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1979 wurde Mutter Teresa mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Friedensnobelpreis: 1979 wurde Mutter Teresa in Oslo ausgezeichnet. - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

Neue DVD über ihr Wirken

Mutter Teresa wäre am 26. August 100 geworden

Gegen Ende ihres Lebens ging sie so gebeugt, als wollte sie der Erde nahe sein, die sie bald aufnehmen würde. In ihrer Mission aber blieb sie unbeugsam bis zum Schluss. Aufrecht in ihrem Credo, den Ärmsten der Armen zu helfen. Eisern auch in ihrer Haltung, dass Abtreibung Mord und jedes Kind willkommen sei. "Was du dem geringsten meiner Brüder getan hast, das hast du mir getan", war ihr Leitmotiv. "Mutter Teresa", die am 26. August ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte, war unbeirrbar in ihrem Glauben an das Gute. Sie ging in die Hütten der Leprakranken, wusch die Wunden der Elenden, nahm behinderte Kinder in ihre Arme. Rastlos ging sie auf Reisen, verschaffte sich Gehör bei den Mächtigen, auch bei denen, die nur an sich selbst und ihre politische Ideologie glaubten.

Dabei wollte sie Zeit ihres Lebens weit mehr als Armut lindern und Krankheiten heilen. "Mich dürstet" – dieses Wort des sterbenden Jesus am Kreuz übertrug sie auch auf die Menschen der westlichen Welt, die genug zu essen hatten, aber oft vereinzelt und ohne Glauben lebten. Sie war auch angetreten, den spirituellen Hunger zu stillen und Einsamen die Hand zu reichen. Ihrem Charme, ihrer Beharrlichkeit, ihren "wundertätigen Medaillen", die sie aus ihrer schier unerschöpflichen Handtasche zog, konnte sich kaum einer entziehen. Wer war die Frau, die 1979 den Friedensnobelpreis erhielt und deren Name ein Synonym für Edelmut und Selbstlosigkeit wurde?

Geboren wurde "Mutter Teresa“ am 26. August 1910 als Agnes Gonxha Bojaxhiu in Skopje, Hauptstadt des heutigen Mazedoniens. Ihre Eltern erzogen sie im katholischen Glauben. Jeden Abend knieten die drei Geschwister neben Vater und Mutter im Wohnzimmer nieder, um den Rosenkranz zu beten. Nie wurde Agnes Bojaxhiu später müde zu wiederholen: "Eine Familie, die zusammen betet, bleibt zusammen." Schon mit 18 entschloss sie sich, Nonne zu werden, bat um Aufnahme im Orden der Loreto-Schwestern. Nach einem kurzen Aufenthalt in Irland ging sie nach Indien, arbeitete 17 Jahre lang an der St. Mary’s School in Kalkutta.

Die göttliche Berufung, den Ärmsten der Armen zu helfen, ereilte sie auf einer Zugfahrt nach Darjeeling. Zwei Jahre später verließ sie die Loreto-Schwestern und gründete 1950 den Orden der "Missionarinnen der Nächstenliebe". Die Missionarin Teresa, die sich fortan in einen weißen Sari mit blauen Streifen hüllen wird, stellt ihr Leben kompromisslos in den Dienst am Nächsten. Der Tag beginnt im Morgengrauen mit dem Waschen der Saris und endet spät mit einem einfachen Abendessen. Sie geht in die Slums, zu den Leprakranken. 1952 gründet sie in einem Tempel einen Zufluchtsort für Sterbende: "Nirmal Hriday" – "Das Haus des reinen Herzens". Mit ihren Schwestern beginnt sie, die Siechen aufzulesen und – oft auf Schubkarren – in ihr Hospiz zu bringen. "Wir helfen ihnen, Frieden zu machen mit Gott, nach den Grundsätzen ihres Glaubens."

Es folgt ein Heim, in dem die strikte Abtreibungsgegnerin verlassene und kranke Kinder aufnimmt und versucht, Adoptiveltern für sie zu finden. Später beginnt sie, ihre Mission in andere Länder zu tragen, auch in kommunistische. Ihr Auftreten, freundlich und unerschrocken, wirkt entwaffnend. So wie in Nicaragua, damals vom Sandinistenführer Daniel Ortega regiert. Die kleine Delegation, bestehend aus Mutter Teresa, einer Schwester und dem Priester Leo Maasburg, muss vor einem Podium mit bewaffneten Männern antreten und sich eine flammende Rede des ehemaligen Rebellenführers anhören. Mutter Teresa tritt darauf an Ortega heran und zieht wundertätige Medaillen aus ihrer Tasche. "Haben Sie Kinder?", fragt sie. "Wie viele?" Sieben Medaillen reicht sie dem Präsidenten auf sein Podest, dazu noch eine für seine Frau.

Der Bann ist gebrochen, bereits am nächsten Tag wird die Erlaubnis zur Gründung der ersten Niederlassung der Schwestern in Nicaragua erteilt. Wo andere verzagen, glüht sie voller Zuversicht. Stets denkt sie praktisch. Das Festessen nach der Nobelpreis-Verleihung etwa lässt sie absagen, nimmt lieber den Gegenwert in bar mit zurück nach Kalkutta. Als Mutter Teresa am 5. September 1997 stirbt und mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt wird, hinterlässt sie ein Imperium der Barmherzigkeit. In 133 Ländern arbeiten heute rund 4000 Nonnen und Ordensbrüder in 710 Niederlassungen für die "Missionarinnen der Nächstenliebe". 2003 wird sie seliggesprochen. Sie selbst hätte sich Ehrungen vermutlich verbeten. "Ich bin ein Bleistift in der Hand Gottes", sagte sie gern, "eines Gottes, der im Begriff ist, der Welt einen Liebesbrief zu schreiben."

Foto Flashbühne © dpa Picture-Alliance GmbH

Autor: Angela Meyer-Barg