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Glücksbringer Hobby: wer aktiv ist, spürt den Puls des Lebens.

Glücksbringer Hobby: wer aktiv ist, spürt den Puls des Lebens. - Foto © picture alliance / Bildagentur-online

Glücksatlas 2011

Glück und Zufriedenheit der Deutschen

Wer ist denn nun glücklicher: der Weltmeister im Autorennen, der eine Magnumflasche Champagner schüttelt und mit hochgerissenen Armen im explodierenden Schaumbad tanzt? Oder doch eher der Mönch, der in tiefer Versunkenheit meditiert und dabei ein stilles Lächeln zeigt? Glück hat viele Facetten, und stets kommt es auf den Blickwinkel an. Wer in der Nachkriegszeit zum ersten Mal wieder Butter aufs Brot legen konnte und den Komfort einer Zentralheizung genoss, fühlte sich als Schoßkind des Glücks. Heute muss zur Butter noch die Wurst kommen, und die neue Fußbodenheizung macht erst richtig Spaß, wenn zusätzlich ein Kamin flackert.


Zehn Glücksbringer im Überblick

1. Sehr gute Gesundheit - Das ist den Menschen am wichtigsten
2. Ehe und Partnerschaft - Beides gibt Halt und Geborgenheit
3. Treffen mit Freunden und Bekannten - Schenken neue Impulse, verleihen das wärmende Gefühl von Gemeinschaft.
4. Regelmäßiger Sport - Erhält gesund, schüttet Glückshormone aus, strukturiert den Tag.
5. Eigenheim - Verleiht Sicherheit, macht stolz.
6. Autonomie am Arbeitsplatz - Vor allem Selbstständige und Führungskräfte schätzen gestalterischen Spielraum.
7. Gehaltserhöhung - Sie verleiht einem das Gefühl, geschätzt zu werden und erfolgreich zu sein.
8. Freizeitaktivität - Egal ob Kino, Wandern oder Turniertanz: Wer aktiv ist, spürt den Puls des Lebens.
9. Klassische Kultur - Konzerte und Theater weiten den Horizont
10. Religiosität - Verleiht dem Leben Tiefe und Transzendenz

Zehn Glückshemmnisse im Überblick

1. Schlechte Gesundheit - Sie beeinträchtigt die Lebensqualität.
2. Tod des Partners - Zählt zu den größten Lebenskrisen.
3. Arbeitslosigkeit - Zur Angst vor dem finanziellen Absturz kommt die vor sozialer Ausgrenzung.
4. Soziale und kulturelle Isolation - Wer kaum Kontakt zu Freunden hat und kulturell nicht aktiv ist, vereinsamt.
5. Scheidung - Seelischer und existenzieller Super-GAU, häufig mit Sorgerechtsstreit.
6. Alter - Vor allem Menschen in hohem Alter leiden unter den zunehmenden Gebrechen.
7. Behinderung - Einschränkungen gehen meist auch mit dem Gefühl einher, ausgegrenzt zu sein.
8. Kaufkraftverlust - Angestrebte Ziele rücken in weite Ferne, das führt zu Frustration und Depression.
9. Relativer Einkommensverlust - Die Gehaltserhöhung bleibt aus: das nagt am Selbstwert, macht unzufrieden.
10. Langer Arbeitsweg/Pendeln - Unwillen bei mehr als 10 Kilometer Anfahrt.


Aber macht immer mehr Komfort auch immer glücklicher? Die Demoskopin Renate Köcher, die Chefin des Meinungsforschungsinstituts Allensbach, und der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen haben im Auftrag der Deutschen Post AG die erste Untersuchung zur Seelenlage der Bundesbürger vorgelegt. Die wichtigste Erkenntnis des "Glücksatlas Deutschland 2011" (siehe auch Buch-Tipp rechts):

Obwohl unser Lebensstandard seit 60 Jahren stetig wächst, nimmt die Lebenszufriedenheit kaum zu. Auf einer Skala von 0 (ganz und gar unzufrieden) bis 10 (vollkommen zufrieden) geben zwei Drittel der Deutschen ihre Zufriedenheit mit 7 oder höher an. Das Glück ist eben nie perfekt: Wer sich täglich Filetsteak gönnen könnte, leidet unter zunehmendem Stress im Job. Wer in der Villa mit Taunusblick goldene Wasserhähne poliert, hat vielleicht weit und breit keinen, dem er sein Herz auschütten kann.

Glückshauptstadt Hamburg

Nicht jeder hat das Glück, in Hamburg zu leben, jener deutschen Stadt, in der die Menschen angeblich am glücklichsten sind. Und selbst hier soll es Einwohner geben, die ausdauernd über den grauen Himmel stöhnen, statt sich an der schönen Alster zu freuen. Denn unabhängig von den Lebensumständen trägt jeder einen genetischen Bausatz in sich, an dem kaum zu rütteln ist. Stabile oder schwache Gesundheit, Steherqualitäten oder ein Hang zur Depression – alles angeboren. Dennoch gibt es Hilfsmittel, mit denen jeder sein Glückshaus Stein für Stein aufbauen und festigen kann.

Wichtigste Bausteine sind neben dem körperlichen Wohlbefinden die sozialen Kontakte. Was früher die Familie bot – ein warmes Nest, verlässliche Beziehungen, Schutz, Geborgenheit, Halt – wird heute zunehmend durch Freunde gewährleistet. Die Einbindung in soziale Netzwerke, der Austausch zwischen Bekannten, das Engagement in Vereinen, der gute Kontakt zur Nachbarschaft – all das ist essenziell für die Zufriedenheit. Eine erstaunliche Erkenntnis der Glücksforscher: Kinder, über Jahrhunderte als traditionelle Glücksquelle angesehen, sind heute weniger wichtig als angenommen. Paare ohne Kinder sind genauso glücklich wie jene mit zweien.

Glücksbringer Partnerschaft

Am geringsten ist die Zufriedenheit bei Paaren mit einem Kind. Warum das so ist, können die Forscher nur vermuten. Es könnte gut sein, dass die Glücksbilanz der Eltern anders aussähe, wenn sich Familie und Beruf besser vereinbaren ließen, die Ausbildungskosten geringer und im Gegenzug die gesellschaftliche Anerkennung der Erziehungsleistung höher wäre. Wichtiger Faktor für ein gut gewärmtes Lebenshaus ist ein Partner. Als glückbringend werden dabei drei Faktoren genannt: die enge Gemeinschaft, der emotionale Beistand und das sexuelle Begehren.

Am zufriedensten sind verwitwete Menschen, die einen neuen Partner gefunden haben – das zweite oder späte Glück scheint eine besondere Strahlkraft zu haben. Mit deutlichem Abstand am unglücklichsten ist jener Teil der Geschiedenen, der keine neue Partnerschaft eingegangen ist. Überraschend auch die Erkenntnisse, die die Glücksforscher beim Zusammenspiel zwischen Alter und Glück herausfanden. Besonders glücklich sind junge Menschen unter 30 Jahren: Sie tragen bis dahin nur die Verantwortung für sich selbst, haben das Leben noch vor sich und sind weder durch Niederlagen demoralisiert noch von der Verantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Eltern strapaziert.

Genauso glücklich wie die Jungen sind die über 60-Jährigen. Das Berufsleben ist bereits beendet oder klingt aus, die Kinder sind erwachsen, die Existenz ist gesichert – was jetzt noch kommt, ist die Kür. Die mittlere Generation dagegen strampelt in der Rushhour des Lebens: Zwischen 30 und Mitte 50 wird sie in Beruf und Familie gleichermaßen gefordert, hinzu kommen Rückschläge wie ein Jobverlust oder Scheidung – wovon bereits ein Drittel aller Ehen betroffen ist. Wenn es um die zehn größten Stolpersteine zum Lebensglück geht, kommt nach schlechter Gesundheit und dem Tod des Partners an dritter Stelle schon die Arbeitslosigkeit.

Autor: Angela Meyer-Barg