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Meister des Todes Das Erste

Otto Lechner (Udo Wachtveitl) und Alex Stengele (Heiner Lauterbach) leiten die
Präsentation der Waffen vor dem mexikanischen Militär. Foto: © SWR/Diwa Film

Doku und TV-Thriller über illegale Waffendeals

Meister des Todes

Wegen der illegalen Waffenexporte deutscher Rüstungsfirmen müssen in Mexiko Unschuldige sterben. Eine Doku "Tödliche Exporte" und der TV-Thriller "Meister des Todes" klären auf.

Die Meldung ging im vergangenen Jahr um die Welt: 2014 verschwanden in Mexiko 43 Studenten. Was zunächst keiner ahnte: Das Drama hat einen Bezug zu Deutschland.

Heute ist bekannt, dass die örtliche Polizei die Studenten verschleppte und an eine Drogenbande übergab, die sie tötete. Einige von ihnen wurden in Guerrero hingerichtet – wahrscheinlich mit deutschen Waffen.

70.000 Opfer im Drogenkrieg

Möglich wurde das durch illegale Exporte deutscher Gewehre nach Mexiko. Dort tobt seit Jahren ein Drogenkrieg, der bereits mehr als 70.000 Opfer forderte. Die korrupte Polizei und das Militär des Landes arbeiten eng mit Drogenbanden zusammen.

Keiner weiß, in wessen Hände die Gewehre vor Ort gelangen. "Der Weg von Kleinwaffen ist nicht kontrollierbar", sagt Daniel Harrich, Regisseur des Thrillers "Meister des Todes" (23.9., 20.15 Uhr, Das Erste) und der Dokumentation "Tödliche Exporte" - direkt im Anschluss.

Als Harrich in Mexiko mit den Recherchen zu seinem Dokumentarfilm begann, traf er sich mit zwei Studenten, die ihn durchs Land führten und über die Situation vor Ort berichteten. "Drei Tage vor Drehbeginn des Fernsehfilms habe ich erfahren, dass sie entführt und wahrscheinlich ermordet worden sind", berichtet Harrich. "Dadurch bekam ich einen zusätzlichen, sehr traurigen, persönlichen Bezug zu der Arbeit."

Das Verbrechen geschah in Guerrero, wo deutsche Waffen eigentlich nichts zu suchen haben: Es gibt Ausfuhrverbote in Krisengebiete und Länder, in denen die Menschenrechte verletzt werden. In Mexiko gilt das für vier Bundesstaaten, zu denen auch Guerrero gehört.

Doch deutsche Rüstungsfirmen wollen nicht auf die Milliardengeschäfte verzichten und versuchen, die Verbote zu umgehen. Etwa, indem sie sogenannte "Endverbleibserklärungen" unterschreiben. Vereinfacht ausgedrückt: Garantien darüber, dass die Waffen nicht in falsche Hände geraten. Doch das ist nicht zu gewährleisten.

Die zuständigen Behörden wissen das. Sie machen es den Unternehmen aber nicht besonders schwer. Schließlich geht es um lukrative Geschäfte, von denen auch die Regierung profitiert.

Nach den USA und Russland ist Deutschland größter Waffenexporteur der Welt. Im vergangenen Jahr wurde Kriegsgerät im Wert von 1,8 Milliarden Euro ausgeführt, fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Einen beträchtlichen Anteil daran haben Kleinwaffen wie Maschinenpistolen und Sturmgewehre. Allein von diesen Modellen sind laut Experten weltweit 15 bis 20 Millionen im Einsatz – wo genau, weiß keiner.

Dabei sind sie alles andere als harmlos. "Der Zusatz 'klein' erweckt den Eindruck, sie könnten nicht viel ausrichten. Aber mit solchen Waffen werden Kriege geführt, Genozide angerichtet und Millionen von Menschen umgebracht", sagt Harrich.

Fiktive Geschichte nach "realen Tatbeständen"

Im Politthriller "Meister des Todes" erzählt er die Geschichte des jungen Peter Zierler (Hanno Koffler), der in einem Rüstungskonzern Karriere macht, bis er miterlebt, wie Menschen mit den Waffen seiner Firma erschossen werden. Als er aussteigen will, wird er bedroht.

Da die brisante Produktion geheim bleiben sollte, wurde sie in der ARD als "romantische Schwarzwaldkomödie" getarnt, in den Sendeanstalten waren wenige eingeweiht. Die deutschen Stars, ein hochkarätiges Ensemble um Axel Milberg, Veronica Ferres, Udo Wachtveitl, Heiner Lauterbach und Hanno Koffler, bekamen jeweils nur Teile des Drehbuchs.

Um kein Misstrauen zu wecken, kooperierte Harrich in Mexiko mit einer regierungsnahen Produktionsfirma. Basis des Films waren Recherchen zur Doku. "Der Film basiert zu 98 Prozent auf wahren Begebenheiten", erklärt Friedensaktivist Jürgen Grässlin, mit dem Regisseur Harrich zusammenarbeitete.

Grässlin prozessiert seit Jahren gegen deutsche Rüstungsfirmen wie Heckler & Koch, den Hersteller des G36-Sturmgewehrs, das in Mexiko eingesetzt wird.

"Der Film ist fiktiv, orientiert sich aber an realen Verhältnissen. Für die Figur des Zierler gab es drei reale Vorbilder, auf eines wurde tatsächlich ein Anschlag verübt."

Politiker als Helfershelfer

Im Mittelpunkt der TV-Produktionen stehen jedoch keine Einzelschicksale. Thriller und Dokumentation zeigen auf erschreckende Weise, wie eng hochrangige Politiker mit Rüstungsfirmen verbandelt sind. Mit üppigen Parteispenden machen diese die Politiker zu willfährigen Helfern, damit sie "ohne Skrupel ihre Waffen exportieren können", so Grässlin.

Dass dies trotz anderslautender Gesetze möglich ist, empfindet Regisseur Harrich als besonderes skandalös: "Wir werden als Bürger dieses Landesbelogen. Es heißt, wir hätten die restriktivsten Rüstungsexportgesetze der Welt. Aber in der Realität werden sie umgangen."

In seinen Filmen befeuere er weder Spekulationen noch Verschwörungstheorien, betont Harrich: "Alles, was wir zeigen, ist belegbar. Die Realität ist oft noch brutaler, korrupter und schmutziger, als wir es im Spielfilm darstellen."

Die Dreharbeiten in Mexiko

Wie nah sein Film an der Wirklichkeit ist, zeigte sich bei den Dreharbeiten in Mexiko. "Das Land stand in Flammen", sagt Harrich. "Wir hatten die A-Liga mexikanischer Schauspieler dabei. Sie führten die Proteste mit den Studenten an und gingen Hand in Hand mit den Eltern der Opfer."

Nur 200 Meter vom Originalschauplatz entfernt drehte Harrich die Szene einer blutig endeten Demonstration. "Hinterher begannen die mexikanischen Komparsen auf dem Platz zu tanzen." Es entwickelte sich eine spontane Friedensdemonstration. "Sie waren uns dankbar dafür, dass wir den Film drehen. Alle lagen sich in den Armen."

Ermittlungsverfahren gegen Heckler & Koch

Vielleicht hat sein Thriller eine ähnliche Wirkung wie sein Film "Der blinde Fleck" über das Oktoberfestattentat, der 2014 lief. Danach nahm der Generalbundesanwalt die Ermittlungen zum Fall wieder auf. Harrich und Friedensaktivist Jürgen Grässlin hoffen nun auf einen ähnlichen Effekt.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitete zwar schon im Jahr 2010 ein Ermittlungsverfahren gegen Heckler & Koch ein. Laut Grässlin aber bislang ohne Ergebnis. Nun ist er optimistisch: "Normalerweise muss die Staatsanwaltschaft nach der Ausstrahlung aktiv werden."

Autor: Thomas Kunze