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Singleboerse

Mit Online-Dating zum Traumpartner? Bild: © picture alliance/chromorange

Tipps zum Online-Dating

Singlebörsen im Netz

Meine Cousine hat so den Mann fürs Leben gefunden, meine geschiedene Freundin ihren Freund. Ermutigung genug, dass auch ich im Netz nach einer neuen Liebe suche. Doch welcher Anbieter ist der richtige?

Beim Verbraucherportal Singlebörsen-Vergleich.de finde ich allerlei Informationen zu Seriosität, Preisen, Mitgliederstrukur und lerne den Unterschied zwischen Vermittlungs- und Flirtportalen.

Vermittlungsportale liefern gezielte Partnervorschläge, die auf dem Abgleich eines Persönlichkeitstest beruhen. Sogenannte Matchingpunkte zeigen dabei den Grad der Übereinstimmung an. Beim Flirtportal aber muss ich mich selbst durchs Angebot klicken. Ich entscheide mich für einen der Anbieter, die inzwischen beides möglich machen.

Profil und Persönlichkeitstest

In wenigen Minuten arbeite ich mich durch den Persönlichkeitstest, und auch die Kriterien für den Wunschpartner sind rasch angegeben. Bei dem Steckbrief, mit dem ich mich präsentieren soll, werde ich jedoch unsicher: Mit Foto oder ohne? Die Vorstellung, dass hier ein Kollege über mich stolpert, schreckt mich. Ideale Lösung: Ich kann mein Bild verpixeln, um es auf Anfrage freizugeben.

Damit das Profil mehr verrrät als Eckdaten wie Alter, Figur, Augen- und Haarfarbe, gibt es einen Fragebogen zu Persönlichem. Welche Musik hören Sie? Worauf sind Sie stolz? Was ist Ihnen in einer Beziehung wichtig? Und wieder frage ich mich: Wie viel will, wie viel soll ich preisgeben?

Auch die Wahl des Pseudonyms muss gut überlegt sein. Schließlich möchte ich nicht als "Mausi_68" von "BigBoy" hofiert werden. Es dauert tatsächlich zwei Abende, bis ich mein Profil als stimmig empfinde und online stelle.

Erste Partnervorschläge

Doch die Mühe hat sich gelohnt: Am nächsten Morgen habe ich zwei interessante Partnervorschläge im virtuellen Briefkasten – und auch die nächsten Tage werden mir allmorgendlich zwei Männer quasi auf dem Silbertablett serviert.

Grund zum entspannten Zurücklehnen besteht allerdings nicht: Etwas gekränkt registriere ich, dass relativ wenige Männer Kontakt aufnehmen. Sollte ich mit 45 schon ausgemustert sein? "In diesem Alter kippt das Geschlechterverhältnis, es sind mehr Frauen als Männer auf Partnersuche", erklärt Singleberater Christian Thiel. "Eine Frau ab 45 muss daher zwingend den ersten Schritt tun."

Für Männer wie den 61-jährigen Klaus R. eine angenehme Position. "Ich wurde deutlich öfter angeschrieben, als ich selber Kontakt gesucht habe", bestätigt der Jurist, der bei einem renommierten Vermittlungsportal registriert war. "Dennoch würde ich jedem raten, das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen." Das gelte auch für Absagen. "Da muss man rechtzeitig ehrlich sein, denn je länger der Kontakt besteht, desto eher verletzt man Gefühle."

Etwa zehn Frauen hat der Berliner während seiner Suche getroffen, einige davon mehrmals. "Das waren eigentlich alles sehr angenehme Begegnungen mit vielen interessanten Gesprächen." In einer dieser Begegnungen fand er schließlich auch die richtige Partnerin.

Auf ein solches Happy End hoffe auch ich. Vorerst aber entspinnen sich nur zwei, drei kurze Mailwechsel, für ein Treffen reicht es nicht. Bis "Eklipse" mich anschreibt – ein 50-jähriger Architekt, dessen Ernsthaftigkeit und feiner Humor mir gefallen und mit dem ich überraschende Gemeinsamkeiten entdecke: Wir kommen aus der gleichen Gegend, haben bundesweit in denselben Städten gewohnt.

Virtuelles Herzklopfen

Von Mail zu Mail werden wir uns sympathischer. Nach wenigen Tagen verlassen wir die Anonymität des Portals, schreiben uns unter Echtnamen. Und ja, es ist Herzklopfen dabei. Kaum zwei Wochen im Netz und schon verliebt – das hätte ich nicht erwartet.

Da "Eklipse" gut hundert Kilometer entfernt wohnt, müssen wir das Kennenlernen auf ein Wochenende verschieben. Als ich ihn vom Bahnhof abhole, sind wir beide nervös, begrüßen uns verlegen. Zum Glück haben wir eine Radtour durch die Hamburger Hafencity geplant, das löst die Anspannung. Zwischendurch sitzen wir im Café, reden über alles Mögliche, lachen über die merkwürdige Date-Situation.

Doch obwohl wir rasch zu der Vertrautheit unseres Schriftwechsels finden, will der entscheidende Funke einfach nicht überspringen. Am Ende haben wir einen anregenden Nachmittag verlebt – und sind doch etwas enttäuscht.

"Verlieben Sie sich nie in Mails", rät Singlecoach Thiel, und ich verstehe nun, warum: Die Erwartungen an die reale Person sind einfach zu hoch. Außerdem gehört zum Verlieben eben auch jenes gewisse Etwas, das mit Matchingpunkten nicht zu berechnen ist und uns mitunter völlig unvermutet trifft.

Das erfahre ich nur wenige Tage später, als ich bei einem Konzert mit meinem Sitznachbarn ins Gespräch komme. Einem Mann, der im Internet von vornherein durch mein Raster gefallen wäre – und in den ich mich dennoch verliebe. Es lohnt sich also, nicht nur im Netz die Augen offen zu halten.

5 Tipps zum Online-Dating

Profil: Präsentieren Sie sich und Ihr Leben positiv, Negatives hat in der Selbstdarstellung nichts zu suchen. Aber geben Sie etwas Aussagekräftiges preis, sei es Ihr Lieblingshobby, Ihren schönster Urlaub o. ä.

Schriftwechsel: Mailen Sie nicht zu oft hin und her. Nach dem dritten Austausch wird ein Treffen immer unwahrscheinlicher. Überlange Mails sind meist ein Signal, dass sich jemand nur aussprechen will.

Treffen: Vereinbaren Sie das erste Kennenlernen an einem neutralen Ort (Café, Park o. ä.), planen Sie circa 1,5 Stunden. Für ein zweites Treffen sollten Sie sich Zeit nehmen, lassen Sie den Eindruck erst wirken.

Absage: Springt kein Funke über, sollten Sie höflich absagen – noch während des Treffens oder später per Telefon bzw. Mail. Kritik verbietet sich dabei, stellen Sie einfach nur fest, dass die Chemie nicht stimmt.

Geduld: Stecken Sie Ihre Erwartungen nicht zu hoch. Freuen Sie sich, einen interessanten Menschen kennenzulernen. Im Schnitt trifft man bis zu 20 Personen, bis man einen passenden Partner findet.

Diese 5 Tipps zum Online-Dating sind von Singleberater Christian Thiel ("Suche einen für immer & ewig", Campus, 17,90 Euro)

Autor: Judith Heisig