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Soldaten zur Kaiserzeit in der Ewigen Statd Rom

Die Macht Roms gründete sich vor allem auf seine Soldaten.
Foto: FILIPPO MONTEFORTE/AFP/Getty Images

Superstadt der Antike

Rom

Mythos & Wirklichkeit: Vor 2000 Jahren war die Metropole am Tiber Mittelpunkt der Welt – und ein Moloch voll Lärm und Dreck.

Nur das Licht der Fackeln erhellt die enge Gasse. Doch an Schlaf ist unweit des Tiberufers nicht zu denken. Schwer beladene Wagen rattern über das Basaltpflaster, in der stickigen Luft mischt sich das Grunzen der Schweine mit den Flüchen der Treiber. Weil tagsüber Verkehrsstaus die Straßen verstopfen, werden Waren nachts zu den Märkten und Tavernen gekarrt. Nur so lässt sich die Megametropole versorgen – vor 2000 Jahren! "Zur Kaiserzeit lebten mehr als eine Million Menschen in Rom", sagt Karl-Wilhelm Weeber, Honorarprofessor an der Universität Wuppertal.


TV-Tipp

So, 17.8.: "Terra X: Zeitreise – Die Welt im Jahr 0"
2-teilige Doku. Teil 1: Das antike Rom u. a., ZDF, 19.30 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


Rom, die lärmerfüllte Stadt

Doch wie sah der Alltag dort wirklich aus? Historiker zeichnen ein Bild mit viel Licht, aber auch viel Schatten. Schon Zeitgenossen wie der Satirendichter Juvenal (etwa 60 bis 128 n. Chr.) lästerten: "Selbst im traurigsten Nest lebt es sich besser als hier im grausamen Getriebe der Hauptstadt mit ihren tausend Gefahren, in ständiger Angst vor Bränden und Hauseinstürzen."

Ein Gang durch die Gassen erforderte gute Nerven. "Clamosa urbs" nannten die Bewohner ihr Rom: lärmerfüllte Stadt. Das Zentrum war immerhin verkehrsberuhigt. "In Rom galt für Privatwagen ein Fahrverbot von Sonnenaufgang bis zum späten Nachmittag", erklärt Experte Weeber. Die Massen drängelten durch die Straßen, an den Füßen klebte Dreck – viele Wege waren sogar noch zur ruhmreichen Kaiserzeit (etwa 27 v. Chr. bis 476 n. Chr.) ungepflastert.

Feuer und Flamme für die Stadt

In den Straßenlärm mischte sich nicht selten der Alarmruf: "Wasser! Es brennt!" Immer wieder gingen Wohnhäuser in Flammen auf. Weeber: "Gründe dafür waren die Nutzung offenen Feuers zur Beleuchtung, zum Heizen und zum Kochen sowie Verstöße gegen elementare Brandschutzbestimmungen. Etwa die Verwendung gefährlicher, leicht entflammbarer Baumaterialien wie Holz und besonders Fachwerk." Denn Roms Wahrzeichen waren nicht die prächtigen Paläste, sondern die Mietshäuser. Mit sechs oder gar mehr Stockwerken erhoben sie sich in den Himmel. Für die späte römische Kaiserzeit unter Konstantin schätzen Experten die Zahl dieser "insulae" genannten Mietskasernen auf 46.600. "Oft wohnten vier, fünf oder sechs Menschen in einem Raum", sagt Prof. Karl-Wilhelm Weeber. Die Zimmer hatten dünne Wände, Risse im Mauerwerk, Fenster ohne Glas. Viele Bauherren sparten skrupellos.

Und wo erblickte man ihn endlich, den Glanz der Ewigen Stadt? Dazu mussten Besucher nicht einmal die dicht besiedelten Gebiete wie etwa Subura verlassen. "Es gab keine abgegrenzten Nobelviertel", erklärt Karl-Wilhelm Weeber. "Arm, Reich und sogar Superreich lebten hier auf relativ engem Raum zusammen." Prächtige Paläste, umgeben von Gärten und mit Fensterscheiben vor dem Straßenlärm geschützt, grenzten direkt an die "insulae" der ärmeren Bevölkerung.

Behaglich ging es zu in den Häusern der Reichen. Aus dem eigenen Wasseranschluss plätscherte das erfrischende Nass in marmorne Becken. Und als Weiteres gab es sogar Fußbodenheizung. "Der Boden ruhte auf Ziegelpfeilern", erklärt Historiker Weeber. "In den Hohlraum wurde dann heiße Luft aus einer Feuerungskammer im Keller geleitet." Diese sogenannte Hypokaustentechnik kam vermutlich im 1. Jahrhundert v. Chr. erstmals in größerem Umfang zum Einsatz. Verfeinert wurde sie noch durch die Verwendung hohler Wandziegel. So konnte die Wärme auch an den Seiten aufsteigen.

Circus Maximus, Wasserversorung und Thermen

Ein wenig Luxus fiel jedoch für alle ab – etwa beim Freizeitvergnügen im Circus Maximus, bei der Wasserversorgung oder in öffentlichen Gebäuden wie Thermen. Vor allem die Wasserkultur prägte das Stadtbild. Überall sprudelten Springbrunnen, reich verzierte Becken garantierten die Versorgung mit Wasser. "Kühne Aquädukte, die frisches Wasser über lange Strecken in die Städte brachten, zählen noch heute zum eindrucksvollsten architektonischen Erbe Roms", sagt Weeber ("Wasser, Wein & Öl. Die Lebenssäfte der römischen Welt". Primus Verlag, 160 S., 39,90 Euro). Allein die Aqua Marcia, erbaut um 140 v. Chr., hatte eine Länge von 91 Kilometern und führte täglich mehr als 190.000 Kubikmeter Trinkwasser nach Rom – kühl, klar, wohlschmeckend und zum Nulltarif. "Sanus per aquam", gesund durch Wasser: Das war in Rom eine Lebensphilosophie für alle Schichten. Auch prunkvolle öffentliche Badehäuser standen gratis oder für wenig Geld zur Verfügung.

Sogar den Spaß nach Feierabend konnte sich jeder Römer leisten. Denn auch bei Massenveranstaltungen hieß es: Eintritt frei! Im Kolosseum fieberten bis zu 50.000 Zuschauer bei Gladiatorenkämpfen oder Tierhetzen mit. Grausamer Höhepunkt des Nervenkitzels waren übrigens Hinrichtungen – äußerst kunstvoll inszeniert. Nach dem Vergnügen in der Arena trafen sich die Römer noch auf einen Wein in der Taverne. Oder sie gönnten sich ein heißes Würstchen "to go" in einer der vielen Imbissstuben. Das antike Rom war nun mal eine äußerst bunte Weltstadt.

Autor: Kai Riedemann