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Das Wasser steht mir bis zum Hals.

Das Wasser steht mir bis zum Hals: Sprichwörter begleiten uns durchs Leben. Woher sie kommen und ob wir sie immer richtig benutzen erfahren Sie im Artikel unten. - Foto © picture alliance / © Bruce Colem

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Sprichwörter und Redewendungen

Wer nicht aus dem Quark kommt und deshalb kalte Füße kriegt, muss nicht gleich denken, dass Not am Mann ist. Für fast alle Situationen des Lebens gibt es das passende Sprichwort. Journalist Jochen Krause, der beim Radiosender ffn als "Dr. Wort" Redewendungen unter die Lupe nimmt, hat die schönsten Beispiele in einem Band veröffentlicht, der ihre Herkunft und Bedeutung erklärt (Hier bestellen: Mich laust der Affe von Jochen Krause). Prüfen Sie doch mal, ob Sie bei geflügelten Worten auch wirklich wissen, wie der Hase läuft.

1. In Bausch und Bogen

Erklärung: Wer eine Sache in "Bausch und Bogen" verwirft oder kritisiert, lehnt sie konsequent ab – also ohne Wenn und Aber. Ganz egal, welche Folgen das haben könnte.
Herkunft: Der Spruch hat seinen Ursprung im Handel mit Grundstücken, die häufig unregelmäßige Grenzen aufwiesen. Eine Einbuchtung der Grundstücksgrenze nannte man in früheren Zeiten "Bogen", eine Ausbuchtung "Bausch". Wer demnach ein Grundstück in "Bausch und Bogen" kaufte, nahm es genau so, wie es war – egal, wie krumm der Grenzverlauf ausfiel.

2. Aus dem Quark kommen

Erklärung: Man überwindet seine Passivität, um endlich eine Sache zu erledigen.
Herkunft: Im 16. Jahrhundert bezeichnete das Wort "Quark" nicht nur ein Milcherzeugnis, sondern auch alles Nichtige. Man sollte sich also wirklich wichtigen Dinge zuwenden.

3. Böhmische Dörfer

Erklärung: Erscheint uns eine Sache äußerst rätselhaft und unerklärlich, dann ist sie für uns wie ein "böhmisches Dorf".
Herkunft: Das Königreich Böhmen lag früher im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. In dieser Region vermischten sich kulturelle und sprachliche Inhalte. Und es waren vor allem die tschechischen Ortsnamen, die den Deutschen in der damaligen Zeit völlig unerklärlich waren. So wurden sie zum Synonym für etwas Unverständliches.

4. Nicht lange fackeln

Erklärung: Hier wird nicht lange gezögert, sondern ein Vorhaben sofort und beherzt in die Tat umgesetzt.
Herkunft: Bereits im 14. Jahrhundert stand das Wort "vackelen" für etwas, das lichterloh brannte. Und weil Feuer ein unruhiges Licht spendet, bedeutete "vackelen" darüber hinaus, dass etwas hin und her schwankt. Gebraucht man heute diese Redensart, soll zum Ausdruck gebracht werden, dass man keine Zeit für langes, unentschiedenes Hin und Her hat.

5. Ich glaub, mich laust der Affe

Erklärung: Dieser Ausruf bringt Verblüffung und Überraschtsein zum Ausdruck.
Herkunft: Vor Jahrhunderten konnte man sich bei Schaustellern auf Jahrmärkten von einem Affen "lausen" lassen. Das bizarre Spektakel ging schließlich in die Alltagssprache ein.

6. Sein Fett abbekommen

Erklärung: Wenn dieser Spruch fällt, bekommt jemand richtig Ärger, wird ausgeschimpft oder erhält eine Strafe.
Herkunft: In früheren Zeiten verteilte das Familienoberhaupt nach Hausschlachtungen Fleisch und Fett an alle Familienmitglieder. Jeder bekam genau das, was ihm zustand. Später wurde diese Redeweise ironisch verdreht, der Sinn änderte sich: Wenn jemand Mist gebaut hatte, stand ihm eine Strafe zu – und er bekam sein "Fett ab".

7. Kalte Füße bekommen

Erklärung: Man steigt aus einem Vorhaben aus, weil einen plötzlich Bedenken beschleichen oder man Angst verspürt.
Herkunft: Der Spruch stammt aus der Welt der Kartenspieler. Glücksspiele fanden früher meist in dunklen, kalten Kellerräumen statt. Wollte jemand aus dem laufenden Spiel aussteigen, nutzte er häufig seine "kalten Füße" als willkommenen Vorwand: "Ich habe kalte Füße bekommen und muss mich einmal kurz aufwärmen", hieß es dann.

8. Wissen, wie der Hase läuft

Erklärung: Wer das behauptet, meint, den Kern eines Problems oder alle wichtigen Details einer Angelegenheit gut zu kennen.
Herkunft: Bereits im 13. Jahrhundert taucht dieser Spruch auf. Er weist darauf hin, dass ein Hase auf der Flucht hervorragend Haken schlägt. Wer also schon vorher erkannte, welche Richtung das pfiffige, flinke Tier nehmen würde, der hatte den totalen Durchblick.

9. Lügen, dass sich die Balken biegen

Erklärung: Das tut einer, der besonders dreist und unverschämt die Unwahrheit sagt.
Herkunft: Dass Lügen moralisch verwerflich sind, war und ist schon immer klar. Im Mittelalter aber galten sie im wahrsten Wortsinn als "schwere Last", die einen Menschen niederdrücken. Unwahrheiten konnten so schwer wiegen, dass sich sinnbildlich die Balken bogen. Bereits im 16. Jahrhundert tauchte dieses Bild in Dokumenten auf.

10. Ein dicker Hund

Erklärung: So bezeichnet man eine Sache, die skandalös und/oder sensationell ist.
Herkunft: Die Floskel hat ihren Ursprung im Mittelalter. Hunde mussten damals Häuser bewachen, wurden angekettet, hatten eine elende Existenz. Sie führten "ein Hundeleben", in dem es kaum möglich war, Fett anzusetzen. Ein "dicker Hund" war demnach eine Seltenheit, eine Überraschung – und wahrscheinlich durch Tricks zu seiner Leibesfülle gekommen.

11. Sich nicht lumpen lassen

Erklärung: Jemand zeigt sich zu einem besonderen Anlass als sehr großzügig.
Herkunft: Bis ins 20. Jahrhundert hinein gehörten Menschen, die auf der Straße nach Stoffresten suchten oder diese wieder verkauften, zum Stadtbild. Sie hatten ein schlechtes Image, galten als Ganoven. Wenn sich jemand sehr gebefreudig zeigt, ist er genau das Gegenteil von einem "Lump": Er lässt sich also "nicht lumpen".

12. Jemanden um die Ecke bringen

Erklärung: Diese Redensart verweist auf ein Kapitalverbrechen: vorsätzlichen Mord.
Herkunft: Das Sprachbild ist im Laufe der Zeit entstanden und verdeutlicht anschaulich: Ein Mensch verschwindet plötzlich aus unserem Blickfeld, so als ginge er um die Ecke.

13. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Erklärung: Diese Redewendung bringt eine sehr demokratische Regel auf den Punkt: Wer zuerst da ist, wird zuerst bedient oder in einer Sache berücksichtigt – ungeachtet seiner Herkunft, seines Titel oder seines Gehalts.
Herkunft: Bei diesem Spruch handelt es sich um eine Rechtsregel, die um 1230 entstand. In dieser Zeit holten die Menschen ihr Mehl direkt bei der Dorfmühle ab. Dort ging es damals nicht nach Rang oder Status, sondern allein nach dem Zeitpunkt der Ankunft.

14. Manschetten haben

Erklärung: Wer vor etwas "Manschetten hat", fürchtet sich und würde es gerne umgehen.
Herkunft: Im 18. Jahrhundert waren riesige Manschetten bei Männern in Mode. Sie bedeckten fast die ganze Hand. Wer sie trug, tat sich schwer, im Kampf den Degen zu führen. So entstand ein negatives Bild von Männern, die große Manschetten trugen. Sie galten als Feiglinge, die sich vor etwas drücken.

15. Not am Mann

Erklärung: Wenn eine Gefahr besonders groß ist, dann ist "Not am Mann".
Herkunft: Der Spruch stammt aus der Zeit, als beim Militär noch Mann gegen Mann gekämpft wurde – ohne weitreichende Waffen und Zielfernrohre. Man stand dem Gegner Auge in Auge gegenüber. Die Bedrohung, die "Not", war ganz nah: direkt "am Mann".

Autor: Antje Raupach