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Diese Puppe aus China wird vom TÜV Rheinland in ihre Bestandteile zerlegt.

Diese Puppe aus China wurde vom TÜV Rheinland in ihre Bestandteile zerlegt. / Foto: © dpa

Plus: Gütesiegel im Überblick

So arbeiten Produkttester

Machen Sie sich manchmal Gedanken, ob Ihr roter Lieblingspulli krebserregende Farbstoffe enthält oder Ihr Toaster in Flammen aufgehen könnte? Nein? Müssen Sie auch nicht. Um diese Dinge haben sich längst andere gekümmert – zumindest wenn die Produkte ein entsprechendes Prüfsiegel tragen. HÖRZU hat drei bekannte Siegel ausgewählt und sich die Prüfbetriebe genauer angesehen.

Kleidung kann krank machen

Zu den geläufigsten Zeichen gehört der Oeko-Tex Standard 100 – ein Umweltsiegel ist es jedoch nicht. Birgit Klaus, Textilingenieurin der Oeko-Tex-Zertifizierungsstelle, erklärt: "Es geht darum, dass textile Produkte frei von Schadstoffen sind." Davon können jede Menge in der Kleidung stecken. Etwa Formaldehyd, das als gesundheitsschädlich gilt und für bügelfreie Textilien eingesetzt wird.

Rund 100 Prüfparameter können in Labortests abgefragt werden. In Deutschland sind vier Institute zu diesen Prüfungen berechtigt, darunter die Hohenstein-Institute. Die gesetzlichen Kontrollen der Behörden fallen nur stichprobenartig aus – für den Kunden unsichtbar. Darum sind Unternehmen bereit, ihre Produkte genau prüfen zu lassen – und dafür zu zahlen. Siegel sollen dem Kunden deutlich machen: Hier wurde kontrolliert.

Die Anforderungen an Oeko-Tex-Textilien sind hoch. Sie dürfen weder Schadstoffe noch allergisierende Farbstoffe enthalten – das gilt auch für Zubehör wie Knöpfe und Nähgarne. Zudem muss die Kleidung noch Tests auf Wasser- und Reibechtheit bestehen. Natürlich kann nicht jedes einzelne Kleidungsstück, das eine Fabrik verlässt, geprüft werden. "Wir zertifizieren Artikelgruppen, die aus einer Produktionsstätte kommen", sagt Birgit Klaus. "Wenn ein Hersteller Unterwäsche aus demselben Material fertigt, kommt das alles auf ein einziges Zertifikat."

Fällt ein Produkt durch, bekommt der Kunde die Chance zur Nachbesserung. Ungefähr drei Wochen dauert es, bis ein Kleidungsstück alle Tests durchlaufen hat. Das Oeko-Tex-Zertifikat ist zwölf Monate gültig, dann beginnt der Prüfprozess von vorn. Zwischendurch testen die Institute regelmäßig, ob die Standards auch eingehalten werden.


In Deutschland gibt es mehr als 1000 Gütesiegel, die sich inhaltlich oft stark unterscheiden:

Guetesiegel

Guetesiegel


Haushaltswaren im Check

Wie bei Kleidung gibt es auch für die meisten Haushaltswaren keine Prüfpflicht. Hier setzt der TÜV Rheinland an. Das Unternehmen vergibt das bekannte GS-Zeichen ("Geprüfte Sicherheit"). Getestet werden Artikel von Töpfen über Brillen bis hin zu Schneekanonen. Pressesprecher Rainer Weiskirchen: "Alle Produkte auf dem deutschen Markt müssen so sicher sein, dass sich niemand daran verletzt – aber wie lange sie halten werden, spielt keine Rolle."

Genau an dieser Stelle kommt das TÜV-Siegel ins Spiel: Es zeige, dass ein Produkt gründlich geprüft wurde, sagt Weiskirchen. "Es ist dann zwar nicht unkaputtbar, aber sicher und von guter Qualität."

Teddys gehen in Flammen auf

Besonders strenge Regeln gelten für Kinderspielzeug. Um das TÜV-Rheinland-Zertifikat zu erhalten, muss ein Spielzeug bestimmte Kriterien erfüllen. So zünden die Tester zum Beispiel Plüschtiere an, um zu prüfen, ob die Flammen innerhalb von zehn Sekunden höher als 30 Zentimeter schlagen.

Wer sich die Prüfvorschriften ausdenkt? "Vertreter der Industrie, des Verbraucherschutzes und der Behörden entwickeln die Grenzwerte und Normen", erklärt Peter Birkmann, Sachverständiger für Möbel beim TÜV Rheinland. Denn im Alltag lauern mehr Gefahren, als man denkt: "Bei Bürostühlen können Fußkreuze und Armlehnen brechen, unausgereifte Mechanik kann Quetschungen verursachen", so Birkmann.

Ein umfangreicher Spielzeugtest auf Entflammbarkeit und chemische sowie mechanische Sicherheit kostet rund 3000 Euro. Für den Kompletttest einer Spülmaschine zahlt der Hersteller gut 10.000 Euro. Gültig ist das TÜV-Siegel in der Regel zwei bis drei Jahre. Wo so viel überwacht wird, gibt es natürlich auch Kontrollsysteme, mit denen die Prüfer überprüft werden. So soll sichergestellt werden, dass sie unabhängig arbeiten.

Test auf Dioxin

Hier wird Ei-Extrakt auf eine mögliche Dioxinbelastung geprüft. / Foto: © dpa

Mehr als eine Geschmacksfrage

Um die Qualität von Lebensmitteln kümmert sich das SGS Institut Fresenius. Neben der routinemäßigen Analyse von Proben aus Gastronomiebetrieben oder Supermärkten vergibt das Institut auch ein Qualitätssiegel. Verbraucher kennen es etwa von Produkten des Wurstfabrikanten Rügenwalder Mühle.

Was aber zeichnet diese Produkte aus? "Es bestätigt, dass alle verarbeiteten Materialien qualitativ hochwertig sind und regelmäßig von uns geprüft wurden", stellt Marta Schlichting von der SGS-Gruppe klar.

Im Fall von Rügenwalder Mühle umfasst die Untersuchung mikrobiologische Tests, die Prüfung auf Rückstände wie Antibiotika und den Ausschluss von Allergenen und Geschmacksverstärkern. Hinzu kommt die jährliche Überprüfung der Verpackungsmaterialien. Auch der Produktionsbetrieb, zuliefernde Schlacht- und Zerlegebetriebe sowie die verwendeten Futtermittel werden regelmäßig gecheckt, solange das Siegel auf dem Produkt prangt. "Es wird also nicht nur das Endprodukt, sondern der ganze Prozess kontrolliert", fasst Marta Schlichting zusammen.

Bis zu 800 Proben kommen pro Tag zur Analyse ins Institut, von der einfachen Bestimmung einer Gesamtkeimzahl bis zum Gutachten für ein Desinfektionsmittel, das bis zu 15.000 Euro kostet. Das Interesse an den Gütesiegeln steigt mit jedem Lebensmittelskandal. Denn die Hersteller hoffen: Wer Kontrolle kauft, bekommt Vertrauen geschenkt.


Sendehinweis: ''X:enius – auf Biegen oder Brechen''

Report über Produkttests und Prüfsiegelvergabe
FR, 11.10., Arte, 16.40 Uhr

Autor: Melanie Schirmann