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Sensationeller Fund: das unversehrte Grab einer Priesterin.

90 Jahre nach Tutanchamun machen Forscher in Ägypten einen historischen Fund: eine unversehrte Mumie. - Foto © picture alliance / dpa

Im TV-Programm: Ägypten – Die Wiege der Architektur

Sensationeller Mumienfund

Die Worte sind Legende: "Ich sehe wunderbare Dinge." Diesen Satz sagte der Brite Howard Carter – völlig überwältigt, als er 1922 das Grab des Tutanchamun im Tal der Könige entdeckt hatte.

90 Jahre später machten Ägyptologen aus der Schweiz nun den spektakulärsten Fund seit Carter. Nur 100 Meter vom legendären Grab entfernt, gruben sie eine 3000 Jahre alte Mumie aus. Eine Sternstunde der Wissenschaft, der Traum aller Ägyptologen. Doch von Begeisterung war anfangs wenig zu spüren. Der Fund gelang durch Zufall. "Wir haben gar nicht nach neuen Gräbern gesucht", sagt die Leiterin der Gruppe, die Ägyptologin Susanne Bickel. Seit 2009 erforscht sie mit einem Team der Uni Basel die Umgebung des Grabes von Tutmosis III.

Im Januar 2011 stieß sie auf bearbeitetes Gestein. "Aber das hätte irgendwas sein können", so Bickel. Es blieb keine Zeit, die Stelle genau zu untersuchen, denn just am Tag des Fundes brach in Ägypten die Revolution aus. "Es war politisch zu unruhig", so Bickel. Sie brach die Grabungen ab, versperrte den Fundort mit einer Stahltür, beantragte eine weitere Grabungserlaubnis und behielt ihr Geheimnis für sich – aus Furcht vor Plünderern.

Sensation im Tal der Könige

Ein Jahr lang ruht das Projekt, im Januar 2012 kehren die Forscher dann zurück. Die Erwartungen sind nicht allzu hoch, denn nirgendwo wird so viel gegraben wie im Tal der Könige. Was soll da also noch verborgen sein? Doch die Gruppe hat Glück. Nach drei Tagen mühsamer Handarbeit stößt sie auf eine versiegelte Grabkammer. Mehr noch: Durch ein Loch kann man darin sogar einen Sarkophag erkennen. Da die meisten Gräber längst geplündert wurden, vermutet man, dass er leer sein wird.

Doch wieder hat das Team ungeahntes Glück: Nachdem es einen 1,1 mal 1,6 Meter breiten Schacht und eine zehn Quadratmeter große Kammer freigeschaufelt hat, wird klar: Das Grab ist 3000 Jahre lang unberührt geblieben! Bickel jubelt: "Unserer Fund gehört zu den wenigen Gräbern, die bei ihrer Entdeckung noch nicht ausgeraubt waren. Davon gibt es bislang überhaupt nur vier!" Als die Forscher vorsichtig den mit Hieroglyphen verzierten Sarkophag öffnen, finden sie die unversehrte Mumie einer Frau. 1,55 Meter ist sie groß. Und – auch das können die Wissenschaftler auf Anhieb feststellen – sie übte in der Zeit der 22. Dynastie, also im 9. Jahrhundert vor Christus, das Amt einer Priesterin aus.

Neben dem Grab steht auf einer edlen Stele aus Holz ihr Name und ihre Stellung. "Sie hieß Nehemes Bastet und war Sängerin des Amun, des altägyptischen Sonnengottes", so Bickel. Aus den Hieroglyphen geht hervor, dass sie Tochter eines Priesters war und bei großen Festen sang. Da nur Mitgliedern der Elite ein Grab im Tal der Könige zustand, muss sie einer führenden Familie angehört und selbst den Rang einer Priesterin innegehabt haben.

Susanne Bickel macht eine weitere aufregende Entdeckung: "Das Grab ist viel älter als die Mumie!" Es stammt offenbar aus dem 15. Jahrhundert v. Chr., also der 18. Dynastie, in der auch Tutanchamun und Thutmosis III. lebten. "Es wurde später ein weiteres Mal genutzt. Das war damals durchaus üblich", so Bickel. Wer ursprünglich darin begraben lag, ist noch nicht bekannt. Im Grab, das nun die offizielle Bezeichnung KV 64 (Kings’ Valley No. 64) trägt, soll nun nach Resten der ersten Bestattung gesucht werden, die man unter einer Schuttschicht vermutet. Und die Mumie? Bickel: "Sie befindet sich in einem Magazin in Luxor. Die Analyse wird noch einige Zeit dauern." Nach 3000 Jahren Ruhe besteht nun auch kein Grund zur Eile.

Autor: Thomas Kunze