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2010 - ein Jahresrückblick von "Abenteuer Forschung"

2010 - das Jahr der Umweltkatastrophen. Ein Jahresrückblick von "Abenteuer Forschung"; Bild: © ZDF / Getty

Wie geht es unserer Erde?

Jahresrückblick von "Abenteuer Forschung"

Diese Krankenakte hat es in sich: Erdbeben, Fluten, Waldbrände, eine Ölpest. Selten erschütterten so viele Katastrophen die Welt wie im Jahr 2010. Bereits nach sechs Monaten lag die Schadenssumme höher als im gesamten Vorjahr – 70 Milliarden US-Dollar! Wie krank ist Mutter Erde wirklich? Und welche Rolle spielt der Mensch bei all diesen Ereignissen?

Im großen Jahresrückblick von "Abenteuer Forschung" (siehe TV-Tipp rechts) kommt unsere Heimatwelt jetzt selbst zu Wort. "Erst aus ihrer Sicht wird klar, was tatsächlich passier"“, erklärt Prof. Harald Lesch, der das fiktive Gespräch mit der Erde führt. "Denn der Mensch sieht meist nur den Zeitrahmen seiner eigenen Generation, die Erde jedoch hat schon 4,6 Milliarden Jahre hinter sich." Was uns bedrohlich erscheint, könnte für sie normaler Alltag sein. Erschütterungen, Hitzewallungen, Stress – das Übliche eben.

Wenn Urkräfte wüten

"Vermutlich würde sie mit all ihrer Erfahrung sagen: 2010 war gar nicht so schlimm", meint Physiker Lesch. Und was ist mit Katastrophen wie dem Ausbruch des indonesischen Vulkans Merapi oder des Eyjafjallajökull auf Island, der wochenlang den Flugverkehr in Europa lahmlegte? So etwas passiert seit Urzeiten – und sogar heftiger. Lesch: "Das Erdinnere ist zu großen Teilen flüssig, steigt auf, kühlt ab, steigt auf, kühlt ab. Das führt letztlich dazu, dass sich die Kontinente auf der Oberfläche so schnell bewegen, wie unsere Fingernägel wachsen." An den Kanten der Kontinentalplatten ächzt die Erde. Vulkane spucken , empfindliche Seismografen messen täglich mehr als 2000 kleine Erdstöße. Ein völlig normales Rumoren. "Der Mensch hat mit diesen Ereignissen nichts zu tun. Er kann auch nichts dagegen machen. Damit muss jeder, der auf diesem Planeten lebt, klarkommen", erklärt Physiker und Moderator Lesch.

Wir selbst beurteilen eine Katastrophe selten nach derart objektiven Maßstäben, sondern verständlicherweise oft nach den fatalen Folgen. Und da kann ein kleines Hüsteln der Erde mehr Schaden anrichten als eine schwere Grippe. Am 27. Februar 2010 bebte in Chile die Erde mit einer Stärke von 8,8 – das fünftschwerste jemals gemessene Beben. Dabei wurde 500-mal mehr Energie freigesetzt als am 12. Januar in Haiti. Trotzdem lag die Zahl der Todesopfer in Chile mit 521 deutlich niedriger als in dem karibischen Staat auf der Insel Hispaniola, wo insgesamt 222.570 Menschen starben.

Wichtig ist also auch, wie der Mensch auf längst bekannte Bedrohungen reagiert und sich schützt. Physiker Harald Lesch: "Die Erde würde uns warnen: Baut doch nicht dort, wo es ständig rappelt! Wundert euch nicht, wenn Tsunami-Wellen die Häuser treffen, weil ihr zu dicht an Küsten baut." Doch bei mittlerweile 6,9 Milliarden Menschen siedeln immer mehr in Risikogebieten.

Wechseljahre der Welt

Was der Erde mehr Sorgen macht, sind andere Vorfälle: Wetterkatastrophen! "Solche Hitzewallungen hat sie zwar früher schon erlebt", erklärt Harald Lesch, "doch noch nie in solch extremer Form. Man könnte fast sagen, dass unsere Erde, die ja bereits ein gesetzteres Alter hat, in die Wechseljahre kommt." Nach bisherigen Zahlen wird 2010 das weltweit wärmste Jahr seit Beginn der Klimaaufzeichnungen. Allein von Januar bis September registrierten die Forscher 725 wetterbedingte Naturkatastrophen. Rund 21.000 Menschen verloren dabei ihr Leben. Seit 1980 hat sich die Zahl der verheerenden Überschwemmungen mehr als verdreifacht.

"In Pakistan und vielen anderen Gebieten, wie etwa Westafrika, hat es wie aus Eimern gegossen", schildert Prof. Lesch die dramatischen Ereignisse. Ein Fünftel Pakistans wurde dabei überflutet. "Man braucht kein Physikstudium, um die Zusammenhänge mit dem Klimawandel zu erkennen. Wann regnet es? Wenn Wasser in der Atmosphäre ist. Wie kommt es da hin? Indem es verdunstet. Wann verdunstet es? Wenn es heiß ist."

Wochenlang hielt sich auch über Russland ein Hochdruckgebiet, sorgte für Hitzewellen und Brände. In weiten Teilen des Landes standen Wälder und Torfflächen in Flammen, durch Moskau zogen Rauchwolken. Vom 26. bis 28. Februar 2010 tobte Wintersturm Xynthia in Europa, richtete Schäden von 4,5 Milliarden US-Dollar an. Alles deutliche Symptome für einen Wandel, den der Mensch mit verursacht. Prof. Harald Lesch: "Der Homo sapiens ist für die Erde wie eine Hormonschwankung: winzig im Vergleich zum Gesamtgewicht, aber extrem aktiv. Er prägt mit seinem unvernünftigen Handeln ein ganzes Erdzeitalter. Vor allem einen derart rapiden Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre hat unser Planet so noch nicht erlebt."

Die Ölpest im Golf von Mexiko gehört ebenfalls in die Krankenakte der Erde. Und wieder hat der Mensch die Hand im Spiel: "Wir gehen viel zu verschwenderisch mit den Schätzen des Planeten um", warnt Physiker Lesch. "Jetzt müssen wir bereits in 1500 Meter Tiefe am Meeresgrund nach Öl bohren. Vielleicht sind es demnächst vier oder fünf Kilometer Tiefe, um die letzten Vorräte zu erschließen." Technische Risiken inbegriffen: Beim Untergang der Bohrplattform "Deepwater Horizon" flossen täglich zehn Millionen Liter Öl ins Meer. Rein statistisch lebt der Mensch sogar so, als hätte er vier Erden zur Verfügung. Er beutet die Vorräte aus, nutzt aber viel zu wenig erneuerbare Energiequellen wie Sonnenlicht. Harald Lesch: "Wir zwingen die Dame Erde praktisch zum Abnehmen. Doch sie würde antworten: Passt auf! Wenn ich hier Masse verliere, ist das gar nicht gut für euch."

Ein mütterlicher Rat

Die Erde wird sich irgendwann vom Menschen erholen. Sie braucht uns nicht. Es ist in unserem eigenen Interesse, ebenfalls in größeren Zeiträumen zu denken und zu handeln. Lesch meint: "Vermutlich würde sie uns jetzt zur Ordnung rufen: Kinder, das reicht! Ihr räumt jetzt das Zimmer auf, und in einer Stunde möchte ich euch beim Essen sehen." Liebevoll, aber streng.

Die Bilanz 2010
Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres entstanden Schäden im Umfang von 70 Milliarden US-Dollar.

  • Januar
  • In Haiti fordert ein Erdbeben 222.570 Todesopfer.

  • Februar
  • In Europa wütet Wintersturm Xynthia. Schäden: 4,5 Mrd. US-Dollar.
    In Chile bebt die Erde. Gesamtschäden: 30 Mrd. US-Dollar.

  • März
  • Auf Island bricht der Vulkan Eyjafjallajökull aus.

  • April
  • In China bebt die Erde. 2700 Menschen sterben. Auch im Juni und Juli treffen Fluten und Erdrutsche das Land.
    Im Golf von Mexiko explodiert eine Bohrinsel. 700 Mio. Liter Öl fließen ins Meer.
    Brasilien sterben 255 Menschen bei schweren Erdrutschen.

  • Mai
  • Unwetter wüten in den USA. Schäden: 2,5 Mrd. US-Dollar.

  • Juli
  • Dauerregen überflutet Pakistan. Die Menschen fliehen.

    Autor: Kai Riedemann