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Mythos Katze

Mythos Katze - Forscher sind dem Geheimnis der Katzen auf der Spur; Bild: © picture alliance / Arco Images GmbH

So denken und fühlen Katzen

Mythos Katze

Festspielhaus Baden-Baden. Generalprobe für Giacomo Puccinis Oper "Tosca". Noch läuft nicht alles wie geplant. Der Star der Inszenierung erweist sich als verwöhnte Diva. Gemeint ist keinesfalls die Titelheldin, Sopranistin Floria Tosca, sondern ein männlicher Kollege, Künstlername "Bubblegum". Ein Kater.

Eigentlich klingt die Aufgabe des Vierbeiners wenig anspruchsvoll: Bei der Premiere soll er in den Armen des Bösewichts Scarpia liegen, sich während einer Arie hochnehmen und tief in die Augen schauen lassen. Doch die Prozedur erweist sich als schwierig. "Blickt man Katzen in die Augen, fahren sie ihre Krallen aus", sagt Tatjana Zimek. Die Filmtier-Trainerin, eine der renommiertesten in Deutschland, hat für den Opernauftritt wochenlang mit Bubblegum geprobt, hat versucht, ihn an die hektischen Bewegungen auf der Bühne zu gewöhnen, an laute Arien und donnernden Applaus.

Vor der ersten Aufführung ist sie dennoch angespannt: "Katzen reagieren unvorhersehbar. Sie sind Rätsel auf Samtpfoten. Ob alles glattgeht, steht in den Sternen." Bei der Premiere legt Bubblegum einen brillanten Auftritt hin. Das Publikum st begeistert, klatscht euphorisch. Doch die Ovationen ignoriert er ostentativ, starrt an die Decke, blinzelt gelangweilt. Typisch Katze.

Eigenwillig, schwer erziehbar, nicht zu durchschauen, so seien die eleganten Samtpfoten. Heißt es. Dass das meist stimmt, können Millionen Deutsche bestätigen, die ihr Leben mit einer Katze teilen. Längst haben "Stubentiger" Hunden den Rang abgelaufen: Wie in ganz Europa stehen sie auch bei uns auf Platz eins der Liste der beliebtesten Haustiere. Doch was genau macht diese unberechenbaren, widerspenstigen Wesen zu unseren Lieblingen? Warum umgibt sie stets eine Aura des Geheimnisvollen, wenn sie geschmeidig durch unsere Wohnzimmer streifen?

Fest steht: Sie verfügen über faszinierende Fähigkeiten. Katzen sehen siebenmal schärfer als Menschen und können 10,5 Oktaven hören. Ihr Herz schlägt doppelt so schnell wie unseres. Und sie sind äußerst reinliche Tiere: Etwa 3,5 Stunden verbringen sie täglich damit, sich zu putzen. Katzen sind körperlich belastbarer als viele andere Vierbeiner, halten etwa Hunger länger aus. Und sie haben ein erstaunlich langes Leben: Bis zu 35 Jahre können sie alt werden.

Unser Herz erobern sie aber mit ganz anderen Tricks. Forscher fanden heraus, dass die Maunz-Laute bettelnder Katzen im Frequenzbereich weinender Babys liegen. Ein Signal, dem sich kaum jemand entziehen kann. Dr. Erhard Oeser, Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Uni Wien und Verfasser des Buches "Katze und Mensch", ergänzt: "Katzen umgarnen uns mit Zärtlichkeiten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Zuneigung einer Mutter-Kind-Beziehung gleicht und Katzen ihren Besitzer als Mutterfigur betrachten." Kein Wunder, dass wir uns ihnen so nah fühlen.

Wie wir machen sie (fast) alles mit rechts. Wie wir haben sie Lieblingsfarben: alle Rottöne. Ihre eigene Farbe, so mutmaßen wir, kann etwas über ihren Charakter verraten: Schwarze Katzen gelten als mutig, rote als kinderlieb, schwarzweiß gescheckte als sehr sensibel, grauschwarz getigerte als verwegene Stromer. Doch damit verlässt man schon den Boden wissenschaftlicher Tatsachen. Ebenso wie mit der Vermutung, Katzen hätten übersinnliche Fähigkeiten. Dennoch erstaunen sie uns mit unerklärlichen Gaben.

Ein Beispiel: In einem Pflegeheim im US-Staat Rhode Island lebt Kater Oscar. Er scheint ein untrügliches Gespür dafür zu haben, wann ein Mensch dabei ist, diese Welt zu verlassen. Meist legt er sich neben so einen Patienten. 25-mal hatte er schon den richtigen Instinkt. Inzwischen informiert das Personal die Familien jener Kranken, zu denen Oscar sich gesellt. "Er sagt den Zeitpunkt des Todes besser vorher als jeder andere", so die Ärztin Dr. Joan Teno. Besonders beeindruckte sie der folgende Fall: Joan Teno rechnete stündlich mit dem Ableben einer Schwerkranken, doch Oscar erschien nicht an ihrem Bett. Teno begann bereits an seiner Gabe zu zweifeln – als er doch noch kam. Kurz darauf starb die Frau.

Im alten Ägypten verehrte man Katzen als göttlich: Wer sie umbrachte, musste mit der Todesstrafe rechnen. Im Mittelalter wurden sie in die Nähe von Hexen gerückt und verteufelt. Und heute? Sind sie noch immer ein großes Rätsel. Teuflisch raffinierte, göttlich schnurrende Diven auf unserem Diwan.

Autor: Mike Powelz; Bilder: © picture alliance / Arco Images GmbH