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Lawrence von Arabien

Thomas Edward Lawrence, bekannt als "Lawrence von Arabien", im Jahre 1931. Der Brite ließ sich gern in orientalischen Gewändern fotografieren. / Foto: © picture alliance / Everett Collection / Foto Startseite: © picture-alliance / akg-images

"Terra X"-Sendung am 9. Januar

Lawrence von Arabien: zwischen Mythos und Wahrheit

Als Thomas Edward Lawrence im Sommer 1909 zum ersten Mal in den Orient reist, fühlt er sich wie verwandelt. Er sei in seinen "Gewohnheiten ganz Araber geworden", schreibt er in einem Brief. Noch ahnt der damals 20-Jährige nicht, dass er wenige Jahre später als wagemutiger Beduinenführer Geschichte schreiben wird. Zu Weltruhm gelangt "Lawrence von Arabien" 1962 durch den gleichnamigen Film mit Peter O’Toole, der den Heldenmythos verstärkte, den der Brite mit seinen Inszenierungen und Büchern selbst geschaffen hatte. Ein Mythos, der auch 75 Jahre nach seinem tödlichen Motorradunfall lebendig ist – wie eine sehenswerte Ausstellung in Oldenburg noch bis zum 27. März 2011 demonstriert.

Der Historiker Peter Thorau versucht den Heros in einer neuen Biografie allerdings etwas zu entzaubern. Obwohl auch er Lawrence zu den "schillerndsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts" zählt, bezeichnet er ihn zugleich als selbst erschaffene "Kunstfigur"“ und warnt davor, seine "Übertreibungen" für bare Münze zu nehmen. Gab der Abenteurer doch zu: "Im Allgemeinen ziehe ich Lügen der Wahrheit vor, besonders wenn es um mich geht."

Max von Oppenheim: ein deutscher Feind


Aber was ist die Wahrheit? Freiheitskämpfer, Abenteurer, Spion, Archäologe, Literat: Lawrence ist in seiner Vielseitigkeit kaum zu fassen. "Er ist faszinierend, weil man immer wieder Neues entdeckt", sagt der britische Historiker Jeremy Wilson. "Sein Leben berührt so viele Bereiche: Kunst, Literatur, Nahost-Diplomatie, den Ersten Weltkrieg. Es ist, als würde man zehn Menschen gleichzeitig studieren."

Die ZDF-Doku "Terra X: In geheimer Mission. T. E. Lawrence und Max von Oppenheim im Nahen Osten" fügt eine weitere Facette hinzu: Lawrence’ Rivalität mit dem deutschen Archäologen Max von Oppenheim. Die beiden werden im Krieg zu Feinden. Sie begegnen einander im Juli 1912 in Karkemisch, wo Lawrence an Ausgrabungen teilnimmt. Nicht die Nationalität und der große Altersunterschied von 28 Jahren trennen die beiden. Es ist vor allem der gesellschaftliche Status: Max von Oppenheim gehört einer reichen Bankiersdynastie an, sein Vater finanziert die Ausgrabungen in Tell Halaf mit 15 Millionen Reichsmark.

Thomas Edward Lawrence hingegen wird am 15. August 1888 mit einem Makel geboren: Er ist ein uneheliches Kind – damals eine Schande. Sein Vater Sir Thomas Chapman war mit der Gouvernante Sarah Lawrence durchgebrannt. Weil sich Chapmans Ehefrau nicht scheiden ließ, lebte das Paar in wilder Ehe und bekam fünf uneheliche Söhne.

Lawrence von Arabien: Held oder Verräter?


Damit ist Lawrence von Geburt an ein Außenseiter, dem der Zugang zu höheren Gesellschaftskreisen verschlossen bleibt. Doch das fördert nur seinen Ehrgeiz und seine originelle Denkweise, die auf Konventionen keine Rücksicht nimmt. Zudem ist er hochbegabt. Mit zahlreichen Stipendien gefördert, studiert er in Oxford Geschichte. Er kennt auch die Schriften von Oppenheims, des damals bekanntesten Archäologen. Trotzdem verläuft die Begegnung kühl. Beide sind Patrioten und hegen starke Vorbehalte gegeneinander.

Autor: Thomas Kunze