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Energiesparlampen

An die Lichtqualität einer Glühlampe kommt die Energiesparlampe nicht ran. - Foto: © picture alliance / Klaus Ohlenschläger

Leuchtendes Vorbild?

Energiesparlampen

Vor drei Jahren hat die EU das schrittweise Aus für die Glühbirne beschlossen. Ab 1. September gilt es nun für alle Haushaltsglühbirnen – ausgenommen Spezialbirnen, etwa in Kühlschrank oder Backofen. Was bedeutet das für uns als Verbraucher?


Längst tobt ein Glaubenskrieg ums rechte Licht. Wer die Dokumentation "Bulb Fiction" auf DVD gesehen hat oder die ZDF-Reportage "Giftiges Licht", die am 8. August lief, muss Energiesparlampen für Teufelszeug halten: Sie würden unnatürliches, kaltes Licht machen, Phenol ausdünsten und elektromagnetische Strahlung abgeben, hieß es da.

Quecksilber in Energiesparlampen

Vor allem aber würden sie giftiges Quecksilber enthalten, das bei Bruch austreten und schwere gesundheitliche Schäden verursachen könne.

Eine deutliche Ehrenrettung für die neue Energiesparlampe kommt hingegen von der Verbraucherzentrale. Dort heißt es in einem Infoblatt: "Die Quecksilbermenge, die man durch den Verzehr von Thunfisch zu sich nimmt, kann eine größere Belastung sein als die seltene Entsorgung einer zerbrochenen Energiesparlampe."

In der Gesamtbilanz werde durch Glühbirnen sogar mehr Quecksilber in die Umwelt entlassen. Grund: Glühbirnen verbrauchen mehr Strom, der zum großen Teil aus Kohlekraftwerken stammt, wo das in der Kohle vorhandene Quecksilber frei wird.

Wer hat recht? "Es geht in der Diskussion nicht nur um messbare Dinge, sondern auch um Ängste", sagt Peter Schick, Lichtexperte der Stiftung Warentest. In Bezug auf die Strahlung gibt er Entwarnung: "Sie müssen sich genauso wenig vor Ihrer Energiesparlampe fürchten wie vor einem elektrischen Rasierapparat." Alle Tests seien eindeutig: Höchstens fünf Prozent der Grenzwerte für elektromagnetische Strahlung würden die Lampen erreichen. "Sie strahlen nichts aus, was nur im Entferntesten für die Gesundheit von Bedeutung wäre", so Schick.

Alternativen zur Energiesparlampen

Kritik äußert er allenfalls an der Leuchtkraft der Sparlampen: "An die Lichtqualität einer Glühlampe kommt sie nicht heran." Eine Alternative seien Halogenlampen – die jedoch ab 2016 von der EU ebenfalls ausgemustert werden.

Weitere Ausweichmöglichkeit: LED-Lampen. Sie werden ständig besser, sind quecksilberfrei, sehr haltbar, bislang aber noch teuer.

Einige Hersteller von Energiesparlampen haben begonnen, das umstrittene Quecksilber in Amalgam zu binden, sodass bei Bruch weniger der gefährlichen Substanz frei wird. Zudem verfügen einige Lampen (etwa von Megaman oder Ikea) über Splitterschutz oder einen Schutzkolben, der Glühbirnen nachempfunden ist.

Entsorgung der Energiesparlampen

Schlecht für die Quecksilberbilanz der Lampen ist auch die Frage ihrer Entsorgung: 80 bis 90 Prozent landen im Hausmüll. Die Hersteller sind zwar verpflichtet, die Lampen zurückzunehmen, die Händler jedoch nicht. Und der Weg zum kommunalen Recyclinghof ist oft umständlich.

Endlich bewerben die Leuchtmittelhersteller nun ihre Aktion Lightcycle, für die sie Sammelstellen eingerichtet haben: bei Elektro- und Baumärkten sowie in den Filialen von DM, Kaufland und Real.

Es bleibt allerdings die Frage nach den Arbeitsbedingungen in asiatischen Lampenfabriken und Recyclinganlagen. Dort sollen Arbeiter oft ungeschützt dem giftigen Quecksilber ausgesetzt sein. Auch besteht der Verdacht, dass man es bei Billiglampen mit dem Quecksilberanteil nicht so genau nimmt.

Übrigens dürfen Restbestände von Glühbirnen weiter im Einzelhandel verkauft werden. Die EU verbietet nur die Herstellung und den Vertrieb über den Großhandel. Trickreiche Geschäftsleute hatten auch versucht, aus China importierte Glühlampen als "Heatballs" zu vermarkten, als Heizelemente also, die "nur zufällig" auch Licht abgeben. Doch dieser Kniff wurde vom Verwaltungsgericht Aachen als unzulässig erklärt.

Neuester Trick: Man legt sich Glühbirnen mit verstärktem Glühdraht zu, die vom Hersteller als "stoßfest" deklariert wurden. Solche Speziallampen für die Industrie sind vom EU-Verbot nämlich nicht betroffen. Schöner Nebeneffekt: Sie brennen auch länger als die sonst üblichen 1000 Stunden.

Vor- und Nachteile der Energiesparlampe

Dass sie weniger Strom verbraucht, ist nicht umstritten, anderes dagegen sehr. Sparen um jeden Preis sei sinnlos, ja sogar gefährlich, sagen ihre Gegner. Vor- und Nachteile der Energiesparlampe:

  • Vorteile:
  • 1. Normale Haushaltsglühbirnen brennen 1000 Stunden – maximal. Energiesparlampen halten dagegen in der Regel mindestens 6000 Stunden, also sechsmal so lang! Oft sogar noch länger.

    2. Bei einer herkömmlichen Glühbirne werden nur fünf Prozent des Stroms in Licht umgewandelt. Anders ausgedrückt: 95 Prozent der Energie gehen hier als Wärme verloren – das ist eine katastrophale Bilanz! Die Kompaktleuchtstofflampen, wie sie offiziell heißen, sind 80 Prozent sparsamer, weil sie den Großteil der Energie in Licht umwandeln.

  • Nachteile:
  • 1. Wie in allen Leuchtstoffröhren steckt auch in Energiesparlampen hochgiftiges Quecksilber. Dieses landet noch zu oft im Hausmüll.

    2. Die neuen Energiesparlampen erzeugen auch elektromagnetische Felder. "Ungefährlich", sagen einige Experten. Die Kritiker aber meinen: "Jede zusätzliche Strahlung ist zu viel!"

    3. Schwindende Leuchtkraft. Bei Energiesparlampen lässt die Helligkeit mit der Zeit nach. Zudem dauert es einige Sekunden, bis sie richtig hell werden.
    Tipp: Lieber zu einer höheren Wattzahl greifen als auf der Packung empfohlen.

    4. Geht eine Energiesparlampe zu Bruch, heißt es: Achtung, Gefahr bei der Entsorgung!
    Tipp: Das Zimmer mindestens 15 Minuten verlassen, Scherben mit Pappen zusammenfegen, mit Gummihandschuhen aufsammeln, feucht wischen. Pappen, Handschuhe und Scherben in einem Schraubglas zum Recyclinghof bringen.

    Helligkeit in Lumen

    Beim Umstellen von Glüh- auf Energiesparlampen ist nicht die Leistung in Watt wichtig, sondern die Helligkeit in Lumen. Hier einige Orientierungswerte.

    - 9 Watt bei einer Energiesparlampe entspricht 400 Helligkeit in Lumen, das sind 40 Watt bei einer Glühbirne.

    - 15 Watt bei einer Energiesparlampe entspricht 700 Helligkeit in Lumen, das sind 60 Watt bei einer Glühbirne.

    - 20 Watt bei einer Energiesparlampe entspricht 1000 Helligkeit in Lumen, das sind 75 Watt bei einer Glühbirne.

    - 23 Watt bei einer Energiesparlampe entspricht 1400 Helligkeit in Lumen, das sind 100 Watt bei einer Glühbirne.

    Infos zu Energiesparlampen von der Verbraucherzentrale zum Herunterladen unter:
    www.verbraucherzentrale-energieberatung.de

    Autor: Thomas Röbke