HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Weltraumpionier Wernher von Braun.

Weltraumpionier Wernher von Braun hat die "V2"-Rakete mitentwickelt. - Foto © picture alliance / dpa

Teil 2 der neuen HÖRZU-Serie

Sechs weitere Geheimnisse der deutschen Geschichte

Noch längst sind nicht alle Rätsel der Vergangenheit gelöst. Mysteriöse Morde, sagenhafte Schätze: Teil 2 der packenden Serie von HÖRZU bringt Licht ins Dunkel unserer Historie.

6. Wurde in Peenemünde schon der Flug zum Mond geplant?

Peenemünde V2

Der Nachbau einer V2-Rakete auf dem Gelände der einstigen Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Insel Usedom. - Foto © picture alliance / dpa

Peenemünde, 3. Oktober 1942: Von der Heeresversuchsanstalt auf der Ostseeinsel Usedom hebt zum ersten Mal erfolgreich eine Großrakete vom Typ "Aggregat 4" ab. Sie fliegt 200 Kilometer weit und erreicht dabei eine Spitzengeschwindigkeit von fast 5000 km/h – ein Meilenstein! Walter Dornberger, damals Chef der Raketenabteilung, schwärmt: "Das ist der erste Tag eines Zeitalters neuer Verkehrstechnik. Es ist der Beginn der Raumschifffahrt." Und der junge Ingenieur Wernher von Braun soll angesichts des Erfolgs nur bedauert haben, dass die Rakete auf dem falschen Planeten landete. Warum nicht gleich auf dem Mond? Immerhin ziert das Heck des Fluggeräts bereits symbolträchtig eine Mondsichel, auf der Frau Luna thront. Die Auftraggeber der deutschen Techniktüftler haben allerdings wenig Sinn für derartige Visionen.

Peenemünde soll vor allem Waffenschmiede sein. Das NS-Regime fordert eine Wunderrakete, die Sprengstoff über große Entfernungen ans Ziel bringen kann. Entsprechend tauft der deutsche Propagandaminister Joseph Goebbels die "Aggregat 4" euphorisch in "V2" um – "Vergeltungswaffe 2". Es ist der verzweifelte Versuch Adolf Hitlers, die Niederlage im Zweiten Weltkrieg doch noch abzuwenden. Im Juni 1944 schlagen dann tatsächlich die ersten "V2"-Raketen in London ein, Tausende Zivilisten sterben. Aus dem angeblichen Traum von der Eroberung des Alls wird endgültig ein Albtraum. Auch in Deutschland selbst verbreitet die "Wunderwaffe" Angst und Schrecken. Weil die Versuchsanstalt Peenemünde nicht mehr sicher ist, verlagert das NS-Regime die Produktion der Raketen unter die Erde, in einen Stollen im Berg Kohnstein.

Für die bombensichere Fabrik bei Nordhausen im Harz schuften Häftlinge aus dem Konzentrationslager Mittelbau-Dora, das extra für diesen Zweck eingerichtet wird. Dokumente belegen, dass offenbar auch in der Denkfabrik Peenemünde Zwangsarbeiter eingesetzt werden – mit dem Wissen der Forscher. Im Mai 1945 ist dann alles vorbei. Sowjetische Truppen besetzen die Heeresversuchsanstalt. Da sind die Anlagen längst geräumt, die Mitarbeiter evakuiert. Was noch an Technik vorhanden ist, wird demontiert und in die UdSSR geschafft. Viel wichtiger aber ist das Wissen: Oberst Sergej Pawlowitsch Koroljow, Chefkonstrukteur des sowjetischen Raketenprogramms, trifft sich 1945 in Deutschland mit ehemaligen Mitarbeitern Wernher von Brauns und lässt sich über das Geheimprogramm informieren. So gelangen Details der deutschen "V2"-Raketen bis nach Moskau.

Koroljow gilt heute als Weltraumpionier und "Vater" des "Sputnik"-Satelliten, der "Sojus"-Raketen und des ehrgeizigen, aber erfolglosen russischen N1-Mondprogramms. Mehr als 100 deutsche Raketentechniker, die an der "Aggregat 4" gearbeitet haben, geraten allerdings in US-Kriegsgefangenschaft – und werden Teil des militärischen Geheimprojekts "Operation Overcast". Ihr Wissen dient als Ersatz für Rohstoffe, die in Deutschland als Entschädigung nicht zu holen sind. Schon bald nehmen sie ihre Experimente wieder auf. Unter ihnen ist auch Wernher von Braun, der später zu einem führenden Nasa-Mitarbeiter und "Vater der Mondrakete" wird.

Die fragwürdige NS-Vergangenheit der deutschen Forscher spielt dabei erstaunlicherweise keine Rolle. Was in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf Usedom begann, findet in New Mexico auf dem Testgelände White Sands seine Fortsetzung. Erbeutete "V2"-Raketen werden in die Wüste verfrachtet, nachgebaut und weiterentwickelt. Auch die erste Rakete, die vom berühmten Weltraumbahnhof Cape Canaveral abhebt, ist eine modifizierte "V2". Wernher von Braun und sein Team werden 1959 offiziell der Nasa unterstellt und haben in der Folge entscheidenden Anteil an den weiteren Raketenprojekten – wichtige Schritte auf dem Weg ins All. So liegt auch auf der "Apollo"-Mondlandung vom 16. Juli 1969 noch der Schatten Peenemündes.

7. Wo liegt der Schatz der Nibelungen?

Schatz der Nibelungen

Bücherschatz: Wertvolle Handschriften wie der "Prunner Codex" überliefern die Sage. - Foto © picture alliance / dpa

Schloss Hohenems in Vorarlberg, 1755. Hier stößt der Arzt Jacob Hermann Obereit zwischen alten Dokumenten auf eine Handschrift des berühmten "Nibelungenlieds". Das Pergament aus dem 13. Jahrhundert gehört heute zu den drei wichtigsten Quellen der Sage und verrät auch, wie Hagen den legendären Schatz versenkte: "zem loche allen in den Rin". Doch wo liegt dieses "Loch am Rhein"? Und darf man eine Sage so wörtlich nehmen?

Die berühmteste Seifenoper der Deutschen wurde erstmals zwischen 1198 und 1204 aufgeschrieben, vermutlich am Hof des Bischofs Wolfger in Passau. Der unbekannte Verfasser verwendete dabei verschiedene Motive aus Sagen, die bis in die Zeit der Völkerwanderung um 400 n. Chr. zurückreichen. Das macht die Suche nach historischen Hintergründen zum Detektivspiel. Abenteurer schreckt das nicht. Sie vermuten den Schatz etwa bei Gernsheim nördlich von Worms. Hier soll das Gold unter einem Acker ruhen, weil der Rhein sein Flussbett im Lauf der Jahrhunderte verlagerte. Andere tippen auf den Rheinbacher Ortsteil Loch nahe Bonn. Das Gold aber bleibt verschwunden.

8. War der ermordete Kaspar Hauser ein Erbprinz von Baden?

Kaspar Hauser

Gentest: Die Analyse von Blutflecken brachte keine eindeutigen Hinweise auf Kaspar Hausers Herkunft. - Foto © picture alliance / dpa

Bayern, 17. Dezember 1833: Drei Tage nach einer Messerattacke im Ansbacher Schlosspark erliegt der geheimnisvolle Kaspar Hauser seinen Verletzungen – Höhepunkt einer Affäre, die bis heute für Diskussionen sorgt. Wollte man ihn zum Schweigen bringen? War der junge Mann ein Betrüger? Rückblende: 1828 taucht der etwa 16-Jährige wie aus dem Nichts in Nürnberg auf. Geistig zurückgeblieben, kaum der Sprache mächtig, körperlich unterentwickelt. Angeblich hat er den größten Teil seines Lebens in einem Verlies verbracht. Der Fall macht international Schlagzeilen. Und Kaspar Hauser sorgt weiter für Verwirrung: Im Oktober 1829 wird er mit einer Schnittwunde an der Stirn aufgefunden. Er gibt an, überfallen worden zu sein. Von jenem Unbekannten, der vier Jahre später sein tödliches Werk vollendet?

Schon damals taucht ein fantastisches Gerücht auf: Bei dem Findelkind handelt es sich um den Erbprinzen von Baden. Der Ablauf klingt logisch: 1812 bringt Stéphanie de Beauharnais, Gattin von Großherzog Karl, einen Sohn zur Welt. Doch der ersehnte Thronfolger stirbt kurz nach der Geburt. Angeblich. Wurde er heimlich gegen einen todkranken Säugling ausgetauscht und 16 Jahre lang gefangen gehalten? Dahinter könnte Gräfin Luise von Hochberg stecken, die ihren eigenen Sohn auf dem Thron sehen will. Und tatsächlich: 1830 wird Leopold von Hochberg zum neuen Großherzog von Baden. Indizien für diesen Adelsskandal liegen vor, jedoch keine Beweise. Mehr als 180 Jahre lang tobt nun schon der Streit. Selbst DNA-Analysen konnten bislang keine eindeutige Klärung bringen.

9. Wer kämpfte beim Kinderkreuzzug im Heiligen Land?

Kinderkreuzzug

Aufbruch: Kölner Kinder ziehen ins Heilige Land (Holzstich von 1877). - Foto © picture-alliance / akg-images

Köln, 1212. Ein Engel erscheint dem jungen Nikolaus. Die Botschaft: Befreit Jerusalem von den Sarazenen. Was schwer bewaffnete Kreuzritter nicht schafften, sollen jetzt Kinder vollbringen. Gott wird alle führen und sogar das Meer teilen, damit sie sicher das Heilige Land erreichen. So weit der Mythos. Nur anhand mittelalterlicher Chroniken lässt sich der Ablauf der folgenden Ereignisse vage rekonstruieren. Kein einziger Augenzeugenbericht eines Teilnehmers ist überliefert. Offenbar scharen sich bereits im Frühsommer 1212 erste Menschenmassen um den "Auserwählten". Vom Rheinland zieht der Trupp nach Trier und Speyer, dann über die Alpenpässe Richtung Italien. Laut alten Dokumenten sollen es rund 7000 Teilnehmer sein, andere Quellen gehen sogar von bis zu 30.000 aus. Unbewaffnete Jungen und Mädchen, die das Heilige Land erobern wollen? Nicht ganz.

Das in den Chroniken meist verwendete lateinische Wort "puer" bezeichnet nicht nur Kinder, sondern auch junge Erwachsene. Vermutlich nehmen vor allem Hirten, Knechte, Tagelöhner und Söhne armer Bauern das Kreuz. Sie ziehen als Pilger durchs Land, getragen vom unerschütterlichen Glauben an die Vision des Nikolaus aus Köln. Weit kommen sie nicht. Nur bis Genua, das sie am 25. August 1212 erreichen, lässt sich ihre Spur nachverfolgen. Der weitere Weg liegt im Dunkel der Geschichte. Zieht Nikolaus weiter nach Rom? Werden viele der Kinder als Sklaven an die Sarazenen verkauft? Sterben sie auf dem beschwerlichen Marsch? Jerusalem erreichen sie jedenfalls nie. Und nur wenige finden den Weg zurück in die Heimat.

10. Ging mit Rungholt das Atlantis der Nordsee unter?

Rungholt

Spuren im Watt: Von Rungholt zeugen noch die Reste alter Brunnen. - Foto © picture-alliance/ dpa

Friesland, 1362. Ein verheerender Sturm peitscht die Wellen der Nordsee auf. Noch lachen die Bürger von Rungholt, doch schon in derselben Nacht verschlingt das Meer die Stadt. Mit dieser Sturmflut, so verkünden es Legenden, straft Gott die Menschen. Lange galt das "Atlantis der Nordsee" nur als Seemannsgarn. Denn über die Katastrophe liegen keine Berichte von Zeitzeugen vor. Alle Chroniken, die das Schicksal Rungholts beschreiben, entstanden später. Fest steht: Wo heute kleine Inseln und Halligen aus dem Wattenmeer ragen, lagen einst die von Friesen besiedelten "Uthlande". Erst schwere Sturmfluten wie etwa die "Grote Mandränke" von 1362 ließen Deiche brechen und formten die Küste neu. Inzwischen haben Archäologen Spuren der einstigen Siedlungen entdeckt. Brunnen, Keramiken, Schwerter, Schleusen – all das beweist: Rungholt gab es wirklich. Die Stadt lag vermutlich in der Nähe der heutigen Insel Pellworm und hatte rund 1000 Einwohner. Einzig der sagenhafte Reichtum, wie er etwa in der Ballade "Trutz, Blanke Hans" des Dichters Detlev von Liliencron (1844 – 1909) gepriesen wird, gehört ins Reich der Fantasie.

11. Wollten Illuminaten die Weltherrschaft erobern?

Illuminaten

Prominentes Ordensmitglied: der Gründer Adam Weishaupt. - Foto © picture-alliance / United Archiv

Oberbayern, 1776. Im beschaulichen Ingolstadt gründet der Kirchenrechtler und Philosoph Adam Weishaupt einen Orden, der die Welt verändern wird. Illuminaten bekämpfen die katholische Kirche, entfachen die Französische Revolution, bestimmen noch immer die Geschicke der USA. Jedenfalls dann, wenn man Verschwörungstheoretikern oder auch Thrillerautoren wie Dan Brown glaubt. Historisch belegt ist der Geheimbund jedoch nur für wenige Jahre. Ursprünglich soll er Bienenorden heißen – weil man fleißig wie Bienen Wissen zusammentragen will. Ziel ist es, Moral und Tugend der Mitglieder zu fördern, Ideale der Aufklärung zu verbreiten, die Macht der Monarchie zu brechen.

Als prominenter Mitstreiter tritt Adolph Freiherr von Knigge, heute für Benimmregeln bekannt, dem Weisheitsbund bei. Die Quittung für das Streiten um Demokratie kommt rasch: 1784 verbietet der bayerische Kurfürst Karl Theodor den Orden. Doch löst er sich damals auch tatsächlich auf? Der US-Autor Robert Anton Wilson mixt in seiner Romantrilogie "Illuminatus!" abenteuerliche Verschwörungstheorien bis hin zum Griff nach der Weltherrschaft. Wilson behauptet zudem, die Rückseite des Dollarscheins zeige ein Siegel der Illuminaten: die Pyramide mit dem allsehenden Auge. In Wahrheit ist das einzige historisch verbürgte Siegel der Illuminaten die Eule als Zeichen der Weisheit. Ein besonders absurdes Gerücht besagt, Ordensgründer Adam Weishaupt sei nach Amerika geflohen und habe sich mit falschen Papieren als George Washington zum US-Präsidenten wählen lassen. Dumm nur, dass er nachweislich bis zu seinem Tod 1830 in Gotha lebte. Bei keinem anderen Geheimbund liegen Legende und Wahrheit so weit auseinander.

Autor: HÖRZU