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Unterwasserhoehle Mexiko

Ein Taucher erkundet eine Unterwasserhöhle in Mexiko. - Foto: © picture alliance / landov

"Verborgene Welten"

Mexikos Unterwasserhöhlen

Von oben sieht man meist nur einen Tümpel, klein, friedlich, unscheinbar. Dahinter aber öffnet sich ein riesiges Reich, unterirdisch, weit verzweigt, rätselhaft. Ein Labyrinth aus Grotten, Kavernen und Kanälen. Eine magische Wasserwelt. Xibalbá – "Ort der Angst" nannten die Maya die Höhleneingänge, die nach ihrem Verständnis von Göttern der Unterwelt beherrscht wurden.

Cenoten

Für das Urvolk Mittelamerikas waren die Wasserhöhlen der Halbinsel Yucatán Tore zum Totenreich. Im Fachbegriff heißen die trichterförmigen Öffnungen Cenoten. Sie entstehen, wenn die Decken von Kalksteinhöhlen einstürzen und sich die so entstandenen Hohlräume im Lauf der Zeit mit Wasser füllen. Cenoten sind im Schnitt 15 Meter tief, manche erreichen auch 100 Meter. Wer hineintaucht, findet sich wieder in einem düsteren, unheimlichen Universum.

Der deutsche Forscher Florian Huber hat es gewagt. Der Unterwasserarchäologe der Universität Kiel erforschte die Höhlen und hat sein Abenteuer in dem 3-D-Film "Verborgene Welten" festgehalten.


DVD-Tipp

"Verborgene Welten: Die Höhlen der Toten"
Mit dem Unterwasserarchäologen Florian Huber.
Ab 29.11., 86 Min.


Huber sagt: "Die Maya hatten recht: Die Höhlen sind Zugänge zur Unterwelt." Allein in der Las-Calaveras-Cenote fanden Forscher in den vergangenen Jahren Überreste von 126 menschlichen Skeletten.

Totenkult und Mystik

Um die Götter der Unterwelt milde zu stimmen, opferten die Maya Schmuck, Keramikgefäße – und Menschen. Kinder wurden getötet und in die Tiefe geworfen. Manchmal auch junge Mädchen. "Man weiß das von Berichten aus Chichén Itzá", so Huber. Doch die hohe Zahl der Skelettfunde hat einen weiteren Grund: Die Maya nutzten die Höhlen auch als Friedhöfe.

Jenseits von Totenkult und Mystik hatten Cenoten einen ganz praktischen Nutzen: als Brunnen. "Das Wort ‚Cenote‘ stammt aus der Maya-Sprache und bedeutet ‚Heilige Quelle‘", so Huber. Da Yucatán weder Flüsse und Seen aufweist, waren die Maya auf diese Wasserspeicher angewiesen.

Prähistorische Funde

Für die Forscher hielten die Höhlen noch mehr Überraschungen bereit: Während die Maya-Relikte eher am Eingang zu entdecken waren, stießen die Taucher in tieferen Regionen auf prähistorische Funde: "Wir entdeckten etwa eine Feuerstelle, die 8500 Jahre alt ist", berichtet Florian Huber. "500 Meter davon entfernt lag ein Skelett, das wir bisher noch nicht datieren konnten. Es ist eine spannende Frage, ob dieser Mensch das Feuer je gesehen hat."

Vor etwa 10.000 Jahren müssen die Höhlen noch trocken gewesen sein, da der Meeresspiegel 100 Meter niedriger lag. Als er im Lauf der Zeit anstieg, wurden die Höhlen, in denen die Menschen Schutz gesucht und Feuer gemacht hatten, überflutet.

Für Archäologen bietet die Unterwasserwelt, die nach Schätzungen über 10.000 Cenoten umfasst, ideale Bedingungen: "Im Wasser werden organische Stoffe wie Leder, Bast oder Holz viel besser konserviert und können so unberührt über Jahrtausende perfekt erhalten bleiben. An Land würden sie viel schneller zerfallen."

Gefährliche Mission: Höhlentauchen

Höhlentaucher
Foto: © picture alliance / WILDLIFE

Das Abtauchen in die Vergangenheit ist eine aufregende, aber gefährliche Mission. In den 1000 Cenoten, die bisher entdeckt wurden, kamen schon zahllose Amateurtaucher ums Leben. "Ohne Risiko ist die Arbeit nicht, ein wenig Abenteuer ist dabei", gibt Huber zu "Aber wir sind Wissenschaftler und keine Adrenalin-Junkies."

Höhlentauchen ist eine extreme Herausforderung. Die unterirdischen Grottensysteme führen manchmal mehr als 100 Meter in die Tiefe. "Oft tauchen wir dann einen Kilometer zum Ausgang entfernt. Im Notfall könnten wir also nicht schnell wieder auftauchen." Weitere Schwierigkeiten sind die zeitweilig totale Finsternis und die extrem schmalen Durchgänge, die den Forschern das Vordringen mühsam machen.

"Um die Cenoten zu erforschen, ist außer einer guten Ausbildung vor allem viel Erfahrung notwendig", sagt Huber. "Zudem muss man sich richtig einschätzen und darf sich niemals überschätzen." Er selbst taucht seit 25 Jahren und hat Zusatzausbildungen als Forschungs- und Höhlentaucher. Sein fünfköpfiges Team ist sehr gut eingespielt, jeder kann sich auf den anderen verlassen.

Fotograf Ulli Kunz, mit dem Huber den 3-D-Film "Verborgene Welten", ist seit Jahren sein Freund. Auch das Equipment zum Drehen musste mühsam in die Höhlen abgeseilt werden, etwa die Lampen und eine 80 Kilo schwere 3-D-Spezialkamera. Trotz des großen Aufwands ist die Doku für Huber nur ein Nebenprodukt. Ihm geht es in erster Linie um archäologische Erkenntnisse. Dazu werden kleinere Fundstücke im Labor per DNA-Methode analysiert. Von anderen machen die Forscher unter Wasser Aufnahmen, die später am Computer zu originalgetreuen 3-D-Modellen zusammengesetzt werden.

Dank des Films kann man sie auf ihrer spannenden Spurensuche begleiten. Huber verspricht: "Wir tauchen ein in eine faszinierende Welt, die vor uns noch kein Mensch gesehen hat."


TV-Tipp

"Magische Orte: Mexiko. Die rätselhafte Welt der Maya"
Doku über die Stadt Chichén Itzá
Di, 19.11., PHOENIX, 6.00 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)

Autor: Thomas Kunze