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Moderator Ranga Yogeshware: Astromonie ist seine Leidenschaft

Moderator Ranga Yogeshware: Astromonie ist seine Leidenschaftr / Foto: © ARD/WDR/Herby Sachs / Foto Startseite: © dpa

Über die Faszination der Sterne

Moderator Ranga Yogeshwar

Es ist schon eine Gruppe seltsamer Menschen, zu denen ich gehöre: Hobby-Astronomen. Sie sind nachtaktiv und verbringen schlaflose Stunden mit dem Blick ins Universum. Sobald es das Wetter zulässt, nutze ich die sternenklaren Nächte für Ausflüge ins All: Im Garten meines Hauses bei Köln habe ich mir in einer Laube meine eigene Sternwarte gebaut.

Beinahe alles, was wir vom Universum wissen, wissen wir vom Licht der Sterne. Deshalb geht es in der Astronomie um die Fähigkeit, Licht einzufangen. Der Spiegel eines Teleskops spielt die entscheidende Rolle: Je größer er ist, desto besser kann ich Licht sammeln, und umso weiter kann ich gucken. Mein Teleskop ist das Ergebnis jahrelanger Tüftelei, bei der mir andere Hobbyastronomen geholfen haben. Sternengucker sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Ab einem bestimmten Punkt kauft man sein Teleskop nicht mehr im Laden. Man entwickelt viel, manchmal erfindet man das Rad neu.

Sehr viel Zeit verbringt man auch damit zu scheitern. Die ersten Bilder, die ich mit dem Teleskop aufnahm, waren furchtbar. Alles war ein bisschen schräg und schief. Für Außenstehende ist es sicher schwer zu verstehen, warum wir Sternengucker uns nächtelang mit komplizierter Technik herumschlagen. Aber für mich als Journalist und Moderator ist es ein willkommener Kontrast zu meinem Beruf in einer schnelllebigen Branche.

Es ist ein Stück Beständigkeit. Diese Sterne sahen, wie ich geboren wurde, und sie werden sehen, wie ich sterbe. Es wird dir bewusst, dass du wirklich nur ein Staubkorn bist. Da erscheinen auch die irdischen Konflikte des Alltags bedeutungslos: Letztlich sind wir nur ein kleines Kuhdorf im Universum. Mir gefällt ein Spruch aus den indischen "Upanischaden", einer Sammlung philosophischer Schriften, die ich kenne, weil ich in der Schule noch Altindisch und Sanskrit lernen musste: "Unsere bewegtesten Jahre sind nur Momente in einer kosmischen Stille."

Wer kein großes Teleskop hat, kann bei den Aufnahmen die Spiegelgröße mit einer sehr langen Belichtungszeit ausgleichen. Je länger man den Sternenhimmel betrachtet, desto mehr wird plötzlich sichtbar. Das ist schon ein bisschen verrückt. Auch ich werde noch überrascht, wenn ich mit meinem Teleskop Bilder mache. Zuletzt gelang mir eine Aufnahme eines Galaxienkerns, der zehn Milliarden Lichtjahre entfernt ist. "Weißt du, wie viel Sternlein stehen?" Die Antwort hängt davon ab, wie lange du guckst.

Die Größe des Universums kann in medialen Zeiten, in denen die Welt immer in anderthalb Minuten erklärt sein muss, eben nicht in anderthalb Minuten erfasst werden. In der Dauer liegt die Kraft – und in der Ruhe liegt die Größe.

Außerdem fasziniert mich, dass die Astronomie Menschen vereint. Lange bevor es die Organisation "Astronomen ohne Grenzen" gab, waren alle Kulturen schon durchtränkt vom Einfluss der Sterne. Deshalb existiert am Himmel auch keine Achse des Bösen. Das erkennt man beispielsweise an arabischen Sternnamen wie Beteigeuze oder Aldebaran. Sie stammen aus dem 10. Jahrhundert. Der Koran ermutigte – im Gegensatz zur Bibel – damals dazu, sich mit den Erscheinungen des Himmels zu beschäftigen. So wurden die Erkenntnisse aus der griechischen Kultur von Astronomen wie Ptolemäus über tausend Jahre vor dem Vergessen bewahrt.

Autor: Ranga Yogeshwar