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Besonders an den kurzen, trüben Wintertagen sorgt viel Sonne für Wohlbefinden.

Heilkräfte des Lichts: besonders an den kurzen, trüben Wintertagen sorgt viel Sonne für Wohlbefinden und ausreichend Vitamin D3. - Foto © picture-alliance/ dpa

TV-Programm: X:ENIUS

Heilkräfte des Lichts

Es werde Licht!“ Nicht von ungefähr wird in der biblischen Schöpfungsgeschichte die Erschaffung des Lichts als Gottes erste Tat genannt. Schließlich ist Licht ein Grundelement allen Lebens, Voraussetzung für alles Wachsen und Gedeihen. Wie sehr wir darauf angewiesen sind, wird uns oft erst bewusst, wenn es fehlt. So wie an den kurzen trüben Wintertagen, wenn die Stimmung immer tiefer sinkt, wir uns müde und antriebslos fühlen. Jeder vierte Deutsche kennt ein solches Wintertief, bei manchen wächst es sich sogar zur behandlungsbedürftigen Depression aus.


TV-Programm: X:enius - Thema des Wissensmagazins:
Beleuchtung - Macht das richtige Licht gesünder? (siehe TV-Tipp rechts)


Das richtige Licht in den eigenen vier Wänden
Beleuchtungsexperte Dr. Jürgen Waldorf im HÖRZU-Interview

HÖRZU: Worauf sollte man bei der Beleuchtung zu Hause achten?

Dr. Jürgen Waldorf: Die wichtigste Überlegung ist sicher: Was will ich mit dem Licht, welche Funktion hat es im Raum? Soll es einen Arbeitsbereich oder Leseplatz ausleuchten, oder soll es eine bestimmte Atmosphäre schaffen?

HÖRZU: Welche Folgen hat das für die Auswahl des Lichts?

Dr. Jürgen Waldorf: Vor allem die Farbtemperatur sollte der Funktion angepasst werden. Warmweiße Leuchtmittel sorgen für eine gemütliche
Stimmung, zum Arbeiten eignen sich kältere Lichtfarben. Wobei ich rate, mit den Lichtfarben zu experimentieren, da sie je nach Leuchtenglas oder -schirm anders wirken.

HÖRZU: Heißt das: keine Energiesparlampen mit eher kaltem Licht im Wohnbereich?

Dr. Jürgen Waldorf: Das war anfangs so, gilt für die neueren Energiesparlampen aber nicht mehr. Lichtleistung und -qualität von Halogenlampen sind allerdings noch unübertroffen: Sie geben die Farben im Raum optimal wieder, verändern nichts.

HÖRZU: Und wofür eignen sich LEDs?

Dr. Jürgen Waldorf: Leuchtdioden sind besonders beliebt für Effekt- und Orientierungsbeleuchtung, ziehen aber zunehmend in die Allgemeinbeleuchtung ein. Ihre Qualität wird immer besser, die Energieeffizienz auch. Sie sind teurer, aber langlebiger – das Leuchtmittel der Zukunft.

HÖRZU: Wie viele Leuchten benötigt man im Wohnbereich? Gibt es hierfür eine Faustregel?

Dr. Jürgen Waldorf: Das Minimum sind zwei Leuchten. Eine davon sollte allerdings unbedingt eine Wand- oder Stehleuchte sein, die ein indirektes Licht wirft. Dimmer sind immer gut, weil sich mit ihrer Hilfe die Stimmung wunderbar variieren lässt. Ist noch ein Essbereich integriert, möglicherweise auch ein Leseplatz, braucht man entsprechend mehr Lichtquellen, um die verschiedenen Zonen bedarfsgerecht beleuchten zu können.

HÖRZU: Braucht man eigentlich beim Fernsehen ein spezielles Licht?

Dr. Jürgen Waldorf: Nicht unbedingt, aber weil das Auge dabei durch Bild- und Helligkeitswechsel ermüdet, ist hier eine zusätzliche Leuchte sinnvoll. Diese sollte so positioniert sein, dass sich das Licht nicht im Bildschirm spiegelt.

HÖRZU: Vielen Dank, Dr. Jürgen Waldorf, für das Interview.


Mediziner sprechen in solchen Fällen von einer saisonal abhängigen Depression (SAD). "Dunkelheit schlägt mit der Zeit aufs Gemüt", bestätigt Dr. Dieter Kunz, Chefarzt der Abteilung Schlafmedizin des St. Hedwig-Krankenhauses Berlin. Trauriger Beleg dafür sind die hohen Suizidraten in den lichtarmen Ländern Skandinaviens. Doch was macht Licht zum Lebenselixier? Warum beeinflusst es unseren Organismus so stark, dass es sogar in der Medizin eingesetzt wird?

"Licht hat einen wach machenden Effekt, es aktiviert unser Gehirn“, erklärt Schlafmediziner Kunz. "Außerdem steuert es den Wach-Schlaf-Rhythmus, stößt das Pendel unserer inneren Uhr jeden Tag neu an." Experimente haben gezeigt, dass diese biologische Uhr bei jedem etwas anders tickt. Bei manchen umfasst ein Wach-Schlaf-Zyklus nur 23, bei anderen dagegen 25 Stunden. Erst durch die Sonne, durch den natürlichen Wechsel von Hell und Dunkel, wird unser inneres Räderwerk mit der 24-stündigen Erdumdrehung synchronisiert.

Licht: auf die Farbe kommt es an

Gerät dieser Rhythmus durch Schichtarbeit oder Lichtmangel dauerhaft aus dem Takt, stellen sich Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen und depressive Verstimmungen ein. Daher verwundert es wenig, dass 75 Prozent aller Blinden an behandlungsbedürftigen Schlafstörungen leiden. Überraschenderweise gibt es aber auch blinde Menschen, deren innere Uhr sehr wohl synchronisiert ist. Die Erklärung dafür liegt in der Art, wie wir Licht wahrnehmen.

Lange kannte man nur zwei Arten von lichtempfindlichen Fotorezeptoren in der Netzhaut: die Zapfen für das farbige Sehen und die Stäbchen für das Dämmerungssehen. Erst vor zehn Jahren entdeckten Wissenschaftler, dass ein kleiner Teil der Ganglienzellen in der Netzhaut ebenfalls auf Helligkeit reagiert. Diese dienen nicht zum Sehen, regulieren aber wichtige biologische Prozesse wie eben die innere Uhr. "Das Interessante ist, dass diese Ganglienzellen besonders fotosensitiv auf Licht aus dem blauen Bereich reagieren", sagt Chronobiologe Kunz. Was wir einfach als Helligkeit oder weißes Licht wahrnehmen, setzt sich nämlich aus einer Mischung farbigen Lichts zusammen, ähnlich dem Spektrum des Regenbogens.

Welche Wirkung Licht auf unseren Organismus hat, hängt ganz wesentlich von der jeweiligen Farbtemperatur ab, die in Kelvin gemessen wird. Je höher der Blauanteil, desto mehr Kelvin – und desto größer der aktivierende Effekt. Denn blaues Licht hemmt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, macht wach und leistungsfähig. Im natürlichen Tageslicht ist der Blauanteil besonders hoch: Bei wolkenlosem Himmel liegt die Farbtemperatur zwischen 15.000 und 25.000 Kelvin, an einem bedeckten Tag sind es noch etwa 7000.

Autor: Judith Heisig