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Adolf Hitler 10 40 im besetzten Paris vor dem Eiffelturm.

Propaganda: Am 23. Juni 1940 lässt sich Adolf Hitler im besetzten Paris vor dem Eiffelturm fotografieren. - Foto © picture-alliance

Teil 1 der neuen HÖRZU-Serie

Fünf Geheimnisse der deutschen Geschichte

Aktenzeichen D … ungelöst. Viele Ereignisse unserer Vergangenheit stecken immer noch voller Rätsel. Von Königsmord bis Hexenwahn – Teil 1 der neuen HÖRZU-Serie mit den ersten fünf von 22 Geheimnissen der deutschen Geschichte.

1. Wie starb Bayerns Märchenkönig Ludwig II.?

Bayerns Märchenkönig Ludwig II.

Schicksal: Kurz vor dem Tod musste Ludwig II. sein Traumschloss Neuschwanstein verlassen. - Foto © picture alliance / Quagga Illustrations

Starnberger See, 13. Juni 1886, gegen 23 Uhr. Im seichten Wasser finden Suchtrupps die Leiche des Bayernkönigs. Auch sein Psychiater Bernhard von Gudden kann nur noch tot geborgen werden. Hat der geistig verwirrte Ludwig II. den Freitod gewählt? Wollte ihn sein Begleiter zurückhalten und ertrank dabei selbst? Oder war es gar Mord? "Ein ewig Rätsel will ich bleiben mir und anderen", hatte Ludwig einst an seine Erzieherin geschrieben. Ein Vorsatz, dem er sogar im Tod treu blieb. Alles beginnt auf Neuschwanstein. Dort verkündet Prof. von Gudden dem Monarchen am 11. Juni 1886, dass eine Gutachterkommission ihn für "seelengestört" und "unheilbar" erklärt hat. Ludwig II. wird abgesetzt und auf Schloss Berg am Starnberger See in Gewahrsam genommen. Sein Onkel Luitpold übernimmt als Prinzregent die Macht. Nach heutigen Maßstäben sind die ärztlichen Gutachten Makulatur. Doch schon allein der finanziell ausufernde Bau seiner Märchenschlösser wie Neuschwanstein liefert genug Indizien für die angebliche Geisteskrankheit.

Am zweiten Tag seines Arrests bricht Ludwig dann mit von Gudden zu jenem Abendspaziergang auf, von dem beide nicht mehr zurückkehren. Ein Großteil der Königstreuen misstraut der offiziellen Version von einem Selbstmord. Allzu eklatant sind die Widersprüche. Warum blieb die Uhr des Königs um 18.54 Uhr stehen, die des Psychiaters aber erst um 20.06 Uhr? Starben die beiden nicht zur selben Zeit? Warum hatte Bernhard von Gudden jede Begleitung beim Spaziergang abgelehnt, obwohl sonst Pfleger dabei waren? Woher stammten die frischen Wagenspuren am Schloss? Verschwörungstheoretiker vermuten, dass Ludwig bei einem Fluchtversuch erschossen wurde – vielleicht sogar schon am frühen Nachmittag. Auch Luitpold gerät in Verdacht. Kurz vor der Arretierung ließ Ludwig in der "Bamberger Zeitung" einen Aufruf drucken: "Der Prinz Luitpold beabsichtigt, sich ohne meinen Willen zum Regenten meines Landes zu erheben. (…) Ich fordere jeden treuen Bayern auf, sich um meine treuen Anhänger zu scharen." Und die gibt es noch heute. Die bayerische Geheimgesellschaft der Guglmänner etwa hat es sich zur Aufgabe gemacht, den historischen Mordfall aufzuklären. Sie verlangt auch eine Öffnung des Sarges, in dem Ludwig II. liegt. Bislang vergeblich.

2. Dienten die Externsteine als Heiligtum der Germanen?

Externsteine Detmold

Christliche Spuren: Das Kreuzabnahmerelief der Externsteine nahe Detmold ist rund 900 Jahre alt. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Teutoburger Wald, 1940. Im Auftrag des Reichsführers SS Heinrich Himmler graben Archäologen an den Externsteinen nach Spuren der Vergangenheit. Die "Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe" will beweisen: Hier lag eine Kultstätte der Germanen, hier zelebrierten sie ihre heidnischen Sonnwendfeiern. Das Ergebnis ist eher dürftig. Trotz aller Mühen finden die Forscher keine Spuren der Germanen. Was Himmler nicht davon abhält, die Externsteine trotzdem als Beweis arischer Überlegenheit zu propagieren. Fest steht nur: Die auffällige Felsformation mit ihren Grotten regte schon immer die Fantasie der Menschen an: graue Sandsteinsäulen, verwittert, ausgehöhlt, wie erstarrte Riesen in den Himmel ragend. Überall an den bis zu 47 Meter hohen Felsen finden sich Spuren menschlichen Wirkens.

12.000 Jahre alte Werkzeuge belegen, dass die Gegend sogar schon in der Steinzeit besiedelt war. Hochmittelalterliche Keramiken und kleinere Funde deuten auf eine Nutzung seit dem 10. Jahrhundert und ein herrschaftliches Anwesen hin. Grotten wurden mit Feuer in den Stein gesprengt, in einer Nische liegt ein Felsengrab. Das berühmte Kreuzabnahmerelief, auf das 12. Jahrhundert datiert, zeigt vermutlich den Sieg des Christentums über heidnische Kulte. Forscher der Heidelberger Akademie der Wissenschaften untersuchten inzwischen die Felsen mit einer neuen Methode zur Lumineszenz- Datierung. Im Mittelpunkt: Brandspuren. Aber auch die Feuerstellen weisen auf das Mittelalter hin. Das germanische Heiligtum bleibt weiterhin nur ein Mythos.

3. Ließ Hitler die "Mona Lisa" stehlen?

Leonardo da Vinci Mona Lisa

Porträt: Die "Mona Lisa" ist seit 200 Jahren im Louvre in Paris zu bestaunen. - Foto © picture alliance / akg-images

Altaussee in Österreich, 8. Mai 1945. Eine US-Spezialeinheit dringt zum alten Salzbergwerk vor. Tief unter der Erde liegen hier Adolf Hitlers größte Schätze: mehr als 1000 Kunstwerke, geraubt aus den Museen Europas. Wie wertvoll dieser Fund ist, stellen erst die "Monuments Men" fest – Experten mit der Mission, NS-Raubkunst zu retten. Sie entdecken in den Stollen Meisterwerke von Rembrandt, Michelangelo, Dürer. Bis heute hält sich hartnäckig ein Gerücht: Auch die "Mona Lisa" war in dieser Schatzkammer versteckt. Das Pariser Museum bestreitet allerdings vehement, dass Leonardos Meisterwerk jemals in Hitlers Händen war. Handelte es sich um eine zeitgenössische Kopie? Die offizielle Version der Franzosen liest sich spannend genug: Als deutsche Truppen 1940 Paris besetzen, finden sie im Louvre leere Wände, Transportkisten und stapelweise Bilderrahmen vor. Ein Geistermuseum! Die kostbarsten Objekte sind längst ausgelagert. Auch für die "Mona Lisa" beginnt eine Odyssee in den Wirren des Zweiten Weltkriegs – zum Loireschloss Chambord, zur Abtei Loc-Dieu, schließlich zum Château de Montal in der Provinz Quercy. Erst im Juni 1945 kehrt das Gemälde in den Louvre zurück. War es wirklich all die Jahre auf Reisen – oder landete es doch im Salzbergwerk von Altaussee?

4. Wie mächtig waren die Tempelritter in Deutschland?

Gotische Kapelle in Mücheln

Relikt der Templer: Die gotische Kapelle in Mücheln bei Wettin. - Foto © picture-alliance / ZB

Jerusalem, um das Jahr 1119. Hugo von Payens und acht weitere Kreuzritter gründen einen Orden, der das Heilige Land für Pilger sichern soll: die Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem. Fast 200 Jahre lang häufte der Orden Reichtümer an. Zu ihrer Blütezeit besaßen die Templer rund 10.000 Burgen, Herrenhäuser und Ländereien, eigene Kirchen und Friedhöfe, durften Steuern erheben, waren für weltliche Gerichte unantastbar. Das Netzwerk der Macht reichte bis nach Deutschland. Die meisten Burgen errichteten die Ordensbrüder zwar im Heiligen Land sowie in Spanien, Frankreich und Portugal, doch auch hierzulande findet man Spuren. Berlins Ortsteil Tempelhof trägt die Herkunft sogar im Namen. Vermutlich gründeten Ritter die Siedlung um 1200 als sogenannte Komturei – also Ordensniederlassung. Auch Mariendorf und Marienfelde gehen auf die Templer zurück. Erhalten sind aus jener Zeit einige der ältesten Gotteshäuser Berlins. Das Wirken der Mönche auf deutschem Boden zeigt sich vor allem in der Siedlungspolitik. Lietzen in Brandenburg, der Templerhof von Mücheln (Sachsen- Anhalt) – alles Ländereien der Tempelritter. Mit der Auflösung des Ordens durch Papst Clemens V. im Jahr 1312 ging diese Ära schlagartig zu Ende. Was bleibt, sind Legenden.

5. Wer schickte Deutschlands Hexen in den Tod?

Hetzschrift Hexenhammer

Hetzschrift: Der "Hexenhammer", hier eine Ausgabe von 1669. - Foto © picture alliance / dpa

Speyer, 1486. Hinter Klostermauern schreibt der fanatische Dominikanermönch Heinrich Kramer ein Werk, das die Scheiterhaufen noch heller lodern lässt. "Malleus maleficarum", als "Hexenhammer" bekannt, stellt Frauen an den Pranger: Boshaft, sexsüchtig und leichte Beute des Teufels sollen sie sein. Seitenlang beschreibt er, wie man verdächtige Frauen etwa mit glühenden Eisenstäben zu foltern habe, um das Geständnis zu erzwingen. Obwohl der "Hexenhammer" offiziell weder kirchliche noch weltliche Anerkennung findet, dient er den verängstigten Menschen als Leitfaden für die Hexenjagd. Und auch Martin Luther liefert ihnen eine Legitimation: "Die Zauberinnen ... schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben", so der Reformator. Die Kirche schürt die Angst vor den Hexen, Anklagen aber kommen meist aus dem Volk. Für jeden Unglücksfall sucht man Sündenböcke. Vollstrecker sind dann weltliche Instanzen. Vor allem kleine Fürsten und Landesherren schicken Menschen auf den Scheiterhaufen. Der Bamberger Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim beseitigt so zwischen 1626 und 1631 fast die ganze unliebsame Stadtelite.

Autor: HÖRZU