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Richard I. während des dritten Kreuzzugs in Palästina

Richard I. während des dritten Kreuzzugs in Palästina / Zeichnung: © picture-alliance / Mary Evans Picture Library

Neue Doku-Drama-Reihe

Richard Löwenherz

Am Strand herrscht heute Helmpflicht. Die Armee der Kreuzritter ist gut gerüstet für die große Schlacht: mit Kettenhemd, Schwert und natürlich mit Ritterhelm. Unruhig erwarten die Reiter das Startsignal. Als Letzter setzt Paul Jenkins seinen Kopfschutz auf – ein Modell, das ganz und gar nicht historisch korrekt wirkt. Der schwarze Sturzhelm ist für sein Vorhaben allerdings weit besser geeignet: Jenkins ist Kameramann und will die Schlachtszenen direkt zwischen den Pferdehufen drehen. Als das Signal ertönt, galoppieren 80 Reiter mit martialischem Gebrüll los, direkt auf ihn zu. Willkommen bei den Dreharbeiten von "Richard Löwenherz"!

An der marokkanischen Küste nahe Essaouira lässt der BBC-Film das mittelalterliche Jerusalem auferstehen – die Welt des legendären englischen Königs Richard I. Gespielt wird der Titelheld von dem britischen Darsteller Steve Waddington, der durch Rollen etwa in der preisgekrönten TV-Serie "The Tudors" und im Kinofilm "Edward II" viel Erfahrung mit historischen Stoffen hat.

Das Doku-Drama "Richard Löwenherz" bildet den Auftakt zur einer sechsteiligen Reihe (siehe TV-Tipp) über große Heeresführer der Geschichte, darunter Attila und Napoleon. Wie bei den übrigen Folgen entstand auch das Drehbuch zu "Richard Löwenherz" in enger Zusammenarbeit mit Historikern.

Der Film spielt während des dritten Kreuzzugs: Im Jahr 1190 will Richard I. sein Gelübde erfüllen und das Heilige Land von den Moslems zurückerobern. Über Jerusalem soll statt des Halbmondes endlich wieder das Kreuz der Christen wehen. Westlicher Glaube in Konfrontation mit dem Islam – dass der Konflikt der Weltreligionen aktuell klingt, ist durchaus beabsichtigt.

"Natürlich sind Parallelen zur Gegenwart deutlich", sagt Produzent Matthew Barrett im Gespräch mit HÖRZU. "Wir wollten das im Film aber nicht überbetonen. In erster Linie ging es uns darum, bei Richard endlich Fakten von Fiktion zu trennen." Wer sich den sagenumwobenen König als altehrwürdigen Regenten vorstellt – so wie er meist in den letzten fünf Minuten von Robin-Hood-Filmen auftritt –, wird überrascht sein. Tatsächlich starb der König schon im Alter von 41 Jahren. Im Film ist er historisch korrekt als Mittdreißiger zu sehen. "Er war ein intelligenter, pragmatischer Führer", erklärt Barrett, "und gleichzeitig eine körperlich beeindruckende Erscheinung." Regisseur Nick Green ergänzt: "Er kämpfte an vorderster Front – für einen König höchst ungewöhnlich."

Der Film zeigt, wie sich Richard bei einem dieser engagierten Kampfeinsätze den legendären Beinamen "Löwenherz" erworben haben soll. Der englische König ist bereits kurz davor, den Kreuzzug zu beenden und die Heimreise anzutreten, als ihn eine erschütternde Nachricht erreicht: Die Kreuzfahrerstadt Jaffa, rund 130 Kilometer entfernt, wird von den Truppen des islamischen Herrschers Saladin angegriffen. Den eingeschlossenen Christen droht der sichere Tod. Richard eilte mit seinen Truppen zu Hilfe, sieht sich aber einem zahlenmäßig übermächtigen Gegner gegenüber. Sein furchtloses Auftreten schüchtert den Feind allerdings derart ein, dass Saladin einem Waffenstillstand zustimmt.

Als strahlender Held taugt König Richard dennoch nur bedingt: Beim Kreuzzug zeigte er keinerlei Skrupel im Umgang mit Andersgläubigen, seinen Feinden wollte er gar die eigene Schwester gegen deren Willen als Friedensangebot "schenken". Und letztendlich war auch seine Macht als Herrscher eher begrenzt. Richard trug zwar den Titel "König von England", Truppen und Mittel für den Kreuzzug aber stammten aus diversen Ländern und Ritterorden. So sah sich der sonst eher undiplomatisch agierende Richard ein ums andere Mal zu unbequemen Kompromissen gezwungen.

Auch die Kämpfe der Kreuzritter waren weit weniger glorreich und erhaben als meist angenommen. Das macht das Doku-Drama eindrucksvoll durch die neue Perspektive der Schlachtszenen deutlich: "Unsere Aufnahmen sollen so wirken, als wäre der Zuschauer mitten im Gemetzel", erklärt Nick Green. "Dort gab es nichts Ehrenvolles, sondern auch Kopfstöße und Bisse. Kämpfe in den Kreuzzügen waren chaotisch und schmutzig."

Am Strand von Essaouira gibt Kameramann Paul Jenkins deshalb alles, um die Bilder der Schlacht so realistisch wie möglich zu gestalten. Mühsam kämpft er sich durch den weichen Sand. Die Reiter sind bedrohlich nahe gekommen, allen voran der Richard-Darsteller. Mit seinem Schwert holt er zu einem Hieb aus – und verfehlt den Kameramann nur knapp. "Cut!", ruft der Regisseur. Spontan gibt es tosenden Applaus – für den mutigen Kameramann. Als Jenkins sich kurze Zeit später seine Aufnahme am Monitor anschaut, wirkt er sehr zufrieden. Zu Recht. Dem legendären Löwenherz stiehlt man schließlich nicht jeden Tag die Schau.

Das Leben von Richard I. im Überblick

Autor: Michael Tokarski