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Tiertrainer Martin Rütter vermittelt zwischen Mensch und Hund.

Tiertrainer Martin Rütter vermittelt in seiner Sendung "Martin Rütter LIVE!" zwischen Mensch und Hund. / Foto: © RTL / Gordon Muehle

Tiertrainer Martin Rütter

So verstehen Sie Ihren Hund

Die spinnen, diese Herrchen und Frauchen! Rufen ihren Pitbull Chantal, obwohl der locker ein Ferkel zerfetzen könnte. Schlafen mit ihrem Pudel im Bett, obwohl der sich kurz davor noch in Matsch gewälzt hat. Und dann gibt es die Hardliner, die spinnen noch mehr: brüllen Befehle, hängen ihrem Hund Stachelhalsbänder um und freuen sich klammheimlich, wenn Wotan die verschreckten Besucher zähnefletschend schon am Fenster begrüßt.

Ganz schön irregeleitet, die Liebe vieler Menschen zu ihrem Hund. Nur gut, dass es ihn gibt – Martin Rütter, 40 Jahre alt, Hundeversteher und Menschencoach. Er ist Besitzer einer uralten Golden-Retriever-Hündin namens Mina, die er sich nach sehr besonderen Kriterien ausgesucht hat: "Intelligenzmäßig im unteren Drittel, aber sehr tolerant. Ein naives Blödchen. Das ist die beste Voraussetzung, wenn man mit mir zusammenlebt."

Kein Zweifel: Der Mann mit dem Kult-Shirt "Der tut nix" hat Humor und eine Mission. "Ich wünsche mir, dass meine Kinder mal sagen können: Der Papa hat dazu beigetragen, dass Hunde nicht mehr so grob behandelt werden." Sein Schlüsselerlebnis hatte der Hundecoach Anfang der 90er-Jahre, als er in Australien zehn Monate lang australische Wildhunde (Dingos) beobachtete. Erkenntnis A: "Die beißen sich nicht den ganzen Tag in den Hintern, sondern kommunizieren sehr nuanciert." Erkenntnis B: "Im Rudel ist nicht der Stärkste der Chef, sondern der Intelligenteste."

Das Wichtigste ist Martin Rütter seither, die Hundehalter zur genauen Beobachtung ihrer Vierbeiner zu erziehen. "Was für einen Charakter hat mein Tier, wo liegen seine Stärken, wo seine Schwächen?" Den Hunden stellt er nur das allerbeste Zeugnis aus: "Die beobachten uns ganz genau und wissen über ihr Herrchen oder Frauchen bestens Bescheid."

Wenn Rütter mit seinem Bühnenprogramm "Hund–Deutsch, Deutsch–Hund" auftritt und dem Verhalten der Hunde eine Sprache gibt, dann biegt sich der Saal vor Lachen. In Wirklichkeit sind die Missverständnisse zwischen Mensch und Hund allerdings nur mäßig komisch. Das fängt bei der Wahl der Hunderasse an. Wer denkt schon daran, welchen genetischen Bausatz ein Welpe mitbringt? Eine falsche Wahl kann das Zusammenleben gründlich belasten.

Typische Fehleinschätzung: "Viele Menschen denken, ein kleiner Hund macht wenig Probleme." Stimmt nicht. Das weiß jeder, der schon mal an gespannter Leine hinter dem drahtigen Modehund Jack Russell hergerannt ist. Rütter: "Das ist ein passionierter Jagdhund. Wenn Sie mit einem Jack Russell und einem Pferd ausreiten, dann ist das Pferd nach drei Stunden k. o., und der Jack Russell sagt: ,So, jetzt bin ich warm.‘"

Oder der Kangal, ein türkischer Herdenschutzhund, darauf gezüchtet, selbstständig eine Herde zu bewachen und zu treiben. "Wenn Sie dem am Montag ,Sitz!‘ sagen, guckt der Sie an und sagt: ,Sag mir das am Donnerstag noch mal.‘" Was nur bedeutet: Diese Rasse ist sehr schlecht zu erziehen, weil sie darauf gezüchtet ist, eigenständig zu entscheiden. Ganz anders dagegen der sozial angepasste Golden Retriever: "Wenn man den auf 60 Kommados abrichtet, sagt er: ,Gib mir 62, und was kann ich noch für dich tun?‘"

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Autor: Angela Meyer-Barg