HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Der Unfallwagen von Lutz Eigendorf

Der Unfallwagen von Lutz Eigendorf. Wurde der DDR-Fußballstar von der Stasi ermordet? - Foto: © dpa - Sportreport

Letzter Teil der neuen HÖRZU-Serie

Fünf Geheimnisse der deutschen Geschichte

Schiffskatastrophen, Sagen, Sonnenkult: Rätsel aus sieben Jahrtausenden im letzten Teil der packenden HÖRZU-Serie.


TV-Tipp: "Die Geschichte der Menschheit"

Zwölfteilige Doku über den Aufstieg der Zivilisation
Mittwoch, 6.11., ZDF INFO 18.45 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


1. Warum ging das so mächtige Handelsimperium der Hanse unter?

Schiff der Hanse
Ein Hanseschiff im 13. Jahrhundert. Bildpostkarte nach einem Gemälde von Christopher Rave. - Foto: © picture alliance / akg-images

Hamburg, 1401. Auf dem Richtplatz vor der Hafeneinfahrt findet der gefürchtete Seeräuber Gödeke Michels ein unrühmliches Ende. Jahrelang hat er mit seinen Vitalienbrüdern die Schiffe der Hansestädte geentert. Und jetzt verliert er im wahrsten Sinn des Wortes seinen Kopf.

Der Schutz vor Überfällen gehört von Anfang an zu den Aufgaben des Kaufmannsbundes. "Hanse" bedeutet "Zusammenschluss". Und so beginnt im 12. Jahrhundert auch alles mit solchen Zusammenschlüssen einzelner Kaufleute, die auf gefahrvollen Reisen den Schutz der Gruppe suchen und ihre Interessen am Zielort vereint besser vertreten wollen.

Sie bilden lose "Fahrgemeinschaften". Deshalb gibt es auch kein offizielles Gründungsdatum der Hanse. Erst um 1250 entwickelt sich daraus der eigentliche Städtebund. Die Kaufleute werden sesshafter, gründen zentrale Handelshäuser und entsenden ab da nur noch ihre Vertreter in die Welt.

Zur Blütezeit besteht dieses Bündnis aus rund 200 Städten. Und das nicht nur im Nord- und Ostseeraum. Köln, Düsseldorf, Dortmund, Osnabrück, Braunschweig – sie alle gehören zur Hanse, die im 14. Jahrhundert weitgehend den Handel von Portugal bis Russland, von Skandinavien bis Italien kontrolliert.

Am grundsätzlichen Problem ändert dieser Erfolg allerdings wenig: Der Bund bleibt weiterhin eine lockere Interessengemeinschaft. Satzung? Gemeinsame Kassen? Verbindliche Beschlüsse? Führungspersönlichkeiten? Keine Spur. Ein- und Austritte sind an der Tagesordnung, beraten wird nach Bedarf auf sogenannten Hansetagen.

Erst 1556 tritt der Kölner Heinrich Sudermann erstmals das Amt eines Syndikus der Hanse an – ihr erster "leitender Angestellter". Zu diesem Zeitpunkt ist der Niedergang schon nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr drängen zentral regierte Nationalstaaten den Einfluss der Städte zurück. Auf den neuen Überseehandel etwa mit Amerika lässt sich die einst so stolze Hanse nicht ein, die Konkurrenz auf den Meeren wächst.

Beim letzten Hansetag am 29. Mai 1669 treffen sich nur noch Vertreter von Lübeck, Bremen, Hamburg, Danzig, Rostock, Braunschweig, Hildesheim, Osnabrück und Köln. Nach über 400 Jahren versinkt der Bund endgültig in der Bedeutungslosigkeit.

2. War der Rattenfänger von Hameln ein Kidnapper?

Rattenfänger von Hameln
Der Rattenfänger von Hameln entführt die Kinder. - Foto: © picture alliance / akg-images

Hameln, 26. Juni 1284: Weil sich ein Rattenfänger um seinen versprochenen Lohn geprellt sieht, rächt er sich grausam. Er lockt 130 Kinder der Stadt mit seiner Flöte ins Verderben. Sie verschwinden spurlos. Von diesem gar schaurigen Ereignis berichten später auch die Brüder Grimm in ihren "Deutschen Sagen".

Das exakte Datum in den Quellen suggeriert einen historischen Kern. Ganz so "authentisch" ist die Geschichte allerdings nicht: Sie verknüpft zwei Ereignisse, die ursprünglich gar nichts miteinander zu tun haben. In den ersten Überlieferungen ist nämlich nur vom Auszug der Kinder die Rede. Ratten? Keine Spur. Erst im 16. Jahrhundert kommen die grauen Plagegeister ins Spiel.

Und die Entführung? Viele Historiker halten eine Anspielung auf die damalige Ostkolonisation für möglich. Gerade junge Leute werden in jener Zeit angeworben, um in Richtung Brandenburg, Mähren oder Siebenbürgen zu ziehen. Sogenannte Lokatoren, bunt gekleidet und laut, locken junge Siedler mit allerlei Versprechungen – so wie der Rattenfänger die Kinder von Hameln mit seiner Pfeife.

Sprachforscher haben nachgewiesen: Typische Ortsnamen aus der Hamelner Region tauchen vor allem im heutigen Brandenburg auf. Eine ganze Generation verlässt im 13. Jahrhundert die Heimat, um weiter im Osten ein neues Leben zu beginnen. Zurück bleiben die traurigen Verwandten. Und eine Sage.

3. Ermordete die Stasi den DDR-Fußballstar Lutz Eigendorf?

Lutz Eigendorf
Lutz Eigendorf bei seiner Vorstellung als Neuzugang beim 1. FC Kaiserslautern. - Foto: © picture alliance / Sven Simon

Braunschweig, 5. März 1983. Auf regennasser Fahrbahn kommt Fußballprofi Lutz Eigendorf mit seinem Alfa Romeo GTV 6 von der Straße ab und prallt gegen einen Baum. Zwei Tage später erliegt er im Krankenhaus seinen Verletzungen – tragischer Höhepunkt einer Politaffäre. War es kein Verkehrsunfall, sondern Mord?

Rückblende: Im März 1979 nutzt Lutz Eigendorf, gefeierter DDR-Nationalspieler, eine Westreise des Berliner FC Dynamo zur Flucht. Für das Regime in Ostberlin ist das gleichbedeutend mit Hochverrat. Geheime Stasiakten belegen, dass er von jenem Tag an rund um die Uhr observiert wird. Über 50 Spitzel sind im Lauf der Jahre auf den Fußballspieler angesetzt, der erst für den 1. FC Kaiserslautern, dann für Eintracht Braunschweig spielt. Auch seine Frau Gabriele wird überwacht. Das Ministerium für Staatssicherheit will den Verräter mit allen Mitteln zum Schweigen bringen. Denn Eigendorf provoziert die DDR-Oberen.

Wenige Tage vor seinem Tod gibt er dem ARD-Magazin "Kontraste" ein kritisches Interview – direkt vor der Berliner Mauer. Im Hintergrund sieht man das Stadion seines alten Vereins. Fast wie eine Aufforderung an die alten Kollegen: Ich hab’s geschafft, folgt mir in den Westen. Sein Todesurteil?

Der Verdacht: Stasiagenten flößen Eigendorf in einer Gaststätte unbemerkt einen Mix aus Alkohol und Gift ein und blenden ihn später gezielt in einer unübersichtlichen Kurve. Beweise für diese Mordtheorie fehlen. Zumal weder eine Obduktion des Toten noch eine ausführliche kriminaltechnische Untersuchung stattfindet. Auch entsprechende Stasiakten verschwinden spurlos – ausgerechnet aus den brisanten Jahren 1980 bis 1983.

4. Stand in Goseck das Stonehenge Deutschlands?

Goseck
Das mit 7.000 Jahren älteste Sonnenobservatorium der Welt in Goseck. - Foto: © dpa - Report

Sachsen-Anhalt, 1991. Bei einem Erkundungsflug entdecken Luftbildarchäologen rätselhafte Bodenverfärbungen. Ausgrabungen bringen die sensationelle Wahrheit ans Licht: In unmittelbarer Nähe der heutigen Gemeinde Goseck lag einst eine kreisförmige Anlage mit rund 75 Metern Durchmesser – Europas ältestes Sonnenobservatorium.

Vor 6900 Jahren errichteten die Menschen hier ein Monument, das an die berühmten Steinkreise von Stonehenge in England erinnert. Forscher rekonstruierten die Kreisgrabenanlage: Im Inneren liegen zwei Ringe aus Holzpalisaden, die an drei Stellen durch aufwendige Tore unterbrochen sind. Astrophysiker der Ruhr-Universität Bochum fanden heraus, dass diese wie eine Visiereinrichtung auf die Sonne ausgerichtet sind. Von der Mitte aus gesehen markiert das Südosttor exakt den Punkt, an dem damals zur Wintersonnenwende am 21. Dezember die Sonne aufging. Das Südwesttor zeigt an, wo sie am selben Tag unterging. Das dritte Tor weist nach Norden.

Wurde die Kultstätte für astronomische Beobachtungen genutzt? Verfügten gar die ersten bäuerlichen Gemeinschaften Mitteldeutschlands bereits über verblüffende Kenntnisse der Jahreszyklen? Der Fundort der berühmten Himmelsscheibe von Nebra liegt nur 25 Kilometer Luftlinie entfernt.

Vermutlich fanden im Palisadenkreis von Goseck auch geheimnisvolle Rituale statt. Derartige Anlagen waren in der Jungsteinzeit meist Zentren großer Siedlungsgebiete und wichtige Versammlungs- und Kultplätze. Hier vermischten sich Astronomie und Mythologie. Das beweisen makabere Funde aus ganz Europa: Reste von Tier- und Menschenopfern.

Wer die rekonstruierte Anlage besichtigt, gerät noch heute in den Bann dieses 7000 Jahre alten Zaubers.

5. Wieso musste der Luxusdampfer "Lusitania" untergehen?

Lusitania
Zeichnung: Ein Torpedo trifft den der Luxusdampfer "Lusitania". - Foto: © picture alliance / Everett Collection

Südküste Irlands, 7. Mai 1915. Die "RMS Lusitania", einer der größten und modernsten Luxusliner der Welt, gerät in die Schusslinie des deutschen U-Boots "U 20". Schon der erste Torpedo trifft. Kurz darauf besiegelt eine gewaltige zweite Explosion das Schicksal des britischen Passagierschiffs. Die "Lusitania" sinkt innerhalb von nur 18 Minuten. Rund 1200 Menschen reißt sie mit in den Tod, darunter 128 US-Amerikaner. Seitdem halten sich hartnäckig Gerüchte: Provozierte England den Zwischenfall, um die USA zum Kriegseintritt zu bewegen?

Vertreter dieser Verschwörungstheorie verweisen auf zahlreiche Ungereimtheiten: Der damalige Marineminister Winston Churchill beorderte einen Kreuzer, der Geleitschutz geben sollte, zurück. Obwohl den Engländern die genaue Position von "U 20" bekannt war, steuerte die "RMS Lusitania" direkt vor die deutschen Torpedorohre. Und "Rache für die ‚Lusitania‘!" wurde zum zentralen Schlachtruf der Propaganda.

Rätselhaft bleibt auch die Zerstörungskraft der zweiten Explosion. Alle Dokumente deuten darauf hin, dass "U 20" nur einen einzigen Torpedo abfeuerte. Möglicherweise bestand die angeblich so harmlose Ladung des Schiffes in Wirklichkeit aus mehreren Tonnen Munition, die von New York nach Liverpool geschafft werden sollten.

Taucher und Forschungs-U-Boote konnten die Geheimnisse bislang nicht lüften: Das Wrack des Passagierdampfers liegt zwar in nur 90 Meter Tiefe, besteht aber bloß noch aus einem Trümmerfeld.

6. Warum suchte Hitler nach dem Heiligen Gral?

Montsegur
Ist die Festung Montségur in den Pyrenäe die legendäre Gralsburg? - Foto: © picture alliance / akg-images

Berlin, 14. August 1943. Auf einer geheimen Sitzung werden Pläne für die "Adolf-Hitler-Religion" geschmiedet – der Führer als Erlöser und neuer Messias. Im Protokoll heißt es: "Als Vorbild des Gottgesandten möge die Figur des Gralsritters Lohengrin dienen."

NS-Ideologen finden früh Gefallen am Gralsmythos. Magische Kräfte, Glück, Unsterblichkeit, all das versprechen Legenden dem Finder. Mal ist das Objekt der Begierde eine reich verzierte Schale, mal ein Kelch, in dem Christi Blut aufgefangen wurde. Die Ursprünge liegen im Dunkeln.

Genau da hakt die Suche der Nazis ein: In den 1930er-Jahren schickt Heinrich Himmler, Reichsführer-SS, Expeditionen aus, die den Wurzeln der arischen Rasse nachspüren sollen. In Frankreich durchstöbert Gralsexperte Otto Rahn Höhlen und Archive. Die Festung Montségur in den Pyrenäen, so ist er überzeugt, muss die legendäre Gralsburg sein. In seinem Buch "Kreuzzug gegen den Gral" spekuliert er sogar über eine alte Untergrundreligion arisch-westgotischen Ursprungs. So wird aus dem Mythos die Reliquie eines unheilvollen Herrenrassenkults.

Autor: HÖRZU