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Terrakotta-Armee in Zentralchina

Chinas sagehafte Terrakotta-Armee. - Foto: ARTE France / © IDBremner

Arte-Doku

Im TV: "Des Kaisers ewige Armee"

Ein Bauvorhaben der Superlative, Jahrtausende alt: Terrakottakrieger sollten Chinas ersten Kaiser im Jenseits beschützen.

Die Terrakotta-Armee in Zentralchina

Bedrohlich und einschüchternd stehen sie in endlosen Reihen da, die lebensgroßen Krieger aus gebranntem Ton. Ihr Blick: grimmig. Ihre Waffen: tödlich. Aufmarschiert sind sie für die Ewigkeit. Die sagenhafte Terrakotta-Armee in Zentralchina bei Xi’an wurde vor 2200 Jahren geschaffen – und gilt als "achtes Weltwunder".

Doch welchen Zweck sollte sie erfüllen? Und wie konnte eine antike Kultur diese technische und künstlerische Meisterleistung vollbringen? Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche. Sie zeigt die neuesten Erkenntnisse von Archäologen und Wissenschaftlern.


TV-Tipp

Sa, 7.06.: "Des Kaisers ewige Armee", 20.15 Uhr Arte (s. auch TV-Tipps rechts)


Einer der größten archäologischen Funde

Über die Jahrtausende geriet die Terrakotta-Armee in Vergessenheit, niemand wusste mehr von ihr. Erst 1974 wurde sie wiederentdeckt, ein reiner Zufall. Bauern gruben auf der Suche nach Wasser einen Brunnen – und stießen auf Unmengen von Terrakotta-Bruchstücken. Einer der größten archäologischen Funde der Moderne überhaupt.

Und noch immer sind längst nicht alle Geheimnisse gelüftet. Der britische Buchautor und Historiker Jonathan Clements erklärt: "Wir erkennen gerade erst, wie großartig die Anlage tatsächlich war. Es ist ein Anblick, der klarmacht: Das alte China war atemberaubend."

Unterirdische Grabanlage von Qin Shihuangdi

Tatsächlich ist die Armee nur ein kleiner Teil der größten jemals gebauten unterirdischen Grabanlage. Der des ersten Kaisers von ganz China: Qin Shihuangdi. Er eroberte im dritten Jahrhundert vor Christus ein riesiges Territorium, um das sich mehrere Reiche gestritten hatten. Clements: "Der erste Kaiser schuf das, was wir heute China nennen." 37 Jahre lang bestimmte er die Geschicke des Imperiums, bereits zu Lebzeiten ließ er sein Mausoleum errichten. Und zwar aus einem pragmatischen Grund: Die Chinesen glaubten an ein Leben nach dem Tod – und dass sie ihren Besitz ins Jenseits mitnehmen konnten. Qin wollte offenbar seinen gesamten Hofstaat um sich haben.

Mehr als 600 Gräber und Gruben umfasst die Anlage insgesamt. "Wir haben Musiker, Gelehrte, Gewichtheber, Schreiber gefunden", berichtet Clements. Und eine gewaltige Armee. Infanteristen, Armbrustschützen, Reiter, Wagenlenker und ihre Pferde. Ursprünglich umfasste die Armee mehr als 9000 Figuren: die persönliche Leibgarde des Herrschers, die ihn vor Feinden in der Unterwelt beschützen sollte. Davon gab es nach der altchinesischen Vorstellung reichlich. Schließlich hatte der Kaiser das Reich blutig geeint – und musste die Rache seiner Opfer fürchten. Deshalb ließ er sein Heer nicht mit Nachbildungen ausstatten, sondern mit echten Waffen. Archäologen haben in den Kammern Schwerter, Lanzen und 40.000 Pfeilspitzen gefunden. Untersuchungen ergaben: Die Klingen waren scharf.

Kaisergrab bis heute ungeöffnet

Die Krieger sind allesamt mindestens 1,80 Meter groß, jeder wiegt rund 200 Kilo. Besonders auffällig: Sie wirken lebensecht – und individuell. Begabte Kunsthandwerker haben Augenausdruck, Nase, Haare, Ohren, Bärte bis ins Detail geformt. Und doch sind die Figuren Massenprodukte. Die Körper sind alle gleich. Kopf, Arme, Beine und Rumpf wurden in einem standardisierten Verfahren hergestellt – und konnten später unterschiedlich miteinander kombiniert werden. So entstand eine beeindruckende Vielfalt. Nachdem die Formen versiegelt wurden, kamen sie für einen Tag in den Ofen, um hartgebrannt zu werden.

Mittlerweile haben Wissenschaftler rund 2000 Figuren wieder zusammengesetzt. So, wie die Krieger heute in Xian stehen, sahen sie allerdings nicht immer aus. Archäologen haben an Fragmenten winzige Farbpartikel gefunden. Das heißt: Ursprünglich waren die Figuren bunt bemalt. Ein immenser Aufwand für ein Leben nach dem Tod. Doch das Bauprojekt hatte seinen Preis: 700.000 Zwangsarbeiter sollen an der Grabanlage geschuftet haben – 38 Jahre lang. "Wenn bei der Arbeit bestimmte Standards nicht eingehalten wurden, waren die Strafen brutal: Verstümmelung, Folter, Hinrichtung", erklärt Jonathan Clements. So wurden die Handwerker zur Perfektion gezwungen.

Doch sein Ziel hat der Kaiser erreicht: Die Armee bewacht noch immer sein eigentliches Grab. In einer Kammer tief unter der Erde soll der Bronzesarg des Kaisers stehen, der bis heute nicht geöffnet worden ist. Und das wird auch so bleiben – bis sich die Wissenschaftler sicher sind, den Inhalt unbeschadet konservieren zu können.

Autor: Manuel Opitz