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Marinus van der Lubbe wurde 1933 als Brandstifter zum Tode verurteilt.

Marinus van der Lubbe wurde 1933 als Brandstifter zum Tode verurteilt. / Foto: © picture-alliance / akg-images

Teil 3 der neuen HÖRZU-Serie

Fünf weitere Geheimnisse der deutschen Geschichte

Teil 3 der HÖRZU-Serie über Rätsel der Vergangenheit: Wer setzte den Reichstag in Brand? Wie starb Rudolf Diesel wirklich?

12. Wer zündete den Berliner Reichstag an?

Berlin, 27. Februar 1933, gegen 21.30 Uhr. Der Reichstag brennt. Aus der monumentalen Kuppel schlagen Flammen und färben den Himmel rot. Am Tatort stellt die Polizei einen Verdächtigen: Der junge Holländer Marinus van der Lubbe gibt zu, das Feuer gelegt zu haben. Allein. Bis heute streiten Historiker, ob es Hintermänner gab. Oder steckten die Nationalsozialisten selbst hinter der Tat?

Der Verdacht kommt auf, weil das NS-Regime den Vorfall virtuos für eigene Zwecke nutzt. Noch in derselben Nacht verhaften Polizeikommandos linke Funktionäre. Am folgenden Tag erwirkt Reichskanzler Adolf Hitler vom Reichspräsidenten die "Verordnung zum Schutz von Volk und Staat". Damit werden faktisch alle Grundrechte aufgehoben. Offiziell soll damit die "Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte" erleichtert werden. Doch der Ausnahmezustand, der bis 1945 in Kraft bleibt,besiegelt das Ende des Rechtsstaats und legitimiert die Verfolgung politischer Gegner – bis zur Haft in Konzentrationslagern.

Brand des Berliner Reichstages

Der Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 gibt immer noch Rätsel auf. / Foto: © dpa - Fotoreport

Vor Gericht schildert van der Lubbe minutiös, wie er das Feuer legte. Vom ersten Brandherd im Reichstagsrestaurant über seinen Weg zum Plenarsaal bis zur Verhaftung im Bismarcksaal. Angeblich wollte er die geknechtete Arbeiterklasse wachrütteln. Wegen Hochverrats wird er zum Tod verurteilt und am 10. Januar 1934 in Leipzig hingerichtet. Zweifel bleiben. Wie findet sich der sehbehinderte Holländer in dem unbekannten Gebäude so gut zurecht? Wie schafft er es, aus dem Plenarsaal in wenigen Minuten ein Feuermeer zu machen? Sind im Gebäude schon vorher Brandbeschleuniger versteckt worden? Eindeutige Beweise für Hintermänner oder die Mittäterschaft der Nationalsozialisten fehlen trotzdem. Vier ebenfalls angeklagte Kommunisten werden am 23. Dezember 1933 sogar freigesprochen.

Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven (hier um 1804) komponierte seine größten Meisterwerke taub. / Foto: © picture alliance / akg

13. Wie konnte Beethoven als tauber Musiker so genial sein?

Wien, 26. März 1827: Ludwig van Beethoven, berühmtester Komponist seiner Zeit, stirbt nach schwerer Krankheit. Im Nachlass taucht ein Dokument auf, das er jahrelang unter Verschluss hielt – ein Testament, verfasst als Abschiedsbrief. Verzweifelt schildert Beethoven darin seine Taubheit: "Wie traurig muss ich leben. Von allem muss ich zurückweichen. Es fehlte wenig und ich endigte selbst mein Leben." Datiert ist das Schreiben auf den 6. Oktober 1802. Da hat er die meisten bahnbrechenden Werke wie seine Sinfonien, Klaviersonaten oder die Oper "Fidelio" noch gar nicht erschaffen.

Der Musiker verliert sein Gehör also viel früher als geahnt, hält seine Probleme aber zunächst geheim – vor Gönnern, Kollegen, Publikum. Hohe Töne kann er kaum noch hören, laute Geräusche schmerzen, der Tinnitus wird zur Qual. Beethoven lässt sich spezielle Hörrohre anfertigen. Er nutzt beim Spielen einen Holzstab, um die Vibrationen des Flügels auf seine Zähne zu übertragen. Für das Geheimnis der Meisterwerke haben Musikwissenschaftler allerdings eine andere Erklärung: Das Genie "hört" seine Musik im Kopf. Deshalb werden die Spätwerke auch immer radikaler und rätselhafter. Sie kommen direkt aus der Vorstellungskraft.

Martin Luther

Um den Reformator Martin Luther (1483-1546) ranken sich zahlreiche Legenden. / Foto: © picture alliance / akg

14. Warf Martin Luther wirklich mit dem Tintenfass nach dem Teufel?

Eisenach, 1521: Auf der Wartburg arbeitet Martin Luther fieberhaft an seiner Bibelübersetzung. Er hält sich inkognito als "Junker Jörg" hinter den trutzigen Wehrmauern auf, um dem Bann des Papstes und den Häschern des Kaisers zu entgehen. Als der Theologe ein unheimliches Kratzen und Schaben hört, steht für ihn fest: Das ist der Teufel, der ihn an der Vollendung des Werkes hindern will. Beherzt greift er nach dem Tintenfass und schleudert es gegen die Wand. Wo eben noch schattenhaft die satanische Fratze drohte, prangt jetzt ein Tintenfleck.

Jahrhundertelang bestaunten Besucher der Wartburg den blauen Klecks in der Lutherstube. Doch vermutlich gehört die Geschichte vom vertriebenen Teufel zu den zahlreichen Legenden und Irrtümern, die sich um den Reformator ranken. Erst im 17. Jahrhundert wird sie erstmals erzählt, Luther selbst erwähnt das Ereignis mit keinem Wort. Es ist sogar fraglich, ob der Fleck überhaupt aus seiner Zeit stammt. Wie oft die Tinte übermalt und aufgefrischt wurde, weiß niemand genau. Seit über 100 Jahren erkennt man die Stelle an der Kaminwand nur noch, weil dort der Putz fehlt. Fest steht aber auch: Martin Luther fühlt sich schon seit Kindertagen von dunklen Mächten und Dämonen verfolgt. Immer wieder überfallen den Reformator Zweifel und Depressionen. Als er sich in die Wartburg zurückzieht, wachsen seine Ängste vielleicht sogar noch. Hinter jedem Poltern in dem einsamen Gemäuer sieht er das Treiben des Teufels. Dessen Vertreibung kann aber auch bildlich gemeint sein: Luther bekämpft den Satan mit Tinte – durch seine Übersetzung der Heiligen Schrift.

Kannibalen

Kannibalen: Illustration aus einer frühen Ausgabe des Reiseberichts von Marco Polo (1254-1324) / Foto: © picture alliance / akg

15. Gab es einst Kannibalen in der Pfalz?

Herxheim, 1996. Bei Ausgrabungen in einer steinzeitlichen Siedlung stoßen deutsche Archäologen auf Massengräber. Das Makabere an den Überresten von mehr als 500 Männern, Frauen und Kindern: Ihnen wurde das Fleisch von den Knochen geschabt – wie bei Schlachtvieh. Was sich vor rund 7000 Jahren bei den ersten Ackerbauern der Pfalz abspielte, bleibt bis heute rätselhaft. "Unser Material legt die Hypothese nahe, dass es sich um Kannibalismus im Rahmen eines einzigartigen Rituals handelt", erklärt die Grabungsleiterin Andrea Zeeb-Lanz. Zum Ritual gehörte auch das Zerstören von Keramik und Steinbeilen.

Und es kommt noch verwirrender: 90 Prozent der Opfer waren keine Einheimischen. Zahnanalysen beweisen, dass sie aus den Mittelgebirgen stammen. Wer waren die Toten von Herxheim? Der Kannibalenspuk dauerte übrigens nur 50 Jahre. Dann verschwand das Steinzeitdorf wieder von der Bühne der Geschichte.

Rudolf Diesel

Ertrank Erfinder Rudolf Diesel (1858-1913) tatsächlich im Ärmelkanal? / Foto: © picture-alliance / akg

16. Wie starb Rudolf Diesel?

Ärmelkanal, 29. September 1913. Das Fährschiff "Dresden" ist auf dem Weg von Antwerpen ins britische Harwich. An Bord befindet sich auch der deutsche Ingenieur Rudolf Diesel. Ein heikles Unterfangen, denn der Erste Weltkrieg wirft seine Schatten voraus. Am Abend bittet Diesel die Besatzung, ihn früh zu wecken. Es ist das letzte Mal, dass der Erfinder des revolutionären Verbrennungsmotors lebend gesehen wird.

Der Fall bietet reichlich Stoff für Verschwörungstheorien. Bringt sich Rudolf Diesel um, weil er trotz aller Erfolge kurz vor dem finanziellen Ruin steht? Wird er von deutschen Agenten ermordet, weil er seine Patente auch nach England und Frankreich verkaufte? Seit dem Jahr 1911 zeigt bereits die "MS Selandia", das erste hochseetüchtige Schiff mit Dieselmotor, wie sehr seine Erfindung die weltweite Schifffahrt verändern wird (siehe TV-Tipp). Die zeitgenössische Presse spekuliert über Geheimdienstler, Auftragskiller aus der Industrie und neidische Konkurrenten als Täter. Ein Detektivspiel ohne Spuren.

Erst zwei Wochen später entdeckt das niederländische Lotsenboot "Coertsen" eine Leiche im Ärmelkanal. Die Besatzung birgt Kleider sowie Taschenmesser, Brillenetui und Geldbörse. Besitzer: Rudolf Diesel. Doch die Seeleute übergeben den entstellten Toten anschließend wieder dem Meer. War es wirklich der deutsche Ingenieur?

Autor: HÖRZU