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Doku ueber Vulkane

Ausbruch des Vulkans Tungurahua in Ecuador. - Foto: © dpa

Arte-Doku

"Risiko Vulkan: Der Feuerberg von Java"

Aschewolken verdunkeln den Himmel. Glutlawinen wälzen sich ins Tal und verbrennen auf ihrem unheilvollen Weg alles und jeden. Vulkane sind tickende Zeitbomben, die im Inneren unseres Planeten schlummern. Zu den gefährlichsten gehört der Merapi auf der indonesischen Insel Java.

Jetzt zeigt die spektakuläre Dokumentation "Risiko Vulkan" (22.5., 21.50 Uhr, Arte, s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm), wie Wissenschaftler des Deutschen Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) eine gefahrvolle Expedition bis hin zum Kraterrand wagen.

Vulkanausbruch mit globalen Folgen

Ihre Mission ist heikel, ihre Fragestellung klar: Was spielt sich wirklich in der Tiefe ab? Wie kann man Katastrophen besser vorhersagen? Denn der Merapi steht stellvertretend für jene hochexplosiven Vulkane, deren Ausbruch sogar globale Folgen haben kann. "Über 700 000 Menschen leben im Einflussgebiet des Merapi", warnt der Vulkanologe Thomas Walter vom Geoforschungszentrum. "Und das macht aus der Gefährdung ein Risiko." Eine Verdunkelung der Atmosphäre durch die gewaltigen Aschewolken wäre sogar noch in Europa spürbar. Wie zuletzt im April 1815, als auf der Insel Sumbawa im heutigen Indonesien der Vulkan Tambora ausbrach und bei uns das Wetter verrücktspielte. Die Folge: ein Klimakollaps mit Missernten und Hungersnöten!

Was Vulkane zum Ausbruch bringt

Nur langsam enträtseln Forscher, was Vulkane zum Ausbruch bringt. Fest steht: Die Erde ist unruhig, wenn Kontinentalplatten aufeinandertreffen. So gilt etwa der Sundabogen, auf dem der Merapi liegt, als eine der vulkanisch aktivsten Regionen. Beben können die Aktivität der Feuerberge beeinflussen – das war bekannt. Neue Studien zeigen jedoch, dass auch Wetterphänomene eine wichtige Rolle spielen.

Außerdem glaubten Geologen an kugelförmige Magmablasen unter den Kratern. Gefunden wurden sie bis heute nicht. Stattdessen ergaben Messungen, dass Wasser aus der Tiefe drängt und im heißen Erdmantel chemische Reaktionen mit dem Gestein eingeht. In geringer Tiefe entsteht dann das Magma, ein zäher heißer Gesteinsbrei, der in dichten Geflechten unter der Oberfläche lauert. Ganz Zentraljava scheint von solchen Magmaschichten durchzogen. Rund 50 000 Kubikkilometer – das größte vulkanische Reservoir, das Forscher bislang entdeckt haben.

Supervulkane

Schlummern solche Systeme auch unter dem Vesuv im Golf von Neapel? Oder dem Kilauea auf Hawaii? Thomas Walter: "Das Volumen, das beim Merapi beobachtet wurde, übersteigt sogar das der gefürchteten Supervulkane."

Die sind im Gegensatz zu ihren kleineren Brüdern gut getarnt. "Supervulkane erkennt man auf den ersten Blick kaum", so GFZ-Experte Thomas Walter. Keine Spur eines majestätischen Bergkegels wie beim Merapi, Vesuv oder Volcán de Fuego in Guatemala. Unter der Erde ist dafür umso mehr los. Das aufsteigende Magma findet keinen Weg, auf dem es nach außen dringen kann. Es bleibt unter der Erdkruste gefangen und schmilzt wie ein Schweißbrenner das Gestein. Die dabei freigesetzten Gase bauen einen enormen Druck auf, Risse entstehen – bis das Gemisch aus Gas, Lava, Asche mit einer gigantischen Explosion in die Stratosphäre steigt. Zurück bleibt ein Hohlraum, in den neues Magma vordringt.

Darüber entsteht die sogenannte Caldera, eine Art Eruptionsnarbe, die sich oft mit Wasser füllt. Eine der größten wurde Ende der 1980er-Jahre bei der Auswertung von Satellitenfotos entdeckt: Die Caldera des Yellowstone-Vulkans im US-Bundesstaat Wyoming hat eine Fläche von fast 5000 Quadratkilometern. Drei große Ausbrüche haben Geologen bislang nachgewiesen. Der zeitliche Abstand betrug jeweils 600.000 bis 700.000 Jahre. Und der letzte liegt rund 640.000 Jahre zurück. Die Zeit ist also reif. Andere Supervulkane schlummern unter dem nur scheinbar so idyllischen Tauposee in Neuseeland und am Tobasee auf der indonesischen Insel Sumatra.

Egal ob Merapi oder Yellowstone – in Überwachungsstationen messen Vulkanologen jede noch so kleine Erschütterung, verfolgen mit Kameras jede Verformung der Landschaft oder des Kraters. Denn nur rechtzeitige Warnungen können eine neue Apokalypse verhindern.

Autor: Kai Riedemann