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Routinecheck beim Augenarzt mit einer Spaltlampe.

Routinecheck: Durch die Spaltlampe kann der Arzt Hornhaut, Linse und Glaskörper in gewünschter Vergrößerung betrachten - Foto © picture alliance / Klaus Rose

Die wichtigsten Warnsignale

Geheimcode unserer Augen

Es ist schon ein seltsames Gefühl: Bei der Vorsorgeuntersuchung genügt dem Arzt ein einziger Blick. Mit dem Mikroskop schaut er einmal tief in die Augen – und erkennt sofort eine Schwachstelle: "Ihr Herz. Suchen Sie bitte einen Kardiologen auf.“ Beunruhigend, aber auch verblüffend: Ermöglichen die Augen, unser Tor zur Welt, einen Blick in unsere Innenwelt?


Irisdiagnose: Das Auge als Landkarte der Organe

In der Alternativmedizin betrachten Heilpraktiker die Iris, auch Regenbogenhaut genannt, sehr genau, um frühzeitig Hinweise auf mögliche Erkrankungen oder Risiken zu bekommen. Für die Analyse benutzen sie eine Topografiekarte mit Feldern, denen bestimmte Organe des Körpers zugeordnet sind. "Man stellt sich die Iris wie das Zifferblatt einer Uhr vor, auf dem die Organe bestimmten Abschnitten zugeteilt werden", erklärt Heilpraktiker Willy Hauser. So können Merkmale wie Flecken, Aufhellungen oder Strukturöffnungen leicht lokalisiert werden. Weiße Flecken liefern etwa Hinweise auf Bindegewebserkrankungen rheumatoider Art oder beschleunigte Abbauprozesse. Die Lage der Organe wird dabei wie die Uhrzeit benannt. Ein Experte liest die Organkarte der Iris etwa so: Ein brauner Fleck auf Position 7.30 Uhr zeigt die Leber als gefährdete Schwachstelle an.


Die Augen sagen alles, weiß der Volksmund und beschreibt damit ein Phänomen, das neue Zeichen in der Diagnosefindung setzen könnte. Mittlerweile belegen Studien, dass die Beschaffenheit der Gewebe im Auge repräsentativ für den ganzen Körper ist und Rückschlüsse auf den Zustand anderer Organe zulässt. "Die Augen", bestätigt Facharzt Dr. Claus Hervatin aus Laatzen, "sind das Fenster zum Körperinneren." Sie können den Weg zu Krankheiten und Schwachstellen weisen.

Allerdings waren ihre Signale vielen bislang rätselhaft: ein Geheimcode, den kaum jemand entschlüsseln konnte. Neuartige Lasertechnik soll jetzt Licht ins Dunkel bringen. Hochaufgelöste 3-D-Bilder, erstellt mit Lasermikroskopen, zeigen erstaunlich detaillierte Schnittbilder von der Netzhaut. Sie erfassen inzwischen 80 Prozent des Augenhintergrundes. Mit herkömmlichen Methoden konnte man bisher nur 15 Prozent in einem Bild darstellen. "Wir dringen heute in den Bereich der kleinsten Blutgefäße und Nervenzellen der Netzhaut vor", sagt Dr. Hervatin.

Das Auge - Spiegel der Gesundheit

"Das Auge ist unser Sinnesorgan zur Auswertung von Lichtreizen und eignet sich deshalb so gut für optische Diagnoseverfahren", weiß Hervatin. Der Mediziner erklärt, welche Leiden in der Netzhaut zu erkennen sind. "Ein zu hoher Blutdruck zeigt sich daran, dass sich die feinen Arterien besonders schlängeln und verengen. Diabetes erkennt man an weißen Ablagerungen und Blutungen." Hinweise auf Autoimmun- oder Herzerkrankungen, Blutgerinnungs- oder Fettstoffwechselstörungen erfasse der Experte etwa daran, dass Arterien und Venen verschlossen oder entzündet sind.

"Nirgendwo sonst im Körper haben wir einen so unverstellten Blick auf die Blutgefäße", sagt Hervatin. Dass das Auge – auch ohne hochmoderne Bildgebungsverfahren – als Spiegel der Gesundheit betrachtet wird, zeigt ein Blick in die Naturheilkunde. "Die Iris offenbart Schwächen, aber auch Stärken unserer Konstitution", sagt Willy Hauser, Heilpraktiker in Heimsheim, und spricht aus uralter Erfahrung. Schon Hippokrates, griechischer Arzt der Antike, soll seinen Patienten tief in die Augen geblickt haben, um so Krankheiten früh erkennen zu können.

Er untersuchte die Iris, auch Regenbogenhaut genannt, auf Veränderungen. Heute weiß man, dass von allen Teilen des Körpers Nervenverbindungen zum Auge führen. Den Beweis dafür hat der deutsche Heilpraktiker Josef Deck 1954 an der Universität Heidelberg erbracht. Nach seinen Beobachtungen läuft die Beziehung zwischen den Organen und dem Auge also nicht über eine "drahtlose" Verbindung, sondern über neuronale Bahnen.

Werden die Augen dadurch zu genialen Spiegeln unseres Körpers? Lassen sich mit einem Blick in die Iris tatsächlich Rückschlüsse auf den Zustand innerer Organe und unsere Konstitution ziehen? Dies zumindest ist der Gedanke der sogenannten Iridologie in der Naturheilkunde. Viele Alternativmediziner arbeiten dabei mit einer Topografiekarte.

Jedes Organ, jeder Körperteil hat seinen Platz in genau definierten Abschnitten. Wie bei der Fußreflexzonentherapie liest der Heilpraktiker die gesundheitliche Konstitution seines Patienten von der Karte ab. Mit bloßem Auge sind mögliche Warnzeichen aber auch bei diesem Verfahren nicht zu erkennen. "Der geschulte Iridologe betrachtet das vitale Auge in der Praxis mit einem Augenvordergrund-Mikroskop, bei Kindern oder Hausbesuchen mit einer Leuchtlupe", so Hauser.

Doch wie kann man lernen, Krankheiten von der Iris abzulesen? Hauser, einst Schüler von Josef Deck und Gründer des Felke-Instituts zur Grundlagenforschung der Iridologie, erklärt es: "Die Iris bietet Strukturmerkmale, die genetisch angelegt sind. Darüber hinaus entstehen Merkmale durch Umwelteinflüsse, Ernährung und andere Faktoren. Je nach Auffälligkeit weisen all diese Merkmale auf genetisch angelegte oder erworbene Organ- und Gewebeschwächen hin." Allerdings hütet sich der geschulte Heilpraktiker davor, aus den Augen eine fertige Diagnose zu stellen. Er kann in ihnen nur Hinweise auf eine ernsthafte Erkrankung erkennen und setzt damit die Irisanalyse zur Befunderhebung ein. Für eine Diagnose sind die üblichen medizinischen Kontrollen nötig.

"Die Irisanalyse ist grundsätzlich Teil einer gesamten Untersuchung mit ausführlicher Anamnese, also Krankheitsgeschichte. Bei uns kostet sie 65 Euro", sagt Hauser. "Im Vordergrund steht die Prävention. Es gilt, Krankheitsneigungen frühzeitig zu erkennen und dem Patienten Empfehlungen zu geben, die seiner Gesundheit guttun."

Iridologie: Welche Zeichen in der Iris sind Warnsignale?

Braune Pigmente können etwa auf eine Funktionsschwäche der Leber hindeuten. Gelbe Pigmente signalisieren den Zustand der Nieren. Orangefarbene Pigmente zeigen ein Manko an der Bauchspeicheldrüse an. "Helle oder weiße Flecken sind sehr häufig. Sie sind Hinweise auf rheumatoide undallergische Entwicklungen“, schildert Experte Hauser. Hinter der Analysetechnik steckt die Idee, dass ein gesundes Organ keine Spuren hinterlässt, wohl aber ein krankes, leistungsschwaches, akut gefährdetes.

Je nachdem, wo die Störung auf der Iriskarte sichtbar wird und in welcher Form – etwa als Fleck, Streifen oder Ring –, kann der Heilpraktiker Defizite der Organe erkennen. "Wenn wir wissen, wo unsere körperlichen Schwachpunkte sind", so Hauser, "können wir rechtzeitig vorbeugen und den Ausbruch von Krankheiten verhindern oder hinauszögern, etwa durch eine Veränderung unserer Lebensweise oder unserer Ernährung."

Mit einem Blick in die Augen eines Menschen dessen Schicksal ablesen zu können – diese reizvolle Vorstellung ist nicht nur eine Vision der Heilpraktiker. Auch die amerikanische Weltraumbehörde Nasa hat bereits eine Spezialbrille für Astronauten entworfen: einen Augenscanner, der eines Tages direkt am Helm befestigt werden soll und der frühen Diagnose von Krankheiten dient. Außerdem haben Forscher jetzt festgestellt, dass Nervenleiden wie Alzheimer und Multiple Sklerose schon frühzeitig Spuren in der Netzhaut hinterlassen. "Das ist durchaus naheliegend", meint Dr. Hervatin. "Alzheimer und Multiple Sklerose sind Erkrankungen des zentralen Nervensystems, das Auge im Grunde ein vorgestülpter Teil davon."

Wird dort eine dünnere Nervenfaserschicht erkannt als bei Gesunden üblich, ist von einem schleichenden Nervenverlust im ganzen Körper auszugehen – also auch im Gehirn. Solche Details lassen sich jedoch erst durch hochmoderne Technik sichtbar machen: mit dem sogenannten Laserscanner. Bei der Untersuchung wird ein Laserstrahl durch die Pupille ins Augeninnere gesendet, was völlig schmerzfrei und ungefährlich ist. Kein Piksen, keine Medikamente zur Pupillenerweiterung, keine Sehbeeinträchtigung.

Die Kosten werden allerdings noch nicht von den Krankenkassen übernommen. "Eine Netzhautuntersuchung mit dem Augenhintergrund-Scanner Optomap kostet etwa 40 Euro, mit der optischen Kohärenztomografie (OCT) in der Regel unter 100 Euro", weiß Hervatin. "Augenärzte, die mit diesen Methoden arbeiten, lassen sich im Internet ausfindig machen. Viele haben sich zu Gerätegemeinschaften zusammengeschlossen. In solchen Augendiagnostikzentren (ADC) werden die modernen Checks angeboten."

Doch es gibt auch eine Reihe von Krankheiten, die der Augenarzt mithilfe der üblichen Spaltlampe "ablesen" kann. Hervatin nennt einige Beispiele: "Knötchen und Entzündungen im Auge sind Warnsignale für Rheuma. Hervortretende Augen sprechen für Schilddrüsenleiden. Gelbfärbung verweist auf Leberschäden oder Gallenprobleme, ein gräulicher Ring der Hornhaut bei jüngeren oder mittelalten Patienten auf Störungen des Fettstoffwechsels. Ein grünlicher Hornhautring zeigt eine Kupferspeicherkrankheit an. Der Patient kann also Kupfereinlagerungen nicht richtig abbauen. Es droht eine Vergiftung." So gesehen sind unsere Augen ein offenes Buch. Und wenn ein Arzt dort Hinweise auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen "liest", empfiehlt es sich, einen Kardiologen aufzusuchen. Am besten gleich.

Autor: Anja Matthies