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Hagel im Sommer

Riesige Eiskörner, die auf Blüten herabregnen: Ein Bild, das man häufiger sehen wird.
Foto: picture alliance / blickwinkel © picture alliance / blickwinkel

Das Wetter der Zukunft

Klimawandel

Starkregen, Sturmwind, Hitzewellen, Hagelschauer: Warum das Klima in Deutschland immer extremer wird.

Er hieß "Gonzalo", und er machte ziemlich viel Wind. Mit mehr als 100 Stundenkilometern tobte der erste Herbststurm des Jahres Ende Oktober über Deutschland hinweg. Als Ausläufer eines Hurrikans, der über dem Atlantik wütete, sorgte er auch bei uns für Aufregung und fällte etliche Bäume. Das war spektakulär und für alle Betroffenen besorgniserregend – aber nach Ansicht der Meteorologen nur ein Orkan, der für diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich ist.


TV-Tipp

Mo, 17.11.: "Alle Wetter" - Aktuelle Informationen zu Wetter und Klima vom Frankfurter Main Tower; HR 19.15 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


Mehr Unwetterwarnungen

"Gonzalo" verursachte den Experten also kein Kopfzerbrechen – wohl aber viele andere Wetterphänomene, die in den vergangenen Jahren immer extremer wurden. Zum Beispiel im vergangenen Sommer, in dem wir ein Wechselbad aus Hitzewellen, Hochwasser und Hagelschauern erlebten. Erst der weltweit heißeste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1880, danach heftige Gewitter im Juli, gefolgt von einem beinah herbstlichen August. Allein an 36 von 66 Tagen gab der Deutsche Wetterdienst (DWD) Unwetterwarnungen heraus. Ursache der Extreme: die häufiger auftretende Großwetterlage "Tief Mitteleuropa". Sie sorgt bei uns für feuchtes, unbeständiges Wetter. Entwickelt sich daraus nämlich ein Mittelmeertief, schüttet es hierzulande wie aus Eimern. Das passiert zwar nur 15-mal pro Jahr, aber, so der DWD, vor 60 Jahren geschah es eben nur zehnmal.

Das Klima wandelt sich – und das nicht nur gefühlt. "Es wird wärmer", sagt Klimaexperte Prof. Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, "auch wenn es in den vergangenen Jahren keinen neuen Hitzerekord gegeben hat. Aber die Temperaturen sind heute deutlich höher als noch vor 100 Jahren." Damit verdunste mehr Wasser aus den Ozeanen, deswegen komme "bei entsprechender Wetterlage dann auch mehr runter". Die Luft speichert sozusagen die Wärme in Form von "latenter Energie". Dass die Temperaturen auf der Welt steigen, sei hauptsächlich auf die Erderwärmung zurückzuführen: "Gerade diese heftigen Niederschläge, die oft zu Überschwemmungen führen, sind ein deutliches Zeichen dafür, dass es immer wärmer wird."

Jetstreams

Aber warum spielt das Wetter gerade bei uns so verrückt? Schuld daran ist der Jetstream: ein Sturmband, das mit mehr als 500 Stundenkilometern in sieben bis zwölf Kilometern Höhe um die Erde jagt. Jetstreams entstehen zwischen Hoch- und Tiefdruckzonen oder Regionen mit stark unterschiedlichen Temperaturen. Sie sind der Versuch einer globalen Umverteilung. Als Nebeneffekt bringen sie Flugzeuge schneller ans Ziel – daher ihr Name.

Für das Wetter in unseren Breiten ist vor allem der Jetstream der Nordhalbkugel zuständig. Ein Höhenwind, der die Luftmassen in Wellen neu verteilt, sagen Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK): "Schwingen die Wellen nach Norden, saugen sie warme Luft aus den Tropen nach Europa, Russland oder den USA. Schwingen sie nach Süden, geschieht das Gleiche mit kalter Luft aus der Arktis." Dieser Ausgleich aber scheint mehr und mehr gestört. Das zeigt eine PIK-Studie vom August 2014: Einige der Wellen scheinen bei extremem Wetter "nahezu festzustecken" und sich aufzuschaukeln. Folge: Anstelle einiger warmer Tage haben wir eine Hitzewelle, statt ein paar Niederschlägen sintflutartigen Regen. "Dahinter steckt ein Resonanzmechanismus, der Wellen in den mittleren Breiten festhält und deutlich verstärkt", so Stefan Rahmstorf, Mitautor der Studie. Seit 2000 tritt der Mechanismus doppelt so häufig auf wie zuvor. Grund dafür dürfte nach Meinung der Forscher sein, dass die Erwärmung der Arktis in diesem Zeitraum doppelt so schnell voranschritt wie jene der restlichen Erdkugel.

Auch unsere Herbststürme bilden sich im Umfeld des Jetstream: In seinem Sog bauen sich Tiefdruckgebiete auf, an denen besonders hohe Luftdruckunterschiede entstehen. Sie sorgen dann für den heftigen Wind – ein im Oktober und November aber durchaus übliches Wetterphänomen.

Letzte Frage: Winkt uns auch in diesem Jahr wieder ein warmer Winter? "Das muss nicht sein", sagt Prof. Latif. "Aber die Wahrscheinlichkeit ist erhöht. Man muss viele Jahre betrachten, wenn man die Wetterentwicklung beobachtet. Und dass die Winter bei uns über lange Zeiträume wärmer werden, ist eindeutig." Laut Modellberechnungen des Internetportals Donnerwetter.de deutet sich allerdings schon jetzt ein "in seiner Gesamtheit leicht zu milder" Winter an: "Erst zum Ende des Novembers könnte ein Temperatursturz für Schnee bis ins Flachland sorgen." Eine gute Nachricht für die Heizkostenrechnung – eine schlechte für alle Romantiker und Wintersportfans.


Was sind Jetstreams?

Starkwindbänder, die in sieben bis zwölf Kilometern Höhe mit mehr als 500 Stundenkilometern um die Erde jagen, nennt man Jetstreams. Für das europäische Wetter ist der polare Jetstream verantwortlich, der über der nördlichen Halbkugel von West nach Ost verläuft. Er weht im Winter besonders stark, da die Temperaturunterschiede in der Luft dann größer sind.

Autor: Michael Fuchs