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Bekannt für seine grauen Zellen: Detektiv Hercule Poirot

Bekannt für seine grauen Zellen: Detektiv Hercule Poirot aus den Agatha-Christie-Romanen / Foto: © picture alliance/Mary Evans Picture Library

Die besten Tipps

Gehirnjogging

Da dürften sich viele Choleriker bestätigt fühlen: Streiten macht schlau. Dieser Hinweis stammt von Peter Sturm, Mitbegründer der Gesellschaft für Gehirntraining, und klingt zunächst überraschend. Die Begründung des Diplom-Psychologen ist aber vollkommen logisch: "Selten ist unser Kopf so gefordert wie in einem Gespräch, an dem wir voll und ganz teilnehmen.Gerade bei einem Streitgespräch muss ich zuhören und gleichzeitig meine Gegenargumente im Kopf formulieren.“ Solange es tatsächlich um Argumente und nicht um Lautstärke geht, ist Sturms Fazit über Streitgespräche eindeutig: "Eine gewaltige Leistung des Hirns! Das beste Kopftraining!"

Das Märchen vom Genie

Intelligenz ist Glückssache? Die Wissenschaft weiß es seit einiger Zeit besser. Intelligenz – ein Sammelbegriff für die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen – ist tatsächlich nicht nur davon abhängig, was vererbt wird, sondern auch davon, was wir erlernen. "Wie das Verhältnis genau aussieht, ist unklar", erklärt Prof. Henning Scheich. "Was feststeht, ist aber, dass der angeborene Teil bisher überschätzt wurde. Zudem ist das Verhältnis individuell unterschiedlich: Der eine ist mehr, der andere weniger stark genetisch festgelegt."

Prof. Scheich ist einer der international renommiertesten Lern- und Hirnforscher. Am Leibniz-Institut für Neurobiologie der Universität Magdeburg beschäftigt er sich mit der Untersuchung von Lernprozessen. "Gene sind für den groben Bauplan des Gehirns verantwortlich", sagt er im Gespräch mit HÖRZU, "aber sie können nicht vorhersehen, was einer Person im Lauf des Lebens widerfahren wird."

Das neuronale Netz im Hirn ist zunächst quasi auf Verdacht angelegt. Erst durch Erfahrungen und Eindrücke werden Verbindungen geknüpft. Einige bestehende Verbindungen erweisen sich als unnötig, andere als umso wichtiger. Die erfreuliche Konsequenz: Das geistige Leistungsvermögen lässt sich in allen Bereichen steigern.

Die entscheidende Rolle dabei spielt Dopamin. Dieser biochemische Stoff übermittelt im Gehirn Informationen über Synapsen von Nervenzelle zu Nervenzelle. "Dopamin sorgt für Motivation, etwa wenn wir uns mit einer neuen Problemstellung beschäftigen", erläutert Prof. Scheich. "Bewältigen wir die Aufgabe, sorgt Dopamin für ein positives Gefühl im Körper. Äußere Belohnungen sind also gar nicht entscheidend. Wir fühlen uns durch uns selbst belohnt."

Diese befriedigende Wirkung hat Dopamin im Volksmund auch den Spitznamen "Glückshormon" eingebracht. Doch die Effekte des Wunderstoffs gehen noch weiter. Prof. Henning Scheich: "Dinge, die unter Dopamineinfluss ins Kurzzeitgedächtnis gelangten, werden auch bevorzugt im Langzeitgedächtnis abgespeichert." Wer also seine Intelligenz nachhaltig steigern möchte, sollte darauf achten, sich ständig mit Dingen zu beschäftigen, die für ihn neu sind. Entsprechend sind die Tipps des Gehirnexperten: "Ideal ist es, eine neue Sprache zu lernen. Wer Vokabeln paukt, muss diese speichern und gleichzeitig an eine bestimmte Bedeutung ketten. Trainiert werden also Speicher und Assoziationssysteme. Besser geht es nicht!"

Sudoko macht nicht schlau

Doch auch die Vertiefung eines Hobbys wie etwa der Gärtnerei kann schlauer machen. Aber Prof. Scheich mahnt: "Nehmen Sie das Hobby ernst! Lernen Sie etwa die wissenschaftlichen Fachbegriffe, und entwickeln Sie eine echte Kompetenz auf einem Gebiet, das Ihnen Freude bereitet."

Die bei vielen Zeitungslesern so beliebten Kreuzworträtsel und Sudokus sind also verzichtbar – zumindest für alle, die sich Hoffnung auf eine Intelligenzsteigerung machen. Forscher haben herausgefunden, dass immer nur die Fertigkeit selbst trainiert wird; Effekte auf neue Arten von Problemlösungen gibt es nicht. Grund hierfür sind wieder die biochemischen Prozesse im Kopf: Wer oft Kreuzworträtsel löst, dem winkt beim Lösen eines weiteren Rätsels nur eine geringe Dopaminausschüttung. Ohne diesen Katalysator ist die Speicherung im Langzeitgedächtnis aber eingeschränkt. Für Scheich gilt daher bei jeder Art von Training vor allem: "Routine vermeiden!"

Autor: Michael Tokarski