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Siw Straatmann unternimmt erste Sparmaßnahmen.

Kann man seinen Energieverbrauch halbieren? Familie Straatmann versucht es. Siw Straatmann unternimmt erste Sparmaßnahmen. - Foto © NDR/Tim Boehme

TV-Experiment

Energie sparen

TV-Experiment "Die Energie-Wette": Familie Straatmann auf Sparflamme. Ein Film von Tim Boehme, am Freitag, den 30.05., 21.15 Uhr, im NDR.

Deutschland ist ganz weit vorn! Auch beim Energieverbrauch – leider. Jeder von uns verpulvert bis zu 6000 Watt Dauerleistung. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das ist zwar nur etwa halb so viel wie in den Vereinigten Staaten, aber ungefähr 30-mal so viel wie in Bangladesch. Würde jeder von uns seinen Energieverbrauch halbieren, könnten augenblicklich sämtliche Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Doch lässt sich das so einfach umsetzen?

Diese Frage stellte sich NDR-Autor Tim Boehme gemeinsam mit den Straatmanns aus Kiel. Vier Wochen lang versuchte die vierköpfige Familie, die mit 7000 Watt Dauerleistung pro Person sogar noch über dem Bundesdurchschnitt lag, ihren Energieverbrauch zu halbieren. Ob das geklappt hat, zeigt jetzt eine NDR-Reportage (siehe TV-Tipp rechts).

Wer nun allerdings glaubt, Energieverbrauch sei mit Stromnutzung gleichzusetzen, täuscht sich gewaltig. Das lernten auch Jan (44), Siw (44), Keana (12) und Luis (9) gleich zu Beginn ihres Experiments. Neben dem tatsächlichen Stromverbrauch fließen in die Rechnung noch mit ein: die Heizung inklusive Warmwasserbereitung, der Energieverbrauch durch Fortbewegungsmittel wie das Auto, die Energieleistung, die bei der Herstellung von Kleidung und Lebensmitteln anfällt, sowie Urlaube. Wobei natürlich eine Flugreise anders zu Buche schlägt als eine Radtour an der Ostsee.

Energie sparen: Rad fahren statt fliegen

TV-Experiment Energie sparen
Foto © NDR/Tim Boehme

Deshalb strich Familie Straatmann auch gleich eine der zwei geplanten Flugreisen aus dem Jahreskalender. Erstaunliche Erkenntnis dabei: "Die Kinder freuen sich richtig drauf, im Sommer in Schleswig-Holstein zu bleiben. Es war eher mein Wunsch, ein zweites Mal zu fliegen", gibt Siw Straatmann ehrlich zu. "Und auch in allen anderen Punkten fiel es Keana und Luis ziemlich leicht, sich auf die neue Lebensweise einzustellen. Kinder sind einfach noch nicht so festgefahren wie wir Erwachsenen."

Professionelle Unterstützung bekamen die Straatmanns von einem Energieberater der Verbraucherzentrale, einer Einkaufsberaterin und einem Tüftler, der gemeinsam mit der Familie ein Lastenfahrrad aus Schrottteilen baute. Danach konnte eines der beiden Autos in der Garage bleiben. Erschreckende Entdeckung: Selbst wenn alle Straatmanns aus dem Haus waren, wurden dort permanent 600 Watt Energie verbraucht. Die positive Überraschung: Mit einfachen Mitteln ließ sich diese sogenannte Grundlast auf circa 150 Watt senken.

Energiefresser Gefrierschrank

Elektrische Fußbodenheizung im Keller? Braucht kein Mensch. Der Gefrierschrank, der aus Omas Erbe stammt? Weg damit! Er allein frisst fast zehn Prozent des täglichen Stromverbrauchs. Beleuchtung am Aquarium? Unnötig. Vor allem lohnte es sich, konsequent sämtliche Geräte, die sonst im Stand-by-Modus Strom verbrauchten, mithilfe ausschaltbarer Steckerleisten ganz vom Netz zu trennen.

Nach einem kleinen Schock, weil Keana für einen Duschgang 46 Liter Wasser verbrauchte, entbrannte zwischen den Kindern ein Wettstreit, den schließlich Luis für sich entschied. Unter der Anleitung seiner Schwester verbrauchte er nur noch 8,1 Liter. Voraussetzung hierfür war allerdings, dass er bibbernd auch das Wasser nutzte, das kalt aus der Leitung kam, bevor das warme Heizungswasser das Bad im Obergeschoss erreicht hatte. Eine Duschvariante, die garantiert blitzschnell wach macht, aber nicht jedermanns Sache ist.

Ebenso wenig wie der Versuch, wirklich energiebewusst einzukaufen. Obst und Gemüse, das um die halbe Welt transportiert wurde, bevor es in unserem Einkaufskorb landet? Für Familie Straatmann war das während des Experiments tabu. Ebenso wie Fleisch, dessen Produktion sehr energieaufwendig ist. Schließlich müssen die Tiere großgezogen, ernährt, geschlachtet und in den Handel transportiert werden, bevor wir einen schönen Grillnachmittag genießen können.

Kostenloses Energiespiel

Siw Straatmann verspricht: "Wir versuchen natürlich, auch nach dem Experiment bewusster zu leben." In einem Punkt aber will die Pädagogin künftig nicht ganz so streng sein: "Ab und zu mal eine Kiwi oder ein Stück Gemüse, das nicht regional angebaut wurde, werden wir uns sicher gönnen." Auch das Lastenrad ist ihr etwas zu schwergängig. Dafür nutzt sie jetzt regelmäßig ihr Fahrrad, auch bei Entfernungen, für die sie früher den Wagen genommen hätte. Fazit: "Auch wenn’s zeitweise anstrengend war, hat das Experiment viel Spaß gemacht und unser Bewusstsein geschärft."

Für alle, die ihren eigenen Energieverbrauch überprüfen möchten, gibt es ein kostenloses Energiespiel, entwickelt von der Stadt Zürich (www.stadt-zuerich.de). Weitere Beratung leisten gern die Verbraucherzentralen.

Autor: Nicole Stroschein