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Doku Krankenakte Hitler

Hitlers Leibarzt Theo Morell zieht für die Behandlung seines Patienten eine Spritze auf.
Foto: © ZDF / Harald J. Braun

Doku über die Leiden des Diktators

"Krankenakte Hitler"

Wie ein typischer Tag im Leben Hitlers aussah? Gerüchten zufolge so: Er schlief mindestens bis mittags. Sobald er aufgestanden war, injizierte ihm sein Leibarzt Theodor Morell, von Spöttern auch "Reichsspritzenmeister" genannt, das Sexualhormon Testosteron und verabreichte ihm zur Leistungssteigerung Aufputschmittel. Anschließend schluckte der Diktator noch eine Handvoll weiterer Medikamente.

Ist das wahr? Oder wilde Spekulation? Guido Knopp, früher Chefhistoriker des ZDF und ein ausgewiesener Experte für die Geschichte des Dritten Reichs, konnte die Krankenakten von Adolf Hitler schon Mitte der 1990er-Jahre einsehen.

In HÖRZU kommentiert er neun Gerüchte zum Gesundheitszustand des Diktators, die jetzt auch in der spannenden Dokumentation "Krankenakte Hitler" (Sa., 25.7., ZDFinfo, 20.15 Uhr, s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm) analysiert werden.

Neun Gerüchte zum Gesundheitszustand von Adolf Hitler

1. Hitler war schwer krank.

Guido Knopp: "Nachweisbar ist, dass er unter einem chronischen Reizdarmsyndrom litt, das von starken Krämpfen und Blähungen begleitet wurde. Zudem war sein Blutdruck viel zu hoch, und er zeigte starke Symptome einer frühen Verkalkung der Herzkranzgefäße." Hitlers Beschwerden begannen laut Knopp bereits Mitte der 1930er-Jahre. "Bei seinem exzessiven Lebenswandel war das kein Wunder. Er machte oft die Nacht zum Tag, ging erst am frühen Morgen ins Bett und stand am Nachmittag auf." Dr. Morell, sein Arzt, behandelte ihn mit Schlafmitteln.

2. Sein Leibarzt versorgte ihn mit Drogen.

Morell soll Hitler zudem täglich mit einem Spezialpräparat versorgt haben, das er in seiner Pharmafirma eigens herstellte und das Koffein und Pervitin enthalten haben soll. Pervitin ist ein Methamphetamin, ein Suchtstoff, der heute besser bekannt ist unter dem Namen Crystal Meth. Guido Knopp zu HÖRZU: "Das stimmt. Pervitin war im Zweiten Weltkrieg ein unter Soldaten gebräuchliches Aufputschmittel, im Landser-Jargon hieß es 'Panzerschokolade'." Das Mittel nahm kurzzeitig die Angstgefühle und steigerte die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Knopp: "Allerdings war Pervitin nicht so hoch dosiert wie das heute weitverbreitete, gefährliche Crystal Meth."

3. Hitlers Potenz war eingeschränkt.

Laut Gerüchten hatte er nur einen Hoden. Guido Knopp hält das für eine Legende: "Es gibt Berichte von Ärzten, die das widerlegen." Das Gerücht entstand, nachdem die Russen 1945 in Berlin Hitlers halb verbrannten Leichnam geborgen hatten. "Wenn man bedenkt, in welchem Zustand seine Leiche war, verwundert es nicht, wie es zu derlei Gerüchten kommen konnte."

4. Der Diktator litt unter Parkinson.

"Ja, seit 1941", bestätigt Knopp. Die neurodegenerative Erkrankung führt zu Muskelstarre und -zittern und verlangsamt Bewegungen. "Die Symptome wurden zunehmend stärker. Deutlich zeigte sich die Schüttellähmung bis Juli 1944 an einem seiner Beine. Nach Stauffenbergs Attentatsversuch im Juli 1944 war das Bein scheinbar genesen, stattdessen war plötzlich Hitlers Hand beeinträchtigt." Das, so der Historiker, sei in einer berühmten Filmaufnahme vom März 1945 klar zu erkennen, in der der Führer eine Reihe von Hitlerjungen abschreitet. "Im Rohling dieser Aufnahme ist sichtbar, dass seine Hand stark zittert."

5. Hitler war kokainsüchtig.

Er litt 1944 an einer schmerzhaften Mittelohrentzündung, wie Röntgenbilder des Hals-Nasen-Ohren-Arztes Dr. Erwin Giesing zeigen. Dieser behandelte den Diktator eine Zeit lang mit Kokainlösungen. "Abhängig war er aber nicht", so Guido Knopp.

6. Er nahm täglich 28 Medikamente.

Darunter sollen Mittel gegen Bluthochdruck und chronische Magen-Darm-Leiden gewesen sein, zudem eine Arznei, die das Gift Strychnin enthielt. Dazu meint der Historiker: "Insgesamt mögen es vielleicht 28 Medikamente gewesen sein, aber nicht gleichzeitig. Und es ist richtig, dass in 'Dr. Kösters Antigas-Tabletten' Strychnin enthalten war. Hitler litt unter starken Blähungen."

7. Er ließ sich Testosteron spritzen.

Laut Guido Knopp injizierte Dr. Morell Hitler tatsächlich das Sexualhormon: "Das geschah vor allem, wenn er zum Berghof am Obersalzberg reiste, wo er Eva Braun traf, und gibt Anlass zur Vermutung, dass es zwischen Braun und Hitler eine sexuelle Beziehung gab. Morell versorgte Hitler aber auch mit weiteren Hormonen aus seinem Pharmalabor."

8. Seine Wutanfälle waren Folge einer Gehirnhautentzündung.

Guido Knopp hält das für abwegig. Auch glaubt der Historiker nicht, dass Hitler schizophren war. "Er litt eventuell unter dem Borderline-Syndrom. Mal war er himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt. Wutanfälle sind für Manisch-Depressive typisch. Übrigens gibt es viele Bilder, die ihn wütend zeigen, aber keine, auf denen er weint."

9. Seine Leiden hatten Einfluss auf sein Handeln.

Knopp geht zwar davon aus, dass Hitler kränker war als ein typischer Mann seines Alters. "Er war seelisch belastet, schließlich hatte er einen Massenmord entfesselt, den er nicht kontrollieren konnte." Der Historiker stellt aber klar: "Trotzdem wurde sein Handeln durch seine Primärpersönlichkeit beeinflusst. Hitler wusste immer, was er tat."

Autor: Mike Powelz