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Ein chinesischer Drache

Foto: © www.piqs.de / Fotograf: Manfred Schütze, CC (Some rights are reserved.)

Der Bau der Verbotenen Stadt

Palast des Drachens

Sie prägen das Bild der Verbotenen Stadt: die Drachen. Auf den Firsten der goldgelben Dächer halten sie Wache, auf den Ornamenten der purpurnen Palastmauern zeigen sie ihre Krallen. Seit Ewigkeiten werden die Fabelwesen in China verehrt. Sie gelten als kaiserliches Symbol. Ein Herrscher aber wurde selbst zum vergötterten Ungeheuer - durch seinen unerbittlichen Regierungsstil: Yongle, der Erbauer der bis heute größten Palastanlage der Welt in Peking.

Im Jahr 1406 nimmt Yongle das Großprojekt in Angriff. "Wie die Große Mauer ist auch die Verbotene Stadt ein Ausdruck von Blüte, Macht und Beständigkeit des frühen China", erklärt Prof. Jeffrey Riegel, Sinologe an der Universität Sydney , gegenüber HÖRZU.

Der Aufwand, den der Kaiser betreibt, ist enorm: Gut eine Million Menschen werden eingesetzt, um Material zum Bau der neuen Hauptstadt Peking zu gewinnen. Im Norden arbeiten Tausende in Steinbrüchen. Hunderte von Zwangsarbeitern fallen Krankheiten zum Opfer oder sterben an Erschöpfung. Mehr als 20.000 Arbeiter müssen im Winter eine 50 Quadratmeter große, 250 Tonnen schwere Steinplatte für den Palast nach Peking ziehen. Dafür wird extra eine Straße aus Eis angelegt: Alle 500 Meter wird ein Brunnen gebohrt, um Wasser auf den Weg zu schütten. In den rauen Wäldern des Südwestens schlagen Holzfäller riesige Baumstämme.

Wie alle Paläste der früheren Dynastien werden auch jene der Verbotenen Stadt aus Holz erbaut. Es dauert vier Jahre, bis alle Stämme aus dem 1500 Kilometer entfernten Sichuan ankommen. Sie werden von Berghängen in Flüsse und Kanäle gerollt, treiben dann nach Peking. "Mitten in der Nacht machten sie ein Geräusch wie von Donner", berichtet ein Chronist.

Viele Aufzeichnungen aus der Ming-Dynastie wurden erst jüngst in modernes Mandarin übersetzt. Durch sie bekommen nun auch die engsten Vertrauten des Kaisers eine Stimme, etwa sein Diener, der Eunuch Hai Shou, die Konkubine Cui oder der Minister Xia Yuanji. Er rät Yongle zum Neubeginn in Peking: "Diese große Unternehmung wird einer Million Generationen zugute kommen." Erst im Jahr 1417 ist genug Material vor Ort, um mit dem Bau des Palastes zu beginnen. 100.000 Handwerker und Ingenieure machen sich an die Arbeit. Nichts wird dem Zufall überlassen: Wie es die Feng-Shui-Lehre vorschreibt, durchzieht den ersten Hof ein elegant geschwungener Fluss.

Autor: Dirk Oetjen