wales genoss damals ebenso die Höhenluft wie der russische Zar.

Und die Pariser? Die schimpften über die Verschandelung ihrer schönen Stadt. Schon als die Bauarbeiten begannen, protestierten rund 300 Künstler und Intellektuelle gegen Turm der Triumphe den "nutzlosen und monströsen Eiffelturm im Herzen unserer Hauptstadt". Schriftsteller Guy de Maupassant ("Bel-Ami") erwies sich als einer der hartnäckigsten Gegner.

Nach der Weltausstellung gab es sogar Pläne, den Turm zu verschönern, zu verhüllen oder komplett neu zu gestalten. Gelohnt hätte sich der Aufwand kaum, denn nach 20 Jahren sollte das nutzlose Ding sowieso abgerissen werden. Nur bis 1910 lief offiziell die Genehmigung für das Wahrzeichen der Weltausstellung. Den Eiffelturm verschrotten? Sein Erbauer verhinderte den Plan mit einer List: Er erklärte das Bauwerk zum Versuchslabor für Forschung und Technik. Meteorologen, Astronomen, Physiker und Elektropioniere sollten dort experimentieren.

Die endgültige Rettung kam 1903 mit geglückten Funkversuchen. Durch die Erfindung der drahtlosen Telegrafie wurde der Eiffelturm zum höchsten Sendemast der Welt. 1921 strahlten die Antennen an seiner Spitze erstmals Rundfunksignale aus, 1935 dann ein Fernsehtestprogramm. Heute käme keiner mehr auf die Idee, den Eiffelturm zu verschrotten oder sein Stahlgerüst hinter einer Hülle zu verstecken. Die Pariser haben die Schönheit des Biests aus Stahls entdeckt – und lieben gelernt.

Autor: Kai Riedemann