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Freundschaft fürs Leben: Hunde und Menschen haben eine ganz besondere Beziehung.

Freundschaft fürs Leben: Hunde und Menschen haben eine ganz besondere Beziehung. - Foto © picture alliance / Arco Images G

Freund fürs Leben

Hunde als Seelentröster

Hunde: oft die besseren Partner

Blacky war ein Zufall. Andrea Franke hatte sich gerade zeitweise von ihrem Mann getrennt, wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Just in diesem Moment brachte eine alte Bekannte den schwarzen, struppigen Mischling aus dem Tierheim vorbei: "Eigentlich nur für den Übergang." Da saß er, der verängstigte Welpe. "Aber ich hatte das Gefühl, dass er ganz tief in meine Seele schaut, so als wenn er mir sagen wollte, dass er auch einsam und verlassen sei", erinnert sich die Braunschweigerin. Sie beschloss, Blacky zu behalten. Wenn das Geld knapp war, "kaufte ich lieber eine Dose Futter für ihn als ein Stück Fleisch für mich". Der knopfäugige Rüde half Andrea Franke durch viele schwere Momente: "Durch ihn habe ich zu mir selbst gefunden."

Wie viele der etwa 9,6 Millionen Deutschen, die mit einem Hund zusammenleben, ist sie überzeugt: Die Vierbeiner verstehen uns, können trösten, sind wunderbare Freunde. Hunde ziehen uns in ihren Bann: wenn sie uns mit ihrer kalten Schnauze anstupsen; wenn sie fröhlich mit dem Schwanz wedeln, sobald sie uns hören; wenn sie ihr weiches Fell an uns drücken. "So eine Beziehung findet man mit keinem anderen Tier", weiß der Hundetrainer Martin Rütter, bekannt als "Hundeprofi" des TV-Senders Vox. "Zum einen haben Hunde ähnliche Lebensformen wie wir: Es gibt einen engen Familienbund, bei dem soziale Strukturen wichtig sind. Zum anderen akzeptieren sie den Menschen als vollwertigen Sozialpartner, ziehen ihn manchmal sogar Artgenossen vor."

Hunde: als Helfer längst unverzichtbar

Dafür hat die Zeit gesorgt – die Freundschaft zwischen Hund und Mensch währt nämlich schon Jahrtausende. Das beweisen 15.000 Jahre alte gemeinsame Knochenfunde. 8000 Jahre alte Höhlenmalereien zeigen Vierbeiner und ihre Herrchen als eingespieltes Jagdteam. Ihre Vorfahren, die Wölfe, waren den Menschen fern, doch die Hunde wurden zu perfekten Partnern. Sie schützten die Nachtlager, bewachten Herden, hetzten Beute – von der sie dann etwas abbekamen. Sie lernten: je besser die Zusammenarbeit, desto üppiger das Festmahl. Heute sind Hunde als Helfer längst unverzichtbar: Sie retten Verschüttete aus Trümmern und Lawinen, heitern Depressive und Demenzkranke auf, führen Blinde, begleiten Einsame.

Hund und Mensch haben eine Ko-Evolution durchlaufen, vermutet Kurt Kotrschal, Professor am Department für Neurobiologie und Kognitionsforschung der Uni Wien – sie haben sich also einander angepasst. Das funktionierte, weil schon den Wölfen Teamarbeit im Blut lag. Kotrschal fand Verblüffendes heraus: Je wilder und ungezähmter eine Rasse scheint, umso stärker bezieht sie sich als Haushund auf Herrchen oder Frauchen – aus purer Abhängigkeit. Ausnahme: Typische Familienhunde wie Retriever und Labrador scheinen sich "ihren" Menschen weniger aus Abhängigkeit als aus echter Verbundenheit nahe zu fühlen. Sie versuchen, sich unserem Leben anzupassen, imitieren uns sogar – wie eine österreichische Studie beweist: Hunde, die sehen, dass sich eine Tür mit der Hand öffnen lässt, benutzten dafür nach einer Weile grundsätzlich die Pfote.

Hunde: klüger als Kleinkinder

Ein Hund lernt auch, die Gesten seiner Besitzer zu deuten, versteht, was ein Kopfnicken bedeutet und was wir wollen, wenn wir auf Dinge zeigen. Nicht mal unsere näheren Verwandten, die Schimpansen, sind dermaßen erpicht darauf, uns zu verstehen. Der ungarische Hundeforscher Ádám Miklósi ist überzeugt, dass dieses innige Verständnis bei den Hunden mittlerweile zum Instinkt geworden ist – weil schon Welpen und Junghunde etwas mit menschlichen Signalen anfangen können. Und mit Fotos: Hunde, denen Wissenschaftler Bildern von Frisbeescheiben zeigten, rannten los und kamen mit dem Wurfspielzeug im Maul zurück. Sie sahen in dem Foto nicht nur ein flaches Stück Papier, sondern eine Abbildung. Das schafft nicht einmal jedes Kleinkind.

Hund und Mensch – nie waren sie sich näher. Die Großfamilie ist selten geworden, der Vierbeiner avanciert immer mehr zum echten Mitbewohner: "Der Hund ist heute wichtiger denn je", sagt Rütter. "Er ist nicht mehr nur der Helfer bei der Arbeit. Als Familienhund bringt er Kindern den Umgang mit Tieren näher, bei vielen Singles fungiert er als Partner-, bei Paaren als Kinderersatz. So ist der Hund nicht mehr nur einfach ein Tier, sondern ein vollwertiges Familienmitglied."

Hunde riechen Gefühle

Eine Schweizer Studie belegt: 60 Prozent aller Hundebesitzer feiern sogar den Geburtstag ihres Vierbeiners. Die neue Rolle des Hundes hat Psychologen auf die Idee gebracht, die Beziehungsqualität genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei fand Diplom-Psychologin Dr. Silke Wechsung heraus: 35 Prozent aller Hundehalter sind sehr stark auf ihr Tier fixiert. Für sie ist der Hund engster Freund, ständiger Begleiter – und sogar noch wichtiger als Partner oder Freunde: "Das sagen sogar verheiratete Menschen über ihren Hund. Er scheint vielen etwas zu geben, das menschliche Beziehungen heute nicht mehr hergeben." Etwa das Gefühl, ein Wesen an seiner Seite zu haben, das Stimmungen erspüren kann, das zuhört, einen zutiefst versteht und einen akzeptiert, wie man ist.

Solche extremen Hundefreunde, sagt Wechsung, seien durchaus keine Sonderlinge: "Menschen, die gute Beziehungen zu Hunden haben, sind überdurchschnittlich oft auch gut in zwischenmenschlichen Beziehungen." Und dass der Hund ihnen gewissermaßen tatsächlich zuhört, ist inzwischen sogar bewiesen: Der Vierbeiner erkennt unsere Gefühle am Klang unserer Stimme, an unserem Gesichtsausdruck – vor allem aber an unserem Geruch. "Hunde riechen unsere Emotionen", sagt die Kognitionswissenschaftlerin Alexandra Horowitz (siehe Buchtipp rechts). "Sie haben die außergewöhnliche Fähigkeit, den Hormoncocktail, den wir ausschütten, wahrzunehmen und zu deuten."

Aber wieso scheinen sie manchmal Dinge zu spüren, die in der Luft liegen? "Menschen sind Gewohnheitstiere", erklärt Horowitz. "Wir verhalten uns meist gleich, ob wir uns anziehen oder ausgehen. Hunde sind unglaublich gut darin, sich solche Ereignisketten zu merken. So kommt es uns manchmal vor, als wüssten sie bereits, was wir wollen, bevor es uns selbst klar ist."

Jeder vierte Hund wird nicht artgerecht gehalten

Uschi Meißner aus Bonn fühlt sich von ihrem Bolonka Mischa absolut verstanden. Anfangs sollte er ihr vor allem über große Trauer hinweghelfen – erst war ihr Mann gestorben, dann ihr Haustier, ein Zwergpudel. Schon am nächsten Tag holte sie sich Mischa ins Haus: "Wenn ich weinte, setzte er sich immer neben mich", erzählt die 62-jährige Vermessungstechnikerin. "Er ist ohnehin unglaublich liebevoll. Als ich einen Gipsarm hatte, wollte er nicht mehr mit mir schmusen, er wollte mir wohl nicht wehtun.“ Auch Andrea Franke ist sicher, dass Blacky sie versteht: „Er leckt mir die Hand und betüddelt mich richtig, wenn ich krank bin."

Der Hund kann den Menschen also glücklich machen. Umgekehrt ist das nicht immer der Fall: Jeder vierte Hund, so Psychologin Wechsung, werde nicht artgerecht gehalten, weil die Hundehalter über die Bedürfnisse ihres Tieres einfach nicht richtig informiert sind. 22 Prozent aller Herrchen und Frauchen vermenschlichen ihren Hund, verhätscheln und überfüttern ihn oder staffieren ihn mit teuren, aber sinnlosen Accessoires aus, ohne sich über sein Wohlbefinden wirklich Gedanken zu machen. "Dabei ist der Hund überaus anpassungsfähig und schon mit einfachsten Mitteln glücklich zu machen, etwa mit genügend Betätigung und klaren Regeln", sagt Tiertrainer Martin Rütter (siehe auch Tipps unten). Zur Beziehungspflege gehört natürlich auch das Kuscheln. Gern auch auf der Couch, wie Blackys Frauchen Andrea Franke zugibt: "Warum auch nicht“, sagt sie. "Die Tiere leben ja nicht nur bei uns – sondern mit uns."


Nachgefragt bei Profis: vier goldene Erziehungstipps
Streng sein oder liebevoll? Dem Gefühl folgen oder klaren Regeln? Hier beantworten echte Hundekenner Fragen, die sich jeder Hundehalter irgendwann stellt:

1. Frage: Darf der Hund sein Futter während des Abendbrots unter dem Esstisch bekommen?
Für Hundetrainer Martin Rütter ist das kein Problem – wenn der Mensch das entscheidet und sich nicht vom Tier zu etwas manipulieren lässt, was er nicht möchte.

2. Frage: Darf der Liebling zum Kuscheln mit aufs Sofa?
Die hohen Liegeplätze stehen nur dem Rangoberen zu? Diese "Weisheit" ist überholt. "Zusammenzuliegen ist für Hunde und Wölfe im Rudel absolut normal", sagt Wolfsforscher Günther Bloch.

3. Frage: Darf der Hund seinen Lieblingssessel knurrend verteidigen?
Wenn er knurrt, heißt das: Hier haben sich die Machtverhältnisse gedreht. "Der Mensch hat über die Besitzverteilung zu entscheiden, nicht das Tier", meint Experte Martin Rütter.

4. Frage: Viele Hundetrainer raten: Macht ein Hund etwas, das man nicht will, soll man ihn eine Weile ignorieren. Richtig?
"Eine viel zu harte Strafe", findet Günther Bloch. "Damit isoliert man den Hund." Besser: kurz und klar zeigen, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist.

Autor: Silke Pfersdorf