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Der Blautopf ist die unterirdisch gespeiste Quelle des Flusses Blau.

Ort der Sage von der schönen Lau: Der Blautopf ist die unterirdisch gespeiste Quelle des Flusses Blau. / Fotos: © dpa

Magische Orte in Deutschland

Mythen, Sagen und Legenden

Glühwürmchen und Irrlichter, merkwürdig geformte Felsen, seltsame Pflanzen oder Tiere – Sagen entstanden oft aus dem Bedürfnis der Menschen, die ihnen rätselhafte Umwelt zu erklären. In den geheimnisvollen Blautopf etwa soll täglich ein Fass Tinte geflossen sein. Zudem habe eine Nixe das Vermessen seiner Tiefe mit dem Bleilot verhindert. Heute weiß man: Die Farbe des Sees ist Folge der Lichtbrechung, der Tiefe und des klaren Wassers, das einer Karstquelle entspringt. Und "bodenlos", wie in der Sage von der schönen Lau, ist der Blautopf auch nicht, sondern mit 22 Metern einfach nur erstaunlich tief für einen kleinen See.

Man kann Sagen – auch wenn sie einen höheren Realitätsanspruch als Märchen haben – eben nicht wissenschaftlich auf den Grund gehen. Das nimmt ihnen den Reiz. Die Mehrzahl der Volkserzählungen wurden seit dem Mittelalter mündlich von Generation zu Generation
überliefert und dann im 19. Jahrhundert niedergeschrieben.

"Die Historie von der schönen Lau" etwa wob der Dichter Eduard Mörike 1853 in seine Erzählung "Das Stuttgarter Hutzelmännlein" ein. Sagen waren nicht zuletzt auch Unterhaltung in einer Zeit, in der viele Menschen des Lesens unkundig und Radio oder Fernsehen nicht einmal Zukunftsvisionen waren. Nach harter Arbeit saß man um ein knisterndes Feuer und lauschte dem Erzähler. Doch wie entstanden diese Geschichten? Ist letztlich alles nur ausgedacht?

Nicht unbedingt. In der Sagenforschung geht man davon aus, dass so mancher Erzählung tatsächlich das Erlebnis einer Person vorausging – und sei es nur das eines Wanderers, der nächtens verängstigt im dunklen Wald unterwegs war und unter dem Einfluss des einen oder anderen Glases Wein Dinge "sah", die ihm unbegreiflich vorkamen. In der Sage wird dieses Unerklärliche, Fantastische gern mit übernatürlichen Wesen kompensiert, gelegentlich aber auch einfach historischen Persönlichkeiten angedichtet, wie etwa dem Dekan in der "Schimmelreitersage".

An dieser Spukgeschichte lässt sich die soziale Funktion der Sagen gut erkennen: Die sogenannten Frevelsagen erzählen von übernatürlichen Bestrafungen jener Menschen, die sich außerhalb von Normen und Werten bewegen.

Manch einer mag vermuten, dass Sagen im Zeitalter von 3-D-Kinos längst ausgestorben sind. Doch auch heute entstehen ständig neue, die meist per Internet die Runde machen. Zu den bekanntesten "Urban Legends" (auf Deutsch: Großstadtlegenden) zählen die von der Spinne in der Yucca-Palme und vom Krokodil in der Kanalisation. Es ist die Nähe zum Alltäglichen, die sie glaubwürdig erscheinen lässt. Meist werden sie von Freunden und Bekannten erzählt. Statt "Es war einmal…" heißt es heute: "Ich kenne jemanden, der jemanden kennt …"

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Autor: Caren Schütt