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Petra - Schönheit im Felsmassiv

Eine TV-Doku ergründet den Mythos Petra. Die Metropole der Antike gibt noch heute
Rätsel auf. - Foto © ARTE France / ZED

Doku über die Felsenstadt

"Petra - Schönheit im Felsmassiv"

Fast muss er seine Neugier mit dem Leben bezahlen. Als erster Europäer seit rund 600 Jahren erblickt Johann Ludwig Burckhardt im August 1812 das aus dem Fels gehauene "Schatzhaus des Pharao". Der Schweizer Abenteurer reist durch die arabische Welt, spricht fließend die Sprache ihrer Bewohner. Er tarnt sich als Scheich, um das Vertrauen der Beduinen zu gewinnen und sich von ihnen nach Petra führen zu lassen, behauptet, am nahe gelegenen Grab von Moses’ Bruder Aaron opfern zu wollen.

So führen sie ihn durch den Siq, die schmale Schlucht, die noch heute der einzige Zugang zur Stadt ist. Doch als er überwältigt vor der 40 Meter hohen, 28 Meter breiten, zartrosa leuchtenden Fassade stehen bleibt, hält man ihn für einen Schatzräuber. Die Situation wird bedrohlich, Burckhardt beeilt sich, zu Aarons Grab zukommen und abzureisen.

"Petra ist ein unglaublicher Ort, einer der schönsten, die ich je gesehen habe", sagt Olivier Julien. Er ist einer der Regisseure der Dokumentation "Denkmäler der Ewigkeit: Petra, Schönheit im Felsmassiv", die Arte am 18. April (Wdh. am 27. April) zeigt (siehe auch TV-Tipps rechts). "Die Schönheit der Farben des Felsens und die durch Erosion entstandenen Formen vermischen sich und konkurrieren mit den Fassaden und Reliefs.“ Auch 200 Jahre nach ihrer Wiederentdeckung für die westliche Welt hat die antike Felsenstadt nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Im Gegenteil: Je mehr freigelegt wird, je mehr die Archäologen vor allem in den vergangenen 20 Jahren entdeckten, desto mehr Rätsel tauchen auf.

Die Hauptstadt der Nabatäer

Petra war die Hauptstadt der Nabatäer, eines vor 2400 Jahren sesshaft gewordenen Nomadenvolks. Als Kaufleute hatten sie teil am florierenden Geschäft der Weihrauch und Seidenhändler, deren Karawanen durch ihr Gebiet führten. In ihren Bauwerken und Denkmälern begegnen sich Orient, Ägypten, Rom und Griechenland. Ihre Baumeister verstanden sich darauf, aus den unterschiedlichsten Stilelementen etwas Neues zu schaffen. Dafür stand ihnen nur ein einziges Material zur Verfügung: Sandstein aus der Wüste.

Sie perfektionierten die Bearbeitung dieses porösen und dadurch unberechenbaren Gesteins. Bis zu 30 000 Menschen lebten in Petra, die Stadt war eine reiche Metropole, die über eine komplette Infrastruktur verfügte. "Vom bisher bekannten Areal sind nicht einmal zwei Prozent freigelegt", sagt der amerikanische Orientforscher Christopher Tuttle. "Diese Fläche misst sechs Quadratkilometer, doch die gesamte Anlage erstreckt sich mindestens noch über neun Kilometer nach Norden und zehn Kilometer nach Süden. Diese Stadt hatte wohl eine Fläche von der Größe Manhattans." Dank eines ausgeklügelten Bewässerungssystems ging kein Tropfen Wasser aus den Quellen und von den seltenen, aber heftigen Regenfällen verloren: Die größte Zisterne fasste 300 000 Liter, Arbeiter trieben kilometerlange Rinnen in Fels und Wände des Siq, verlegten Tonröhren.

"Petra ist der Traum eines jeden Archäologen",so Olivier Julien, "und durch die Dimensionen, die Arbeitsbedingungen – wie Hitze, Kälte, Trockenheit, schlechte Wege, steile Berge –, frühere Plünderungen und Zerstörungen zugleich ein Albtraum." Regen und die Schuhe der Touristen lassen den ungeschützten Sandstein weiter bröckeln, obendrein kommt es zu Vandalismus.

Die kleine Schwester von Petra

Julien und sein Team reisten auch ins 500 Kilometer südlich gelegene Hegra, das heutige Meda’ in Salih (Saudi-Arabien). Es ist so etwas wie die kleine Schwester von Petra. Erst seit 2008 wird hier gegraben. Zusammen verraten beide Städte einiges über das Reich der Nabatäer. Gemeinsam ist ihnen, dass die großartigsten Bauten den Toten gehörten: Mehr als 600 Grabmale wurden allein in Petra in den Fels geschlagen. Immer aufwendiger wurde ihre äußere Gestaltung, während sie innen schlicht gehalten sind. Das komplett aus einem Stück gemeißelte "Schatzhaus des Pharao" – benannt nach dem in der Urne im zweiten Stock vermuteten Schatz – könnte ein Königsgrab gewesen sein oder ein Tempel. Das Innere, ein großer Raum mit drei seitlichen kleinen Kammern, verrät darüber nichts. Im Jahr 106 unterwerfen sich die Nabatäer den Römern. Kampflos, wie man vermutet. Denn die cleveren Kaufleute witterten noch bessere Geschäfte als Teil des größten Binnenmarktes der Welt.

Tatsächlich blühte die Stadt auch unter den Römern, die unter anderem das Theater auf 8000 Plätze erweiterten. Doch dann trat ein, was wir heute als "Strukturwandel" bezeichnen: Die alten Handelsrouten verloren an Bedeutung und damit auch Petra. Nach dem Erdbeben von 363 wurde nur ein Teil wieder aufgebaut, zum letzten Mal wurde die Stadt im 12. Jahrhundert erwähnt. Sie verfiel und wurde von Sand zugeweht – bis 1812 Johann Ludwig Burckhardt auftauchte.

Autor: Thomas Röbke