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Galileo Galilei revolutionierte unser Weltbild – zum Ärger der Kirche.

Galileo Galilei revolutionierte unser Weltbild – zum Ärger der Kirche. - Foto © BR/INTER/AKTION

War er wirklich ein Held?

Galileo Galilei

Galileo Galilei, vor 450 Jahren in Pisa geboren, revolutionierte unser Weltbild – zum Ärger der Kirche. Doch war er wirklich ein Held?

Rom, 22. Juni 1633. In der Basilika Santa Maria sopra Minerva fällt die Inquisition das Urteil über einen der größten Wissenschaftler seiner Zeit: lebenslange Kerkerhaft! Galileo Galilei entgeht dem Scheiterhaufen nur, weil er seine "Irrlehre" von der Erde, die sich um die Sonne drehe, widerruft. "Und sie bewegt sich doch!", murmelt der unbeugsame Rebell gegen die Kirche, als er den Raum verlässt. So weit der Mythos.
Doch wie sieht die Wahrheit aus? Wer war der Mann wirklich, der vor genau 450 Jahren, am 15. Februar 1564, in Pisa geboren wurde?

Fest steht: Galilei, Sohn eines Musiktheoretikers, zählt zu den Begründern der modernen Naturwissenschaft. Nach einem abgebrochenen Medizinstudium widmet er sich leidenschaftlich der Mathematik und Mechanik. Denn nur damit könne man im Buch des Universums lesen: "Es ist in der Sprache der Mathematik geschrieben, und Zwischen Wahrheit und deren Buchstaben sind Kreise, Dreiecke und andere geometrische Figuren." Galilei lehrt ab 1589 als Mathematiklektor an der Universität Pisa, wechselt 1592 auf einen Lehrstuhl in Padua, wird 1610 vom ehemaligen Schüler Cosimo II. de’ Medici zum Hofmathematiker in Florenz ernannt.


Galileo

Galileo Galilei ist vor 450 Jahren geboren - Foto © BR/INTER/AKTION


Himmelsrätseln auf der Spur

Und er experimentiert, bastelt, erfindet. So baut er eine schiefe Ebene für Experimente zu Fallgesetzen und erkennt: Alle Körper fallen im Vakuum gleich schnell, egal wie schwer sie sind. Galilei erfindet einen Proportionalzirkel, tüftelt an einer Pendeluhr und einem eher ungenauen Flüssigkeitsthermometer, das noch heute als "Galilei- Thermometer" in unseren Läden steht.

1609 gilt dann als Wendepunkt. Der Mathematiker baut in seiner Werkstatt ein Fernrohr, schleift später auch die Linsen selbst. Sensationelle Erfindung? Nicht ganz. Die Idee stammt aus Holland, Galilei kopiert nur das Teleskop des Brillenmachers Hans Lippershey. Trotzdem führt er den Mächtigen von Venedig sein Meisterwerk auf dem Turm von San Marco vor, rühmt die militärische Bedeutung – und schenkt ihnen die Rechte. Lohn: eine Anstellung auf Lebenszeit.

Das Fernrohr eröffnet ihm im wahrsten Sinne des Wortes neue Welten. Nächtelang beobachtet Galilei damit den Himmel. Seine astronomischen Entdeckungen: Der Mond ist keine glatte Kugel, sondern von Klüften und Kratern übersät. Die Milchstraße ist kein nebliges Gebilde, sondern besteht aus unzähligen Sternen. Jupiter wird von Monden umkreist.

Zu Ehren seiner Gönner nennt Galileo die vier kleinen Himmelskörper die "Mediceischen Gestirne". Im März 1610 veröffentlicht er die Erkenntnisse mit seinen Mondzeichnungen im Band "Sidereus Nuncius" – "Sternenbote".

Doch der übereifrige und ruhmsüchtige Wissenschaftler will mehr. Er stellt die Lehrmeinung der Kirche infrage. Nach deren ptolemäischem Weltbild steht die Erde im Mittelpunkt des Universums. Sonne, Mond und Planeten umkreisen sie. Galilei jedoch favorisiert ein heliozentrisches Weltbild: Die Sonne bildet das Zentrum und wird von der Erde umkreist. Neu? Keineswegs. Schon Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543) beschrieb dieses Modell, Johannes Kepler (1571 – 1630) entwickelte es entscheidend weiter.


Galileo

Galileo Galilei: Zwischen Wahrheit und Legenden - Foto © BR/INTER/AKTION


Glauben auf dem Prüfstand

Argwöhnisch beobachtet die Kirche das Treiben der Astronomen, denn die neue Sichtweise steht im Widerspruch zur Bibel. Auch Galilei muss sich fügen, als ihn Kardinal Robert Bellarmin im Februar 1616 offiziell ermahnt. Ein erbitterter Feind des Glaubens ist der Forscher allerdings nicht. Im Gegenteil: Er gilt als gläubiger Katholik, Kardinal Maffeo Barberini, der spätere Papst Urban VIII., gehört sogar zu seinen Bewunderern. Deshalb fühlt sich Galilei wohl auf der sicheren Seite, als er ab 1626 an seinem "Dialog über die zwei wichtigsten Weltsysteme" schreibt. Er wählt dabei einen Trick: In Form eines Streitgesprächs lässt er Adelige die Theorien diskutieren. Mathematische Gedankenspiele erlaubt schließlich auch die Kirche. Fatal nur, dass ausgerechnet der Dummkopf Simplicio das alte Weltbild vorträgt und bei manchen Argumenten an Papst Urban erinnert.

Das Heilige Offizium, Vorläufer der heutigen Glaubenskongregation, bestellt Galilei nach Rom. Drei Monate dauern die Verhöre – bis der Widerstand des Wissenschaftlers bricht: "Ich … schwöre, dass ich immer geglaubt habe, auch jetzt glaube und mit Gottes Hilfe auch in Zukunft glauben werde, alles, was die heilige katholische und apostolische Kirche für wahr hält, predigt und lehrt."

Ein Widerruf unter der Folter? Nein. Galilei residiert während des Prozesses in luxuriösen Räumen der Inquisition, fürs leibliche Wohl sorgt die florentinische Botschaft. Auch für den berühmt gewordenen Ausspruch "Und sie bewegt sich doch!" gibt es keinerlei Beweise. Das Bild vom Märtyrer, der angekettet im Kerker hockt, gehört ins Reich der Legenden. Die angedrohte Haft wird schnell in Hausarrest umgewandelt.

Im Dezember 1633 darf Galilei in seine Villa "Il Gioiello" in Arcetri zurückkehren. Dort arbeitet er, fast völlig erblindet und einsam, an seinem physikalischen Hauptwerk über Mechanik und Fallgesetze. Schon kurz nach seinem Tod am 8. Januar 1642 beginnt dann die Verklärung des Gelehrten zum unbeugsamen Helden. Das Florentiner Museo Galileo präsentiert noch heute den rechten Mittelfinger Galileo Galileis – wie die Reliquie eines Heiligen.

Autor: Kai Riedemann