HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Arte Staedte der Zukunft

Nach westlichem Vorbild sollen 40 Prozent der Fläche Songdos bepflanzt werden und die
"grünen Lunge" der Stadt bilden. Der Vorteil: Grünflächen senken die Temperatur und den
CO2-Gehalt der Luft. - Foto: ARTE France / © Docside/Rare Media

Arte-Themenabend

"Städte der Zukunft"

Computerprogramme regeln die Metropolen von morgen. Doch die Vernetzung birgt Risiken.

Jedes Gebäude ist ein kleines Kraftwerk, auf den Straßen rollen Elektroautos, Abfalltonnen funken die Müllabfuhr an, sobald sie voll sind. Keine Staus, kein Smog, dafür jede Menge Parks: So könnte sie aussehen, die Metropole der Zukunft. 2050 werden 70 Prozent aller Menschen in Städten leben, prognostiziert die Uno, insgesamt 6,4 Milliarden Menschen.

2015 ist das Wissenschaftsjahr „Zukunftsstadt

Zahlen, die Stadtplaner vor gewaltige Herausforderungen stellen. Auch deshalb hat das Bundesforschungsministerium 2015 zum Wissenschaftsjahr „"Zukunftsstadt"“ ausgerufen, untersucht die Fraunhofer-Gesellschaft mit dem Projekt „"Morgenstadt“", wie wir in Zukunft leben und arbeiten möchten. Arte widmet sich mit einem Themenabend visionären Projekten (Di., 20.1., Arte, 20.15 Uhr, s. auch TV-Tipps rechts).

Die intelligente Stadt

Die wichtigsten Fragen: Wie können die Menschen in Megastädten ernährt werden? Woher kommt die Energie? Wie verhindern wir den drohenden Verkehrskollaps? Die intelligente Stadt, eine Smart City, könnte der Ausweg sein. "„Das ist eine Stadt, die Daten erhebt, um urbane Prozesse zu verbessern“", sagt Alanus von Radecki, Projektleiter der „"Morgenstadt“".

Grüne Städte liegen im Trend

Mit "„Daten“" meint er: Verkehrsdaten, Wetterdaten, Gebäudedaten, Energiedaten, Handydaten. Computersysteme verarbeiten die gesammelten Informationen – und optimieren das Stadtleben. Beispiel Verkehr: "„In der Stadt der Zukunft überwachen Kameras und Geschwindigkeitssensoren den Straßenverkehr und erfassen die Fließgeschwindigkeit in Echtzeit“", so von Radecki. Ampelsysteme richten ihre Rot- und Grünphasen entsprechend aus – und verhindern Staus. Ein anderes Beispiel ist die Müllentsorgung: "„Intelligente Mülltonnen melden ihren Füllhöhestand"“, erklärt von Radecki. Die Müllabfuhr wird nur zu den Containern dirigiert, die auch tatsächlich voll sind. Und das wiederum entlastet die Straßen. „"Der Verkehr ist die derzeit größte Herausforderung"“, meint der Experte. „"Der Trend geht dahin, Autos aus der Innenstadt zu verdrängen und autofreie Zonen einzurichten."“ Das bedeutet: weniger Feinstaub, weniger Verkehrslärm.

Um in Zukunft genug Strom und Wärme zu haben, produzieren die Kunden einen Teil der Energie selbst. Häuser werden zu ökologischen Minizentralen, die sich Sonnen- und Windenergie zunutze machen. „"Neu ist, dass diese Gebäude gleichzeitig als Energiespeicher funktionieren oder ihren Stromüberschuss an Elektrofahrzeuge abgeben“", sagt von Radecki. Die Metropolen von morgen sollen nachhaltiger sein – deshalb wächst der Salat nicht mehr auf einem Feld am anderen Ende der Welt, sondern mitten in der Stadt. Möglich machen das vertikale Gewächshäuser. Graue Betonwüsten sollen der Vergangenheit angehören, stattdessen setzen Stadtplaner auf Grün. „"Parks und Wasserlandschaften machen Städte attraktiver.“"


Urbane Farmen

Urban Farm
Dieser 3D-Entwurf einer vertikalen Farm des Designers Chris Jacobs aus Los Angeles sorgte 2007 für Begeisterungsstürme in den Medien. Noch bleibt er aber Theorie. - Foto: ARTE France / © Docside/Rare Media

Um die Regale der Supermärkte zu füllen, kommt die Landwirtschaft der Zukunft in die Stadt. Dort wachsen Pflanzen im großen Stil in Hightechgewächshäusern und Agrartürmen.

Vorteil: Unter künstlich geschaffenen Idealbedingungen sprießen sie das ganze Jahr über – unabhängig von den Jahreszeiten. In Japan, aber auch in den Niederlanden gibt es bereits Pflanzenfabriken. Für die Beleuchtung der Gewächse nutzen sie LED-Lampen. Derzeit sind diese Ansätze allerdings sehr kostspielig.


Hinter diesen Ansätzen, die das Leben in der Stadt komfortabler machen sollen, steckt ein übergeordnetes Ziel: "„Null Abfall, null Kohlendioxid“", fasst der Experte zusammen. Eine klimafreundliche Siedlung mit einem geschlossenen Ressourcenkreislauf. Gebäude etwa werden in Zukunft über ihren gesamten Daseinszyklus hin geplant: "„Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat ein Verfahren entwickelt, das Beton in seine Molekularstrukturen zersetzt, damit er für neue Gebäude wiederverwendet werden kann“", erklärt der Experte für Stadtentwicklung. Das spart Ressourcen.

Droht die totale Überwachung?

Erste Ansätze, derartige Zukunftsstädte zu bauen, gibt es bereits. Allerdings nicht bei uns, sondern in China, Südkorea und Saudi-Arabien. Dort wachsen Prototypen futuristischer Metropolen sozusagen aus dem Nichts. Stadtplaner entwerfen sie am Computer – und versuchen, "„ideale"“ Orte zu schaffen. Die südkoreanische Geschäftsstadt Songdo City etwa ist voll vernetzt, Millionen Sensoren liefern Daten an einen Zentralspeicher, der das städtische Leben regelt, von der Verkehrsführung bis zum unterirdischen Müllentsorgungssystem.

Aber: Eine Stadt, in der alles überwacht und festgehalten wird, birgt Risiken. „"Je mehr Daten erfasst werden, desto größer ist die Gefahr, dass sie in Hände gelangen, in die sie nicht gelangen sollten“", gibt von Radecki zu bedenken. „"Die größte Barriere in der Weiterentwicklung der intelligenten Städte ist nicht die Technik, sondern die Datenfrage."“ Was wird gespeichert? Wer hat Zugriff? Wer kontrolliert die Kontrolleure? Fragen, die noch offen sind – und für die es Regelungen geben muss.

Autor: Manuel Opitz